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Bioethik-Experten fordern mehr Hintergrundinfos für Bevölkerung

Bei einer Informationsveranstaltung der ökumenischen „Lebenskonferenz“ im St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt warnten Referenten vor anstehenden, weitreichenden bioethischen Entscheidungen.
Diskutiert wurde dabei auch über ein Votum in der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt. Diese hatte in der Vorwoche eine Abstimmung veröffentlicht, in dem sich eine Mehrheit der Mitglieder für eine Zulassung von alleinstehenden Personen und lesbischen Paaren zu fortpflanzungsmedizinischen Maßnahmen ausgesprochen hat. Sechs der 25 Mitglieder der Kommission sprachen sich in einem Minderheitsstellungnahme allerdings dagegen aus.

Nicht alle Tendenzen aus anderen Ländern übernehmen

Stephanie Merckens, Juristin und Mitglied der österreichischen Bioethikkommission, appellierte an die Politik, nicht alle Tendenzen, die aus anderen europäischen Ländern kommen, zu übernehmen. Österreich könne auch manch eigenen Weg gehen, das zeige sich etwa am Beispiel der Atomkraftwerke oder an der Vorliebe der Österreicher für biologisch-nachhaltige Produkte. Daher sei es ihr ein Anliegen, Menschen über diese komplizierten Sachverhalte zu informieren, damit diese die Hintergründe für Entscheidungen kennen. So gebe es das ethische Dilemma, wenn etwa Embryonen bei der In-vitro-Fertilisation vernichtet werden, obwohl darin schon der Mensch grundgelegt ist. Die IVF könne aber auch die Gesundheit schädigen: etwa durch Frühgeburten, Mehrlingsgeburten oder einen erhöhten Hormonspiegel.

Brennende bioethische Themen seien derzeit die Eizellen- und Samenspenden, Stammzellgesetzgebung, Präimplantationsdiagnostik (PID), In-vitro-Fertilisation (IVF) für ledige und homosexuelle Paare oder Leihmutterschaft.

Negatives oft nicht veröffentlicht

Vor Möglichkeiten der Manipulation in der Bioethik warnte der Wiener Medizinethiker und Moraltheologe Matthias Beck. Diese könnten letztlich bis zu Mensch-Tier-Wesen führen. Er kritisierte, dass viele Studien etwa von Pharma-Unternehmen unter Verschluss blieben und nur positive Ergebnisse veröffentlicht würden. Auch der Wissenschaftler plädiert dafür, Verantwortung zu übernehmen und Stellung zu beziehen anstatt zu schweigen. Wichtig sei in der politischen und ethischen Diskussion, jeweils auf dem letzten Stand zu sein, da die Forschung rasant sei und laufend neue Publikationen erscheinen. Das Rad drehe sich laut dem Mitglied der österreichischen Bioethikkommission immer weiter und die ethischen Grundvoraussetzungen würden nicht mehr hinterfragt. Man müsse bei jeder Debatte oder Studie auch genau auf die Begrifflichkeiten achten, da hinter jeder Semantik eine Intention stehe. Beck betonte in seinem Referat, dass jeder Mensch aufgrund seines Menschseins eine Würde und Einzigartigkeit habe und daher dessen Verzweckung abzulehnen sei: etwa Handel mit Blut, Eizellen oder Organen.

Viel Unwissen in der Bevölkerung

Renate Mitterhuber, Hebamme und Trauerbegleiterin, begleitete Tausende Frauen bei der Geburt sowie nach Komplikationen. Auch sie beklagt viel Unwissen in der Bevölkerung und Zeitdruck, der nach Pränatal-Untersuchungen auf Frauen laste. Sie müssten sich oft innerhalb von drei Tagen für oder gegen eine Abtreibung entscheiden. Dazwischen stünden Konflikte mit Partnern und später neben Leid und Schmerz auch Schuldgefühle. Dabei könnten laut Mitterhuber viele Menschen mit festgestellten Missbildungen „sehr gut leben“.

Eizellenspenden massiv gestiegen

Susanne Kummer, Journalistin und stv. Geschäftsführerin des Instituts für medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE), stellte massive Nachteile bei der Spendung von Eizellen für Frauen fest. Es sei eine Missachtung der Würde der Frauen, wenn diese zu Eizellenlieferanten degradiert werden. Vielfach würden Frauen in labilen Situationen ausgenutzt, um Geld zu bekommen. Es gebe einen großen Markt, auf dem man mittels Katalog Eigenschaften der gespendeten Eizelle wählen könne. Ohne Geld würde keine Frau Eizellen spenden, so Kummer. Die wichtigsten Gründe für ein vielfaches Ansteigen des Eizellenbedarfs sei neben dem Wunsch nach Mutterglück für Frauen über 50 Jahren die Forschung. In Indien brauche es sogar schon ein eigenes Gesetz dafür, damit die Eizellenspenden pro Frau auf sechs sowie die Zahl der Leihmütterschaften pro Frau beschränkt werden. Hier gebe es ein Ausspielen reicher gegen armer Frauen. Zusätzlich wies die IMABE-Expertin darauf hin, dass Kindern oft etwas von der persönlichen Identität fehle, wenn sie nichts über ihre Eltern wüssten.

Die „Lebenskonferenz“

Die „Lebenskonferenz“ vereint Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Kirchen, Bekenntnisgemeinschaften und christlicher Bewegungen sowie kirchlicher und familienpolitischer Einrichtungen und Einzelpersonen, um wirksamer für den umfassenden Schutz des menschlichen Lebens einzustehen. Um das Leben von der Zeugung bis zum natürlichen Tod zu schützen, will die „Lebenskonferenz“ den Blick für die unantastbare Würde des Lebens schärfen, gemeinsam öffentlich die Stimme erheben, zur Verbesserung der Rechtslage beitragen und praktische Hilfe anbieten.

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