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Christliches Teilen heißt auch, Arbeitszeit zu teilen

Dass über 55.000 Menschen in Niederösterreich keinen bezahlten Job haben, daran erinnerten kirchliche Organisationen im Vorfeld des 1. Mai bei Straßenaktionen in mehreren niederösterreichischen Städten. „Arbeitslosigkeit ist eine Frage des Schicksals“, betonte Erwin Burghofer von der Katholischen ArbeitnehmerInnen-Bewegung der Diözese St. Pölten (KAB). Mit Straßenaktionen in Amstetten, Krems, St. Pölten und Zwettl wurde auf deren Los aufmerksam gemacht. Diözesane Einrichtungen bieten aber auch konkrete Hilfen.
Der „Tag der Arbeitslosen“ sei einer der wichtigsten Thementage im Jahr, weil sich viele Menschen bewusst werden, dass sie einen Job haben, betonte St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler. Mit der Arbeit hänge auch ein menschenwürdiges Leben zusammen. Der Tag sei auch eine Mahnung an die Politik, darauf zu achten, „dass wir wieder Vollbeschäftigung bekommen“. Außerdem sei eine soziale Grundeinstellung zentral für den sozialen Frieden.

Schicksal Alter

Erwin Burghofer von der Katholischen ArbeitnehmerInnen-Bewegung der Diözese St. Pölten erinnerte daran, dass gerade ältere Menschen schwer einen Job finden. Dies gelte für Männer und Frauen ab 45. Er appellierte auch, „Erfolgsstudien“ kritischer zu lesen, diese seien oft rein kosmetisch. Er fordert im Sinne des christlichen Teilens dazu auf, die Arbeitszeit besser zu verteilen. Ohne Überstunden gäbe es in Österreich 180.000 Vollzeitarbeitsplätze mehr, so Burghofer.

Schicksal psychische Erkrankung

Christine Krampl, Geschäftsführerin von SOMA (Sozialmarkt) St. Pölten, berichtete aus ihrer Erfahrung heraus, dass Arbeitslosigkeit Menschen auch psychisch stark betreffe. Viele würden sich zurückziehen und seien von der Außenwelt abgeschnitten. Es käme zum sozialen Ausschluss aus der Gesellschaft. Problematisch sei, dass sich für viele die Arbeitswelt zu schnell verändern würde, dies würden viele nicht mehr verkraften. Sie erzählt auch von Menschen, die ihre Arbeitslosigkeit aus Schamgefühl verbergen.

Schicksal Behinderung

Rudolf Dörr-Kaltenberger, Arbeitslosenexperte der Caritas der Diözese St. Pölten, sagte, dass es vor allem für Menschen mit Behinderungen in der derzeitigen Situation problematische wäre, einen Job zu finden. Läge die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit bei Menschen ohne Behinderung bei 80 Tagen, sei diese bei Menschen mit Behinderung bei 128 Tagen. Laut Dörr-Kaltenberger würden sich die Sparmaßnahmen der Bundesregierung spürbar negativ auswirken, daher fordert er „eine konstante und stabile Förderwirtschaft“ sowie mehr Geld für die Weiterbildung für Menschen mit Behinderung.

Schicksal Migration

Sepp Gruber von der Betriebsseelsorge wies auf das Los der Asylwerber hin. Diese dürften nicht arbeiten, was viele von ihnen regelrecht psychisch gebrochen habe. Verbesserungen gäbe es aber für die subsidiär Schutzbedürftigen. Viele Migranten hätten überdies hervorragende Qualifikationen, dies würde von den österreichischen Behörden aber allzu oft nicht anerkannt. Gruber zeigte einen Widerspruch auf: „Einerseits gibt es in Österreich einen Fachkräftemangel, andererseits dürfen viele ausländische Spezialisten, die hier leben, nicht arbeiten.“ Dabei sei Arbeit ein wichtiger Integrationsschritt. Am Aktionstag „Tag der Arbeitslosen“ wurden von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), Katholischen Arbeiterjugend, Arbeitslosenfonds der Diözese St. Pölten. Netzwerk der Solidarität, Betriebsseelsorge, Caritas in mehreren NÖ-Städten als „Arbeits-Los“ deklarierte Informationen über die Situation der Arbeitsuchenden verteilt, sowie kleine Kekse als „Arbeits-Plätzchen“, die das Grundrecht auf Arbeit und entsprechende Entlohnung ausdrücken sollten.

Bild 1: Caritas-Experte Rudolf Dörr, Bürgermeister Matthias Stadler, Sandra Eder (Kirchliches Netzwerk der Solidarität), Erwin Burghofer (Katholische Arbeitnehmerbewegung)
Bild 2: Caritas-Arbeitslosenexperte Rudolf Dörr-Kaltenberger, Christine Steindl (Katholische Arbeiterjugend), Sepp Gruber (Betriebsseelsorge), Sandra Eder (Kirchliches Netzwerk der Solidarität), Erwin Burghofer (Katholische Arbeitnehmerbewegung)
Bild 3: Vertreter der Naturfreunde, Kind, Erwin Burghofer (Katholische Arbeiterbewegung), Sepp Gruber (Betriebsseelsorge), Christine Krampl (SOMA), St. Pöltner Bürgermeister Matthias Stadler, Martina Bzoch (Betriebsseelsorge), Caritas-Arbeitslosenexperte Rudolf Dörr-Kaltenberger, Christine Steindl (Katholische Arbeiterjugend), Sandra Eder (Kirchliches Netzwerk der Solidarität).
Bild 4: Erwin Burghofer von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung im Interview.
Bild 5: Betriebsseelsorger Sepp Gruber am Kletterturm der Naturfreunde.