Bischöfe: Politik soll vorgeburtlicher Selektion entgegenwirken

Die österreichischen Bischöfe rufen die politischen Verantwortungsträger des Landes zu einem klaren Votum gegen eine vorgeburtliche Selektion von Menschen mit Behinderung auf. Es dürfe nicht zugelassen werden, "dass Menschen schon vor der Geburt mit dem Argument der Vermeidung von Krankheit und Behinderung selektiert werden", heißt es in einer Presseerklärung der Bischofskonferenz im Anschluss an ihre Frühjahrsvollversammlung vom 19. bis 22. März in Tainach/Tinje. Dagegen müsse der "unendliche Wert und die unantastbare Würde jedes Menschen" betont werden.

Wortlaut der Presseerklärung


Mit Sorge beobachten die Bischöfe, dass die Diagnose eines Down-Syndrom-Kindes in rund 90 Prozent der Fälle zu einem Schwangerschaftsabbruch führt. Die diagnostischen Methoden würden hier einmal mehr so eingesetzt, dass ihr Ziel "nicht die Heilung, sondern die Selektion vor der Geburt" sei. Verschärft werde diese Entwicklung noch durch die gesetzliche Möglichkeit, die Abtreibung eines Kindes mit Behinderung bis unmittelbar vor der Geburt vorzunehmen. Diese Entwicklung verstärke "zusehends der gesellschaftliche Druck auf Menschen mit Down-Syndrom oder anderen Behinderungen".

Als Bekräftigung und "große Hilfe" im Einsatz für die Betroffenen könnten auch die "klaren Worte von Vizekanzler Michael Spindelegger und anderen Politikern" zum diesjährigen Welttag der Menschen mit Down-Syndrom betrachtet werden, heißt es von Seiten der österreichischen Bischöfe. Spindelegger hatte erklärt, jegliche Abwägungen, die darauf abzielen, den Wert eines Menschen oder seine Schutzwürdigkeit an das Vorhandensein bestimmter Qualitäten oder Fähigkeiten zu knüpfen, seien "strikt abzulehnen".

PGR-Wahlen "Zeichen der Lebendigkeit und Hoffnung"

Als ein "starkes Zeichen von Lebendigkeit und Hoffnung in der Kirche" bezeichnen die österreichischen Bischöfe die am vergangenen Wochenende österreichweit abgehaltenen Pfarrgemeinderatswahlen. Das nun vorliegende vorläufige Endergebnis zeichne ein "sehr positives Gesamtbild" – gerade auch "angesichts der bekannt gewordenen kirchlichen Fehler und Versäumnisse aus der Vergangenheit". Die Pfarrgemeinderatswahlen zeigten "einen nach wie vor großen, stabilen und glaubwürdigen Kern von Kirche, der vor Ort von den Menschen erfahrbar ist".

Dankbar zeigen sich die Bischöfe für die Bereitschaft der rund 30.000 Frauen und Männer, sich für die kommenden fünf Jahre ehrenamtlich in den 3.000 österreichischen Pfarren zu engagieren. Neben einer gegenüber den letzten Wahlen 2007 stabil gebliebenen Wahlbeteiligung von rund 20 Prozent weisen die Bischöfe insbesondere auf die Verjüngung der Pfarrgemeinderäte auf durchschnittlich unter 50 Jahre sowie den weiteren Anstieg des Anteils an Frauen auf nunmehr 56 Prozent hin. Die Wahlen hätten den Kandidaten gezeigt, "dass viele Gläubige hinter ihnen stehen und ihnen Vertrauen schenken", so die Bischöfe weiter.

Zum Konzilsjubiläum werden alle Glocken läuten

An allen österreichischen Kirchen sollen im Oktober die Glocken zum 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils läuten. Zudem sollen an dem Jahrestag, dem 11. Oktober, "die Türen der Kirchen um die Mittagszeit weit geöffnet werden", kündigt die Österreichische Bischofskonferenz an. Am gleichen Tag beginnt auch das von Papst Benedikt XVI. ausgerufene "Jahr des Glaubens" aus Anlass des Konzilsjubiläums.

"Es ist eine Einladung und eine gute Gelegenheit, den Glauben zu erneuern, zu vertiefen, und durch das Lebenszeugnis zur Sprache zu bringen. Die Wiederentdeckung und Auseinandersetzung mit den Konzilsdokumenten mit Blick auf heute soll dabei eine wichtige Rolle spielen", erklären die Bischöfe. In den Diözesen und in vielen Bereichen der Kirche hätten die Vorbereitungen dafür bereits begonnen. Zur Befassung mit der Lehre des Konzils soll eine Broschüre mit dem Titel "Freudig und furchtlos" anregen. Sie ist mit Beteiligung aller österreichischen Kirchenzeitungen erstellt worden.

Saudische Fatwa gegen Kirchen "inakzeptabel"

Vor dem Hintergrund des am Freitag begangenen "Schweigemarsches für verfolgte Christen" üben Österreichs Bischöfe am Freitag scharfe Kritik an einem extrem christenfeindlichen Rechtsgutachten (Fatwa) des Großmuftis von Saudi-Arabien. In der in Tainach/Tinje verabschiedeten Erklärung heißt es, man erwarte von den religiösen und politischen Führungskräften der muslimischen Welt eine klare Zurückweisung der betreffenden Aussage. Die Bischöfe verweisen dabei auch auf den Versuch des saudischen Königshauses, sich dialogbereit zu positionieren – u.a. durch das von Riad finanzierte neue Wiener Interreligiöse Dialogzentrum.

Großmufti Scheich Abdul Aziz bin Abdullah (Abd al-Aziz Ibn Abdullah Al asch-Schaich) hatte vor kurzem auf eine Anfrage kuwaitischer Abgeordneten erklärt, es sei verboten, weitere Kirchen auf der Arabischen Halbinsel – also auch in den Golfstaaten – zu bauen. Der Mufti forderte zudem die Zerstörung sämtlicher Kirchen um Saudi-Arabien, "da es zu viele gebe".

Ein solcher Erlass sei für "völlig inakzeptabel und auch nicht nachvollziehbar", so die Bischöfe. Er widerspreche zudem verschiedenen Initiativen des interreligiösen Dialogs, die es auf der arabischen Halbinsel gebe. Wörtlich heißt es: "Wir verlangen eine offizielle Erklärung und eine eindeutige Bejahung des Existenzrechts der Kirchen und Christen in dieser Region." So wie die katholische Kirche in Österreich und überall auf der Welt für die Religionsfreiheit eintritt, erwarte sie umgekehrt, dass auch auf der arabischen Halbinsel das Recht auf Religionsfreiheit beachtet und respektiert wird.

Wortlaut der Presseerklärung

Foto: Pressestelle Diözese Gurk-Klagenfurt / Eggenberger