Diözesane Einrichtungen tragen zur politischen Bildung bei

St. Pölten, 25.09.12 (dsp) Freda Meissner-Blau, Galionsfigur der Umweltbewegung, eröffnete den Veranstaltungsreigen von „Kirche.Macht.Politik“ mit einem Vortrag im St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt. Damit wollen die vier diözesanen Einrichtungen Katholische ArbeitnehmerInnen-Bewegung (KAB), Katholisches Bildungswerk, das Seitenstettner Bildungszentrum St. Benedikt und das Welthaus die politische Bildung in der Region forcieren und einen Diskussionsprozess in Gang setzen.
KAB-Sekretär Erwin Burghofer betonte: „Damit wollen wir zur politischen Alphabetisierung beitragen und das auf möglichst breiter Basis.“ In allen Regionen der Diözese werden Veranstaltungen abgehalten: Vom Thema Europäische Union über Umweltschutz bis hin zur Arbeitswelt. Insgesamt gibt es 36 Abende, Unterstützung kommt von zahlreichen Kooperationspartnern. Bildungswerk-Geschäftsführer Gerald Danner möchte mit „Kirche.Macht.Politik“ „Lust auf Diskussionen“ machen. Diese seien dann fruchtbar, wenn sie „auf Wissen basieren“. Karin Hintersteiner vom Welthaus sagte weiters, dass diese Bildungsreihe nach den gesellschaftspolitischen Auswirkungen des Glaubens frage. Und es solle ein Gespür entwickelt werden für Ungerechtigkeiten wie das Aufgehen der sozialen Schere. Johannes Deinhofer, neuer Leiter des Seitenstettner Bildungszentrum St. Benedikt“ meinte, „der Glaube kann die Welt gestalten“. Es sei auch spannend, zu diskutieren, welche Handlungen man vom Glauben ableiten könne.

Die Themenstellungen reichen dabei vom persönlichen Zugang zur Demokratie über die soziale Ungleichheit bis hin zur politischen Dimension unseres Glaubens; von den Auswirkungen der Wirtschaft auf unsere Arbeitswelt bis hin zu den ökologischen und globalen Folgen unseres Handelns. Dabei soll nicht nur der Analyse, sondern auch alternativen Zugängen breiten Raum gegeben werden.

Freda Meissner-Blau betont Notwendigkeit von Veränderungen

Die Ikone der österreichischen Umweltbewegung Freda Meissner-Blau beschrieb ihren Weg in die Politik, ihre Stationen seien dabei meist zufällig gewesen. Prägend seien der „Anschluss“ Österreichs an Hitler-Deutschland, die Angst als junge Frau vor den Sowjets, die ungelösten Probleme durch die aufkemeinde Atomindustrie oder die drohende Zerstörung der Aulandschaft bei Hainburg gewesen. „Politik geht alle an“, so Freda Meissner-Blau. Essenz der Politik sei die Gerechtigkeit. Darauf habe schon der Philosoph Platon in seinem berühmten Werk „Politeia“ hingewiesen. Politik sei auch eine Sache von Kompromissen und Ausgleich. Das dürfe aber nicht dazu führen, dass es zum Stillstand komme. Die frühere Präsidentschaftskandidatin warnte eindringlich vor dem Korsett des Festgefahrenen, etwa durch Verträge, die den politisch Handelnden oft gar keine Möglichkeit mehr für Veränderungen böten. Diesen seien aber notwendig, etwa im Umweltbereich, wo man „keine Zeit mehr verlieren darf“, weil Großstädte aufgrund der Klimaerwärmung vor dem Untergang stünden. Soziale und andere Veränderungen könnten fast nur von unten kommen, Meissner-Blau nannte dabei ausdrücklich die Katholische Sozialakademie Österreichs (ksoe). Sie empfinde den Reichtum der Superreichen als „obszön“ - genauso wie die Armut der vielen. De facto habe die Politik zugunsten der Finanzmärkte den Primat aufgegeben. Darum sei politische Bildung wie sie von „Kirche.Macht.Politik“ ausgehe, umso entscheidender.

Termine und Näheres: Kirche.Macht.Politik

Bild 1: V.l.n.r.: Johannes Deinhofer (Bildungszentrum Seitenstetten), Karin Hintersteiner (Welthaus der Diözese St. Pölten), Michael Schmidinger (Katholisches Bildungswerk), Fredda Meissner-Blau, Gerald Danner (Katholisches Bildungswerk), Margarethe Gruber (Bildungszentrum St. Benedikt), Erwin Burghofer (KAB).
Bild 2: Freda Meissner-Blau