Christen sollen gesprächsbereite „Zeugen des Glaubens“ werden

Wien, 03.10.2012 (dsp) Das „Jahr des Glaubens“ soll als Chance genützt werden, um gemeinsam aus Sackgassen herauszufinden und die Kirche aus dem Glauben zu erneuern. Das ist die Kernbotschaft der österreichischen Bischöfe in einem gemeinsamen Hirtenwort zum „Jahr des Glaubens“, das vom Vorsitzenden der österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, in Wien vorgestellt wurde. Das Jahr des Glaubens, das weltweit am 11. Oktober beginnt, stelle die Frage, ob wir ausgerüstet seien, „über unseren Glauben in einfachen Worten Rechenschaft zu geben“, heißt es im Hirtenwort. Das Glaubenswissen zu vertiefen sei eines der Ziele, um „Zeugen des Glaubens“ zu werden, „auskunftsfähig und gesprächsbereit“.
Das Hirtenwort zum „Jahr des Glaubens“ im Wortlaut
Andere Schwerpunkte des Jahres seien die Neuentdeckung der Eucharistie als Quelle und Höhepunkt christlichen Lebens. „Nichts kommt der Begegnung mit dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn gleich, die uns in der Eucharistie geschenkt wird“, so die Bischöfe wörtlich. Wenn die Grenze zwischen Eucharistie und Wortgottesdienstfeier verwischt werde, stünde die Einheit der Kirche auf dem Spiel. Trotzdem brauche die Kirche beides, „lebendige Gebetsgemeinschaften vor Ort“ wie auch „gemeinsame Eucharistiefeiern“ als „Herzstück des Sonntags“. Auch hier sei das Jahr des Glaubens eine Einladung, das „Geheimnis des Glaubens“ neu schätzen zu lernen.

Das Hirtenwort geht auch auf den großen Bereich von Ehe und Familie ein und verweist darauf, dass die manchmal als streng empfundenen Regeln Jesu, welche die Ehe schützten, in Wirklichkeit „ein Ausdruck seiner Barmherzigkeit“ seien. Die Bischöfe hoffen in ihrem Schreiben abschließend, dass das anbrechende Jahr des Glaubens zur „Verlebendigung des Glaubens und zur Vertiefung des Glaubenswissens“ führen werden und rufen dazu auf, das „Band der Einheit“ in der österreichischen Kirche zu stärken.

Weg der Erneuerung „in voller Gemeinschaft mit dem Papst“

Zu den „Reformforderungen“ verschiedener Gruppen wiederholen die Bischöfe, dass ein „Aufruf zum Ungehorsam“ nicht unwidersprochen hingenommen werden könne. Zur Forderung nach einer Änderung der Zugangsbestimmungen zum Priesteramt erinnern die Bischöfe im Hirtenwort daran daran, dass „gerade das II. Vatikanische Konzil sich entschieden für die Beibehaltung des priesterlichen Zölibats für die römisch-katholische Kirche ausgesprochen hat, und dass alle Bischofssynoden seither immer wieder diesen Weg als für die Kirche gültig bestätigt haben“. Darin könne „ein Zeichen des Heiligen Geistes gesehen“ werden. Die Bischöfe seien sich der verschiedenen Probleme und Herausforderungen bewusst, betonen jedoch, dass sie „den Weg der Erneuerung und der Läuterung, auf dem wir uns befinden, bewusst in voller Gemeinschaft mit dem Papst“ gehen wollen und „in der vielgestaltigen Vernetzung mit der weltweiten Gemeinschaft der Kirche“.

Das Hirtenwort zum „Jahr des Glaubens“ im Wortlaut