Caritas-Augustsammlung für „Zukunft ohne Hunger“ startet

„Eine Milliarde Menschen leidet weltweit Hunger, 18 Millionen sind es allein in der Sahel-Zone in Westafrika“, rief Caritas-Direktor Friedrich Schuhböck bei einer Pressekonferenz zum Start der Caritas-Augustsammlung 2012 erschreckende Zahlen in Erinnerung. Schwerpunktland der Kampagne ist daher heuer Senegal, mit dem Land arbeitet die Caritas St. Pölten schon lange zusammen. Jene Lebensmittel, die es noch zu kaufen gibt, seien extrem teuer und für die Bevölkerung nicht erschwinglich. Ohne Hilfe würden nicht alle Menschen bis zur nächsten Ernte im Oktober überleben.
Das Pressegespräch fand bei einem eigens eingerichteten Caritas-Marktstand am St. Pöltner Wochenmarkt statt, um zu veranschaulichen, wie unverhältnismäßig teuer Lebensmittel für Menschen im Senegal sind. Viele Hungernde würden schlafen gehen in der Hoffnung, nicht mehr aufzuwachen. Schuhböck zeigte in dramatischer Weise auf, was Hunger bedeutet: „Wer hungert isst sein Saatgut und riskiert damit seine Zukunft; Eltern hungern, um ihren Kindern das Überleben zu ermöglichen; Eltern werfen Gras in heißes Wasser und müssen es dann den Kindern als 'Suppe' verkaufen.“ Den Menschen hierzulande gehe es gut, das sei aber auch eine Verpflichtung Hungernden zu helfen.

„Das durchschnittliche Monatseinkommen im Senegal liegt umgerechnet bei 110 Euro, wenn es überhaupt ein Einkommen gibt", erklärte Annamaria Bokor, Senegalexpertin der Caritas Auslandshilfe. „Davon sind sechs bis sieben Menschen abhängig. In Entwicklungsländern wie dem Senegal müssen Menschen bis zu 80% ihres Einkommens für Grundnahrungsmittel ausgeben. Die gefühlten Preise auf einem Markt im Senegal sind daher exorbitant hoch".

Dürre trifft bitterarme Region

Christoph Schweifer, Generalsekretär Internationale Programme von Caritas Österreich, nennt mehrere Ursachen für die drohende Hungersnot. Die Regenzeit ist normalerweise einmal jährlich und dauert zwei, drei Monate. Die letzte sei aber äußerst schwach gewesen und daher hätten die Menschen ihre Reserven aufgebraucht. Das Problem des fehlenden Regens traf eine Region, wo bittere Armut vorherrscht und ohnehin kaum Reserven oder Ersparnisse vorhanden sind. Weiters fehlten die Überweisungen jener, die vor der Revolution in Libyen Geld verdienten und in die Sahel-Zone überwiesen. Überdies seien Hunderttausende Flüchtlinge aus Mali zu versorgen.

Dazu kämen exorbitant gestiegene Getreidepreise, Schweifer kritisierte in diesem Zusammenhang die Spekulation auf Nahrungsmittel. Wie die Ernte im Oktober aussieht, könne man noch nicht abschätzen: da und dort gebe es zwar Regen, in anderen Gebieten sei es aber trocken geblieben.

Kinder im Zentrum der Hilfe

Wichtigstes Ziel der Caritas sei es, die Kinder zu ernähren, etwa mit Spezialnahrung. Unterernährte Kinder würden sich dramatisch schlecht entwickeln: geistig und körperlich. Weiters helfe die Caritas unter dem Motto „Lebensmittel für Arbeit“. Menschen bekommen zu essen, wenn sie Wasserspeicher bauen oder gegen die Bodenerosion ankämpfen. Die Caritas sorgt aber auch für Lebensmittelverteilungen. Außerdem setzt die katholische Hilfsorganisation auf langfristige Hilfe, damit die Menschen nicht mehr mit dieser Wucht von Dürre betroffen sind.

„Wenn wir uns das Angebot hier auf dem St. Pöltner Wochenmarkt ansehen, so können wir sagen: Wir werden auf jeden Fall satt. Es gibt weit mehr, als wir brauchen und das alles in höchster und bester Qualität und zu erschwinglichen Preisen”, sagt Bürgermeister Matthias Stadler. „Wir haben großes Glück und dessen müssen wir uns bewusst sein. Dass dies von vielen nicht richtig geschätzt wird und wir unsere soziale Verantwortung mehr wahrnehmen sollten, zeigt die Tatsache, dass in Niederösterreich jährlich 28.000 Tonnen Lebensmittel im Müll landen. Das bedeutet, dass 10% des Hausmülls aus Lebensmittel besteht. Finanziell bedeutet dies, dass jeder Haushalt in Niederösterreich jährlich Lebensmittel im Wert von 210 Euro wegwirft“, gibt Bürgermeister Stadler zu bedenken.

Beim Pressegespräch appellierten die Caritas-Vertreter für eine Umkehr: Statt die Gelder für Entwicklungszusammenarbeit weiter zu kürzen, müssten diese aufgestockt werden. Und es brauche einen internationalen Schulterschluss gegen Spekulationen auf Nahrungsmittel.

25 Euro sichern einer Familie Werkzeug und Saatgut

„Die Caritas Auslandshilfe unterstützt in den ärmsten Ländern Menschen in konkreten Armutssituationen“, so Lukas Steinwendtner, „ob in Westafrika oder in anderen Hungergebieten: Kurzfristig kann schon ein Sack Getreide über Leben oder Tod entscheiden. Langfristig sind Brunnen, die vertrocknete Erde fruchtbar machen, Getreidespeicher, Saatgut oder auch Ziegen wichtige Beiträge dazu, dass die Menschen auf eigenen Beinen stehen können. Die Caritas unterstützt Menschen in Not in rund 350 Projekten, etwa in Äthiopien, Senegal, Burkina Faso, Niger, Pakistan oder im Südsudan.

40. Sammlung

Die Augustsammlung wird heuer bereits zum 40. Mal von Caritas und Katholischer Männerbewegung durchgeführt. Sie ist eine der wichtigsten österreichweiten Spenden-Kampagnen für die Armutsregionen der Welt und insbesondere für Afrika. Die Spenden kommen fast zur Gänze direkt den Bedürftigen zugute, da zahlreiche Medien und Unternehmen die Aktion unterstützen. Im Vorjahr wurden in der Diözese St. Pölten – in den Gottesdiensten, per Erlagschein und mittels Online-Überweisung - beachtliche 504.200 Euro gesammelt. Caritas-Direktor Schuhböck hofft heuer wieder auf einen ähnlich Betrag.

Spendenkonto:
Raiffeisenbank St. Pölten
BLZ 32585, Kto.-Nr. 76000
Kennwort: Augustsammlung

Online-Spende:
www.caritas-stpoelten.at

Bild: Lukas Steinwendtner (Auslandshilfe Caritas St. Pölten), Caritas-Mitarbeiterin Petra Rappholt, Christoph Schweifer, (Caritas Österreich, Generalsekretär Internationale Programme), Caritas-Direktor Friedrich Schuhböck, Annamaria Bokor (Auslandshilfe Caritas St. Pölten und Senegalexpertin), Gabriele Bertl (Marktamt St. Pölten), St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler veranschaulichen, wie unverhältnismäßig teuer Lebensmittel für Menschen im Senegal sind.