Bischof Küng: Wer glaubt, entdeckt die Bedeutung des Lebens

St. Pölten, 22.10.2012 (dsp) „Wenn der Glaube erwacht, wenn Gott als Gott erkannt wird, dann wird die eigentliche Bedeutung des Lebens, der Welt entdeckt“, betonte Bischof Klaus Küng bei der ersten Katechese im Rahmen des „Jahres des Glaubens“ in der Franziskanerkirche in St. Pölten. Daher sei „Ich glaube an Gott“ tatsächlich die grundlegendste Aussage des Glaubensbekenntnisses. Küng kritisierte eine „manchmal fast naive Wissenschaftsgläubigkeit“, die zu einer Schwierigkeit des Glaubens werden könne: Die Menschen „brauchten“ gewissermaßen Gott nicht, da es so scheine, dass durch die Wissenschaft alles erklärt werde. „Die Welt und was zu ihr gehört, ist nicht aus eigener Kraft oder aus Zufall entstanden“, so Küng wörtlich. „Sie entstand, weil Gott sie wollte. Ohne ihn gäbe es kein Leben.“ Es gebe keinen Widerspruch zwischen Wissenschaft und Glauben: „Bei tieferem Nachdenken zeigen die Entdeckungen der Wissenschaften immer noch besser und noch deutlicher die Herrlichkeit der Schöpfung und die Unendlichkeit der Größe und Weisheit ihres Schöpfers.“

Angesichts der „Tatsache des Leidens in der Welt“ sei es nicht immer leicht, an Gott zu glauben, sagte Küng. Der Mensch sei jedoch frei erschaffen worden, mit der Möglichkeit, sein Verhalten selbst zu bestimmen, „anders gesagt, mit der Fähigkeit zu lieben“. Diese Freiheit habe der Mensch missbraucht. Der Mensch habe sich von seinem Schöpfer abgewendet und dadurch verändert, erklärte der Bischof. „Es bedeutet den Verlust der Freundschaft mit Gott und dadurch zugleich das Entstehen eines Risses, der die Harmonie mit sich selbst, meist auch mit den anderen trübt.“

Auf der anderen Seite sage uns die Bibel, „dass Gott nie zu lieben aufhört und den Menschen nie verlassen hat“. Schließlich folge mit der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus „eine völlige Veränderung der Beziehung zu Gott“, die „die große Wende in der Menschheitsgeschichte darstellt“. Der Sohn Gottes komme in die Welt, nicht um zu richten, sondern um zu retten. Er offenbare, „dass Gott ein barmherziger Vater ist, der den verlorenen Sohn mit offenen Armen aufnimmt, sobald er zurückkehrt“, so Küng.

Die Katechesenreihe über die 12 zentralen Glaubenssätze sind das „Herzstück“ – so Bischof Küng – des „Jahres des Glaubens“ in der Diözese St. Pölten. Die weiteren Katechesen finden an jedem 3. Freitag im Monat um 18 Uhr in der Franziskanerkirche am Rathausplatz von St. Pölten statt. Der nächste Termin ist am 16. November mit dem Thema „Wer war Jesus eigentlich wirklich?“; Vortragender ist DDr. Ludwig Juza, Regionalvikar des Opus Dei in Österreich.

Jahr des Glaubens