Nikolaus
 
 

Europa: Bischöfe rufen in Krise zu "kritischer Solidarität" auf

Wien, 09.11.2012 (kap/dsp) Zu einem klaren "Ja" zur Europäischen Union in deren gegenwärtiger Krise bekennen sich die österreichischen Bischöfe. Europa brauche gerade in Krisenzeiten die "kritische Solidarität" seiner Bürger und angesichts der fortschreitenden europäischen Integration "gemeinsame Werte und geistige Fundamente", so die Bischöfe in einer Erklärung zum Ende ihrer Herbstvollversammlung. Diese fand heuer erstmals in Brüssel statt und war geprägt von zahlreichen Gesprächen und Begegnungen mit politischen Verantwortungsträgern.
Die Presseerklärungen im Wortlaut
Die Einigung Europas sei von Beginn an "zuerst und vor allem ein Friedensprojekt" gewesen, erinnern die Bischöfe. Nicht zuletzt die Verleihung des Friedensnobelpreises an die EU habe dies deutlich unterstrichen. Die Wirtschaftsgemeinschaft sei dabei ein Mittel, dieses Ziel zu erreichen. Vor diesem Hintergrund sei 1994 der Aufruf der österreichischen Bischöfe erfolgt, am Bauplatz Europa tätig zu sein nach dem Maßstab des Evangeliums.

Das Gespräch der Bischöfe sei zugleich eine Realisierung des durch den Vertrag von Lissabon in Artikel 17 garantierten Dialogs zwischen der EU und den Kirchen und Religionsgemeinschaften. Auch die "Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaften" (ComECE) diene diesem offiziellen Dialog der katholischen Kirche mit den EU-Institutionen. "Die Präsenz der Österreichischen Bischofskonferenz zeigt der Europäischen Union, dass die Katholische Kirche als Weltkirche auf verschiedenen Ebenen verantwortungsvoll die Gesellschaft mitgestaltet", heißt es dazu.

In den Gesprächen u.a. mit EU-Kommissar Johannes Hahn und dem Vizepräsidenten des Europaparlaments Othmar Karas und anderen Funktionsträgern der EU-Kommission sei auch die Sichtweise der Kirche in Fragen der bioethischen Forschung Thema gewesen, aber auch der Schutz des arbeitsfreien Sonntags. Mit Blick auf die globale Verantwortung wurden vor allem die zunehmende Verfolgung von Christen und das Recht auf Religionsfreiheit behandelt.

Einen Höhepunkt der Vollversammlung habe die Eröffnung einer Ausstellung im Europäischen Parlament über die selige Sozialpolitikerin und Gründerin der Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis" Hildegard Burjan (1883-1933) gebildet. "Ihre christlich motivierte Nächstenliebe ist bis heute Inspiration und Vorbild für Menschen, die konkret helfen wollen, wie auch für jene, die politische Verantwortung tragen", so die Bischöfe.

Bischöfe zufrieden mit Start ins "Jahr des Glaubens"

Österreichs Bischöfe haben eine positive Bilanz zum Auftakt des kirchlichen "Jahres des Glaubens" gezogen. Die Auseinandersetzung mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) und die Glaubenserneuerung als die beiden Hauptanliegen des kirchlichen Themenjahrs würden hierzulande in zahlreichen Initiativen "breit aufgegriffen". Es sei zu begrüßen, wenn bis zum 50. Jahrestag des Konzilsendes im Jahr 2015 - und damit über das offizielle Ende des "Jahr des Glaubens" im November 2013 hinaus - "die Konzilsdokumente jeweils auf Inhalt und Umsetzung hin erörtert und neu entdeckt werden", schreiben die Bischöfe. Eine Etappe dazu stelle ein Festakt anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Liturgiekonstitution "Sacrosanctum Concilium" am 3. und 4. Dezember 2013 in Salzburg dar. Für Ende 2015 ist zudem eine österreichweite Veranstaltung im Gedenken an den Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils geplant.

Den christlichen Glauben in Österreich zeitgemäß zur Sprache zu bringen, zu leben und öffentlich sichtbar zu machen, sei das Ziel vieler Initiativen im laufenden "Jahr des Glaubens", unterstreichen die Bischöfe. Ein besonderes Beispiel dafür ist die für die Fastenzeit 2013 österreichweit geplante "Aktion Glauben: verhüllen - enthüllen - entdecken". Gläubige sind dabei dazu aufgerufen, Glaubenssymbole im öffentlichen Raum während der kommenden Fastenzeit zu verhüllen - als Zeichen ihrer Wertschätzung und um auf diese Symbole aufmerksam zu machen. Zu Ostern sollen diese Symbole schließlich wieder koordiniert enthüllt werden, um zu unterstreichen, "dass Jesus Christus und der Glaube an ihn das größte Geschenk für die Menschen sind", wie die Bischöfe betonen.

Die Presseerklärungen im Wortlaut

Foto: (c) Kathpress/Wuthe