Experten fordern Stärkung der Elternschaft

Die Fachstelle Beziehung – Ehe - Familie der Diözese St. Pölten lud zum erstmalig veranstalteten „Tag der Katholischen Elternbildung“ ins St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt. Interessierte – sowohl Eltern als auch Anbieter, wie Pfarren, Gemeinden und Organisationen – konnten sich an diesem Tag auf vielfältige Weise informieren, austauschen, in den Bereich der Elternbildung hineinschnuppern und geeignete Angebote finden.


Nach einer Podiumsdiskussion mit niederösterreichischen Experten und Familienlandesrätin Barbara Schwarz referierte Primar Klaus Vavrik über „Sichere Bindung – ein guter Start ins Leben“. Der Präsident der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit sagt: „Eine sichere frühe Bindung ist die Basis für eine gut Entwicklung von Grund auf.“

Junge Mütter und Väter gehören unterstützt, dass sie in ihre Elternschaft bewusst hineinwachsen, eine sichere Bindungsbeziehung zu ihren Kindern aufbauen können und der Weitergabe eventuell eigener traumatischer Erfahrungen vorbeugen, so Vavrik. Sichere Bindungen in der frühen Kindheit seien Schutzfaktoren bei Belastungen, würden zu besseren Lernerfahrungen führen und ermöglichen freundschaftliche Beziehungen. Umgekehrt führen unsichere Bindungen zu schlechteren Lernleistungen, zum Rückzug aus gemeinschaftlichen Aktivitäten und Belastungen können zum Risikofaktor werden. Bindungssicherheit sei für Kleinstkinder enorm wichtig. Erst wenn diese gegeben ist, könnten sie die Welt erkunden.

Vavrik rät dazu, Eltern, und vor allem Väter vermehrt in die Bindungs- und Beziehungsverantwortung zu holen und Elternschaft insgesamt zu stärken und zu unterstützen, Diese habe eine Schlüsselrolle für die Gesundheitsentwicklung der Kinder. Er plädiert auch „für eine Veränderung der Lebens- und Lernfelder für die Kinder zu erreichen, denn Kinder tun das was sie am besten können, sie passen sich an!“

Es lohne sich in Programme der primären Prävention und in den Aufbau von „Frühen Hilfen“
zu investieren, weil es die Entwicklungschancen jedes einzelnen Kindes verbessere, die körperliche und seelische Gesundheit der nächsten Generation stärke und ganz allgemein Ressourcen und Responsivität und somit das gesellschaftliche „Sozialkapital“ erhöhe.

Wenig Väter nehmen an Kursen der Elternbildung teil

Bei der Diskussion mit Vavrik, Landesrätin Schwarz, Maria Handl-Stelzhammer (Obfrau der Heilspädagogischen Gesellschaft NÖ), Silvia Radlbauer (Mutter), Angela Draxler (Obfrau des Berufsverbandes der NÖ FrühförderInnen) und Susanne Zöhrer-Zimmermann (Kinder- und Jugendpsychologischer Beratungsdienst NÖ) wurde darauf hingewiesen, dass kaum Väter an der Elternbildung teilnehmen. Auch wenn der Anteil steige.

Außerdem sei es schwierig, Problemfamilien zu erreichen. Gerade jene Eltern, die es dringend nötig hätten, würden selten Veranstaltungen zur Elternbildung aufsuchen. Dabei müsste gerade bei der frühkindlichen Förderung angesetzt werden, später sei es schwierig, Fehler zu korrigieren. Generell gebe es im Land Niederösterreich bei der Frühförderung ein breites Angebot. Es wurde mitgeteilt, dass bei immer mehr Kindern die Grundbedürfnisse nicht zufriedenstellend gedeckt werden: Dies bedeute ein Mangel an sozialer Sicherheit, Gefühl des Hungers sowie fehlende Schlafstunden.

Landesrätin Schwarz nahm auch die Eltern in die Pflicht. Es sei nun mal zu wenig Geld da, daher müssten alle Ressourcen in der Frühförderung genutzt werden: Also auch Väter und Mütter. Sie habe die Sorge, dass sich manche Eltern ein Stück weit vom Elternsein verabschieden würden. Etwa nach dem Motto: „Wie komme ich dazu, die Aufgaben meiner Kinder zu machen?“ Bei Schwierigkeiten würden Eltern die Probleme schnell an die öffentliche Hand überwälzen. Dabei könnten Eltern oft mit recht einfachen Mitteln ihre Kinder unterstützen.

Fotos:

Foto 1: @ Stock

Foto 2: V.l.n.r.: Silvia Radlbauer (Mutter), Susanne Zöhrer-Zimmermann (Kinder- und Jugendpsychologischer Beratungsdienst NÖ), Mitorganisatorin Anna Ruschka (Obfrau der Heilspädagogischen Gesellschaft NÖ), Regine Schönbauer (Moderatorin und Kindergarteninspektorin), Familienlandesrätin Barbara Schwarz, Klaus Vavrik (Präsident der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit), Doris Kloimstein (Fachbereich Familie der Diözese St. Pölten), Josef Grubner (Vorsitzender des Katholischen Familienverbandes der Diözese St. Pölten), Bischofsvikar Helmut Prader, Sabine Müller-Melchior (Geschäftsführerin Aktion Leben St. Pölten), Angela Draxler (Obfrau des Berufsverbandes der NÖ FrühförderInnen).

Foto 3: Referent Klaus Vavrik