Bischof Küng: Treue zu Christus bedeutet auch Treue zur Kirche

In der heute weitgehend säkularisierten Gesellschaft breite sich in den letzten Jahren der Unglaube aus, sagte Bischof Klaus Küng bei der Chrisammesse am Mittwochnachmittag im St. Pöltner Dom. „Das ist sehr schmerzhaft und bedrängend.“ Gerade deswegen müssten Gläubige „treue Zeugen“ nach dem Vorbild Christi sein, „unabhängig davon, ob es im Trend der Zeit liegt oder nicht“. Katholiken sollten sich ihrer Verkündigungsaufgabe bewusst sein: „Man kann Christus nicht wirklich treu sein, wenn man nicht zugleich der Kirche treu ist.“ Dies sei auch ein wichtiger Aspekt für das „Jahr des Glaubens“, denn es gehe nicht nur um ein Kennenlernen von Inhalten, sondern auch „um die entsprechende Lebensgestaltung, die eine direkte Folge jedes wahren Glaubens ist“, wie Küng betonte.

Die Predigt im Wortlaut


Die Ursache einer „gewissen Unruhe in der Kirche gerade in unseren Breitegraden“ sieht Bischof Küng in der unsicheren Zukunft. Die Glaubenspraxis habe nachgelassen, dazu komme, dass der Klerus überaltert sei und nur wenige junge Priester nachkommen. Auch wenn die Situation „wirklich bedrängend“ sei, könne die Änderung der Zulassungsbestimmungen zum Priestertum nicht die Lösung sein, so Küng: „Persönlich bin ich davon überzeugt, dass solche Lösungen tatsächlich zu einfach sind.“ Vielmehr sei das „Jahr des Glaubens“ eine gute Gelegenheit, sich in diesem Zusammenhang mit den Texten des II. Vatikanums von neuem zu befassen. Wichtige Punkte seien dabei „das allgemeine Priestertum der Gläubigen und die Voraussetzungen dafür, aber auch das Dienstamt der Priester, ihre Lebensweise und ihre Wirksamkeit in der heutigen Zeit“.

Aufruf zur Einheit und zum Gehorsam

Der Bischof zeigte sich „zuversichtlich, dass sich die richtigen Wege finden werden, wenn jeder und jede bei sich persönlich anfängt und zu einer konsequenten Nachfolge Christi bereit ist, was die Bereitschaft zu allgemeinen Veränderungen einschließt“. Im Laufe der nächsten Jahre und Jahrzehnte würden sich neue Zentren des Glaubens in Pfarren, Klöstern und Gemeinschaften herauskristallisieren, „Zentren, in denen Christus wirksam ist“.

Wer durch Vereinigung mit Christus den inneren Frieden suche, werde „den Impuls empfangen, auch untereinander eins zu sein, zusammen mit dem Hl. Vater und dem Bischof“, so Küng. „Wir werden die Notwendigkeit verspüren, nach dem Beispiel Jesu nicht ungehorsam zu sein, sondern gehorsam. Jesus war gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz.“

Weihe der Heiligen Öle

In der Chrisammesse werden die Heiligen Öle – in der Reihenfolge: Krankenöl, Katechumenenöl und Chrisam – geweiht. Sie werden während des Jahres in Kirchengemeinden bei den Sakramenten Taufe, Firmung und Priesterweihe aber auch bei der Weihe eines Altars oder einer Kirche sowie bei der Krankensalbung benötigt. Die Öle bestehen aus reinem, naturbelassenem Olivenöl. Beim Chrisam (von gr. chrisma – Salböl) wird noch ein spezieller Duftstoff zugesetzt. In der Diözese St. Pölten ist es Perubalsamöl, das durch Destillation aus dem Balsamum peruvianum gewonnen wird. Perubalsam ist eine dunkelbraune, ölige Flüssigkeit von vanilleartigem Geruch, die durch Anräuchern der von Rinde befreiten, 10-jährigen Balsambäume nach Beendigung der Regenzeit gewonnen wird.

Ein weiteres Charakteristikum der – nach Möglichkeit – vom ganzen Diözesanklerus gefeierten Chrisammesse ist die jährliche Erneuerung des Weiheversprechens der anwesenden Priester und Diakone.

Die Predigt im Wortlaut