Nikolaus
 
 

"Fürnsinn steht für lebendiges Kloster und lebendige Kirche"

St.Pölten, 04.12.2012 (kap/dsp) "Propst Maximilian Fürnsinn steht für ein lebendiges Kloster und eine lebendige Kirche ohne Angst", sagte Ex-Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad bei der Präsentation des neuen Buches von und über Propst Fürnsinn im Stift Herzogenburg. Unter dem Titel "Leben, einfach leben" liefert Fürnsinn pointierte Aussagen und zum Teil auch unkonventionelle Zugänge zu innerkirchlichen und gesellschaftlichen "heißen Eisen". Zugleich gibt er auch Insider-Einblicke ins Klosterleben und seine eigene Biografie.
Das Buch sei allerdings mehr als nur eine Biografie, sagte Styria-Verlegerin Gerda Schaffelhofer bei der Präsentation. Es sei vielmehr "eine Einladung zu einem spirituellen Leben, das auf Vertrauen zwischen Gott und dem Menschen beruht". Propst Maximilian gelinge es vorbildlich, "Gottvertrauen und modernes Leben zu verbinden".

Er sei nicht der Auffassung, dass die Kirche in einer Krise ist, betonte der Propst selbst bei der Präsentation. Er wolle lieber von einem Wandel sprechen. Geistliche Orte wie Stifte und Klöster würden im Rahmen der künftigen Gestalt der Kirche aber auf jeden Fall eine zentrale Rolle spielen, zeigte sich der Ordensmann überzeugt. Neue Aufbrüche in der Kirche seien nur eine Frage der Zeit.

Freimütig erzählt Fürnsinn in dem neuen Buch u.a. über seine nicht immer leichte Kindheit im Herzogenburg der Nachkriegszeit, die vom frühen Tod der Mutter geprägt war, seine Ausbildung und Arbeit als Fleischhauer und seinen Entschluss, Priester und Ordensmann zu werden. Missstände im Kloster werden ebenso benannt wie viele positive Erlebnisse. Der Propst gibt einen Einblick in die Tagesabläufe seiner Ordensgemeinschaft und wen er für ein Leben im Stift geeignet hält: "Ich möchte stabile Männer, die auf eigenen Füßen stehen."

Fürnsinn gibt aber auch Einblicke in sein geistliches Leben, das tägliche Chorgebet, Schriftlesungen, Meditationen, stilles Gebet und die tägliche Eucharistiefeier. Offen erzählt er über seine Erfahrungen als Seelsorger, oft auch in existenziellen Momenten des Lebens im Angesicht und Umgang mit dem Tod.

Klare Worte zum Thema Kirchenreform

Umfassend nimmt Fürnsinn auch zur Debatte um die Kirchenreform Stellung. Der Aufruf zum Ungehorsam der Pfarrer-Initiative sei seines Erachtens eine Grenzüberschreitung: "Wer alles auf einmal gelöst haben will, wird vermutlich gar nichts lösen". Der Propst rät zugleich auch den Bischöfen, sich dem Dialog mit den Reformbefürwortern zu stellen: "Ich weiß nicht, wovor man da Angst hat."

So manchen aus der Kirche Ausgetretenen bezichtigt Fürnsinn der "Heuchelei", und er kritisiert, dass die Öffentlichkeit beim Thema Missbrauch mit zweierlei Maß misst. Den Zölibat in der katholischen Kirche will der Ordensmann nicht grundsätzlich frei stellen, die Rolle der Kirche in der Gesellschaft hält er für unverzichtbar.

Aufgezeichnet wurden die Gedanken Fürnsinns in vielen Gesprächen über mehrere Monate von der Autorin Christiane Scholler.

(Christiane Scholler: "Propst Maximilian Fürnsinn. Leben, Einfach Leben. Eine Spurensuche". Styria Verlag, 2012)