„Es braucht oft Menschen, Orte und Zeiten die uns auf Gott hinführen“

Auf den Spuren des Heiligen Patrick waren die 93 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der diesjährigen Diözesanwallfahrt von 4. bis 11. Mai in Irland unterwegs. Unter der Leitung des Direktors der Pastoralen Dienste, Sepp Winklmayr, und des geistlichen Leiters, Bischofsvikar Gerhard Reitzinger, folgten die Pilger einigen wichtigen Lebensstationen des irischen Nationalheiligen und besuchten Klöster, Wallfahrtsorte und auch „profane“ Sehenswürdigkeiten der grünen Insel. „Es braucht oft Menschen, Orte und Zeiten die uns auf Gott hinführen“, fasste Bischofsvikar Reitzinger die Bedeutung solcher gemeinsamer Pilgerreisen beim Besuch der St. Patrick's Church in Downpatrick zusammen.


Erster Höhepunkt der Reise war der Besuch der St. Patrick's Cathedral in Dublin. In der ursprünglichen kleinen Holzkapelle, die nahe einer Quelle stand, soll der Hl. Patrick um 450 bekehrte Gläubige getauft haben. Ein weiteres Pilgerziel in der irischen Hauptstadt war der Platz, an dem Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch im Jahr 1979 mit über 1,2 Mio. Menschen die Hl. Messe gefeiert hat.

In Richtung Belfast liegt Downpatrick, die „Burg des Patrick“. In der Nähe der Kathedrale soll sich das Grab des irischen Nationalheiligen befinden soll. Patrick (irisch: Padraigh) soll hier 461 oder 492/493 begraben worden sein. An seinem Todestag, dem 17. März, ist der Ort mit Pilgern und Touristen überfüllt.

Armagh ist eine der ältesten kirchlichen „Hauptstädte“ Europas. Der Hl. Patrick soll hier 444/445 sein erstes Kloster gegründet haben. Es ist ein Ort, mit zwei Kathedralen gleichen Namens: Die St. Patrick's Cathedral der Church of Ireland stammt aus dem Jahr 1268, bei der Kathedrale der röm. – kath. Kirche wurde mit dem Bau erst im Jahr 1840 begonnen; sie wurde1904 geweiht. Die Reisenden aus der Diözese St. Pölten feierten hier mit der einheimischen katholischen Gemeinde die Sonntagsmesse in englischer Sprache.

Treffen mit Generalvikar der Diözese Elphin

In Sligo, wo die Gruppe das Carrowmore Megalithic Centary mit der konzentriertesten Anhäufung von über 5500 Jahre alten Megalithanlagen in Irland besuchte, gab es auch ein Gespräch mit dem Generalvikar der Diözese Elphin (irisch: Ail Finn), Gerard Dolan. Der Generalvikar klagte über den auch in Irland fehlenden Priesternachwuchs, die zunehmende Säkularisierung und ganz besonders über die jüngst aufgedeckten Missbrauchsfälle in der irischen Kirche. Gleichzeitig hob er auch die gute Zusammenarbeit der verschiedensten Religionsgemeinschaften in Irland hervor.

Im 400-Selen-Ort Knock feierte die Pilgergruppe einen Gottesdienst in der Gnadenkapelle. An diesem Ort ist am 21. August 1879 die Mutter Gottes zusammen mit dem Heiligen Josef, dem heiligen Johannes und dem Lamm Gottes, 15 Menschen erschienen. „Es gibt hier keine konkrete Botschaft“, erklärte Bischofsvikar Reitzinger. Es liege an uns, im Auftrag Mariens „Was er euch sagt, das tut“ unseren Weg und unsere Berufung zu finden: „Jeder auf seine Art, es gibt kein Patentrezept.“

"Höhepunkt" Croagh Patrick

Ein Höhepunkt in doppelten Sinne ist der 764 m hohe Croagh Padraigh (Berg des Patrick). Im Jahre 441 stieg Patrick auf diesen Berg, fastete 40 Tage und erbaute eine Kapelle. Am 30. Juli 1905 wurde eine neue Kapelle am Berg geweiht. Der Sage nach vertrieb er von diesem Berg alle Schlangen aus Irland. An jedem letzten Sonntag im Juli stiegen bis zu 25.000 Pilger den Berg, viele sogar barfuß. Am Fuß des Berges steht die Skulptur eines so genanntes „Sargschiffes“. In der großen Hungersnot ab dem Jahr 1845 versuchten viele Iren mit solchen Schiffen nach Amerika auszuwandern und verloren dabei ihr Leben.

„Wiese der Söhne des Nóise“, heute bekannt unter dem Namen Clonmacnoise ist eine beeindruckende mittelalterliche Klosteranlage. Die erste Klostergründung unter St. Ciarán geht auf das Jahr 548 zurück. Die Lage war ideal: Straßen von Osten nach Westen und der Shannon River von Norden nach Süden waren von Vorteil. Vom 10. bis 17. Jahrhundert wurden immer mehr kleine Kirchen dazu gebaut. Die größte Ausdehnung hatte die Anlage allerdings im 12. Jahrhundert. Im nahen Besucherzentrum konnte die Reisegruppe die berühmten keltischen Hochkreuze aus dem 10 Jahrhundert bestaunen. Bei seinem Irlandbesuch im Jahr 1979 feierte Papst Johannes Paul II. in Clonmacnoise eine hl. Messe.

In den Wicklow Mountains im Südosten der Insel wird Glendalough besucht, eine alte Klosterstadt, die im 6. Jahrhundert vom Hl. Kevin (irisch: Caoimhghin)gegründet wurde. Die ehemalige Klosteranlage liegt im Herzen des „Tales der zwei Seen“ (Gleann Dá Loch). Herausragend ist der 32 m hohe Rundturm. Ganz in der Nähe dieses Wahrzeichens soll sich in der Ruine der alten St. Kevin´s Kirche sein Grab befinden. Hier feiert die Pilgergruppe aus der Diözese St. Pölten eine Hl. Messe zum Abschluss der Irlandreise.

Fotos: Christian Baumgartner

1 - vor dem St. Patrick Informationszentrum in Downpatrick

2 – beim Papstkreuz in Dublin

3 – Aufstieg auf den Croagh Patrick

4 – in Clonmacnoise

5 – in Glendalough vor einem Hochkreuz, im Hintergrund die verfallene Kirche St. Kevin's, wo dessen Grab vermutet wird