Bischof Küng: Kooperation von Kirche und Staat dient Gemeinwohl

St. Pölten, 28.10.12 (dsp) Rund 2.000 niederösterreichische Pfarrgemeinderäte lud Landeshauptmann Erwin Pröll am Sonntag zu einer musikalisch-literarischen Feier ins St. Pöltner Festspielhaus. Bischof Klaus Küng lobte dabei das „konstruktive Miteinander“ von Kirche und öffentlicher Hand. Er fügte hinzu, bei gutem Gesprächsklima zwischen politischer Gemeinde und Pfarre könne „zum Wohle aller viel erreicht“ werden. Der Bischof von St. Pölten verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, „dass die Tätigkeit der Pfarren für die politischen Gemeinden, für unser Land sehr wertvoll ist“. Küng wies darauf hin, dass die Kirche viel von ihrer sozialen und karitativen Tätigkeit nur deshalb ausführen könne, weil die öffentliche Hand diese Tätigkeit unterstütze, betonte aber auch, dass solche Kooperation sinnvoll sei, weil „die Kirche viele Ehrenamtliche einsetzt und meist auch Spenden für diese Tätigkeiten sammelt.“


Unter den Tätigkeiten, die von Seiten der Pfarre dem Gemeinwohl diene, nannte der Bischof „die seelsorgliche und menschliche Betreuung von kranken und alten Menschen, Besuchsdienste in den Seniorenheimen, die Pfarrcaritas als Anlaufstelle für Menschen in Not“ sowie die „Familien- und Jugendarbeit.“ Davon würden nicht nur religiöse Menschen profitieren. Der Bischof danke dem Land Niederösterreich auch für die zahlreiche Hilfe bei den vielen Renovierungen der Kirchen und der kirchlichen Gebäude und fasste zusammen: „Ich bin froh, dass solche Kooperationen möglich sind, und hoffe, dass das so bleibt.“

LH Pröll: Niederösterreich ist christlich geprägt

Landeshauptmann Pröll betonte beim Festakt: „Ich hatte das Glück in eine christliche Heimat hineingeboren worden zu sein.“ Das Christentum habe ihm „stets Halt im Leben gegeben.“ Auch sei ihm das Kirchenjahr immer wichtig gewesen: ob als Ratscher, Ministrant oder Kirchenzeitungs-Verteiler. Niederösterreich sei ein traditionell christlich geprägtes Land, als Landehauptmann werde er das weiter zur Schau stellen. Es gebe eine „ausgezeichnete Zusammenarbeit“ mit der Kirche.

Die Einladung an die Pfarrgemeinderäte habe einen zweifachen Grund: Einerseits werde es in der Gesellschaft immer seltener, dass man Dank für Engagement erfahre. Vieles was Ehrenamtliche leisten, sei schon so selbstverständlich geworden, dahinter stünden aber Menschen, die mehr tun als ihre Pflicht ist. Das wolle das offizielle Niederösterreich anerkennen. Andererseits wolle Pröll Mut machen, „geradlinig den Weg zu gehen, auch wenn es manchmal unangenehm ist“.

Durch den technischen Fortschritt und Materialismus bestünde die Gefahr, dass „Wesentliches vergessen“ werde, das aber hunderte oder tausende Jahre Glück brachte und Sinn machte. Pfarrgemeinderäte sollten auch den Menschen klar machen, dass „der Herrgott und die christlichen Grundwerte“ nicht nur in schlechten Zeiten von Bedeutung seien.

Gemeinsame Sorge um Menschen

Staat und Kirche führe die gemeinsame Sorge um die Menschen zusammen, sagte der katholische Publizist und "Furche"-Herausgeber Prof. Heinz Nußbaumer in einer Rede bei der Feier. "Trotz aller möglichen Reibungspunkte und Verwerfungen steht fest, dass Kirche und Staat einander sehr viel geben können - solange sie dabei nicht in Abhängigkeit voneinander geraten", so Nußbaumer der selbst Pfarrgemeinderat in einer niederösterreichischen Pfarre ist. Nicht Trennung, sondern eine "respektvolle Kooperation" zwischen Kirche und Staat sei Österreichs "Erfolgsrezept". "Auf ihr beruht - trotz aller Defizite - der vergleichsweise hohe Grundwasserspiegel an sozialer Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit", sagte Nußbaumer.

Neben den fast 2000 Pfarrgemeinderäten, Bischof Küng und Landeshauptmann Pröll nahmen auch Weihbischof Anton Leichtfried, Bischofsvikar Gerhard Reitzinger, Peter Haslwanter (Bereichsleiter Pfarren der Diözese St. Pölten), Sepp Winklmayr (Direktor der Pastoralen Dienste), Augustiner-Abtpräses Bernhard Backovsky (Stift Klosterneuburg), Abt Matthäus Nimmervoll (Stift Lilienfeld), Abt Columban Luser (Stift Göttweig), Christian Haidinger (Stift Altenburg), Propst Maximilian Fürnsinn (Stift Herzogenburg) oder Abt Johannes Jung (Schottenstift Wien). Moderiert wurde die Feier von Pater Karl Wallner (Stift Heiligenkreuz). Musikalisch umrahmt wurde die Feier vom Jugendsinfonieorchester Niederösterreich. Außerdem zeigten junge Künstler vorab Auszüge aus dem Musical „Annie“.

Foto 1: Großartige Feier im St. Pöltner Festspielhaus.

Foto 2: Landeshauptmann Erwin Pröll, Bischof Klaus Küng, Referent Heinz Nußbaumer.

Foto 3: Bischof Klaus Küng im "Interview" mit P. Karl Wallner.

Foto 4: Das Jugendsinfonieorchester Niederösterreich begeisterte.

Foto 5: "Premiere": Junge Künstler präsentierten vorab Auszüge aus dem Musical „Annie“.