Dogmatiker Tück: „Papst argumentiert sehr differenziert“

Zur Diskussion um die Übersetzung des Kelchwortes Jesu „pro multis“ erläuterte der Dogmatiker Jan-Heiner Tück im Rahmen eines Vortrages an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Diözese St. Pölten den Brief von Papst Benedikt XVI. an die deutschsprachigen Bischöfe. „Im Unterschied zu den Kritikern argumentiert der Papst sehr differenziert“, betonte der Professor für Dogmatik an der Universität Wien. „Er spricht kein Machtwort, sondern wirbt für seine Entscheidung mit Argumenten.“ Um möglichen Missverständnissen über eine Akzentverschiebung in der Erlösungslehre vorzubeugen, habe der Papst eine Katechese, eine Glaubensunterweisung vorgesehen, die erklären solle, „was es eigentlich heißt, das Christus für uns gestorben ist“. Es gelte, den universellen Heilswillen Gottes von der individuellen Heilsannahme zu unterscheiden, wie Tück ausführte. Auch sei das Verhältnis von „vielen“ zu „allen“ zu beachten, wobei es um das für den christlichen Glauben wichtige Prinzip der Stellvertretung gehe: „Die Vielen, die Christus und seine Erlösung annehmen, haben eine Verantwortung für alle.“ Die Gläubigen dürften sich nicht als „inneres Bollwerk“ gegenüber der restlichen Welt abschließen, so Tück. Dies sei auch als Impuls des Papstes „gegen die Versuchung der Resignation, hin zur Vision einer eucharistischen Universalkirche“ zu verstehen.

Laut Dogmatiker Tück führt Papst Benedikt drei Hauptargumente für die wörtliche Übersetzung des Kelchwortes an. Als „philologische Argument“ führe er an, dass „für alle“ keine Übersetzung, sondern bereits eine Auslegung sei. Hier plädiere der Papst für eine wörtliche und nicht interpretative Übersetzung – jedoch ohne diese gerechtfertigte Auslegung abzusprechen.
Als zweites Argument nannte Tück die „Einheitlichkeit“: Gerade im Innersten der Liturgie gebe es in den verschiedenen Sprachen Differenzen, was die „Gefahr einer Spaltung“ in sich trage. Es sei „vordringlich, dass die Kirche mit einer Zunge spricht“.
Schließlich komme als „pastorales Argument“ hinzu, dass die Teilnahme an der Kommunion „keinen Heilsautomatismus“ bewirke, wie Tück betonte. Der Papst gebe hier auch den Impuls, die derzeitige „Kommunionskultur“ zu überdenken.