Bildung bestimmt Lebensqualität bei älteren Menschen mit

Die deutsche Sozialgerontologin Cornelia Kricheldorff betonte den Wert der Bildung als wesentlich für die Lebensqualität bis ins hohe Alter. Bei der Tagung „Alt aber gut?!“ des Katholischen Bildungswerkes der Diözese St. Pölten im Bildungshaus St. Hippolyt verwies Kricheldorff darauf, dass es gewichtige Gründe für Bildung im Alter (Geragogik) gebe: nämlich Wohlbefinden, soziale Einbindung und Gesundheit. Weiters stärke es die Selbstorganisation und die Partizipation an der Gesellschaft. Und: Durch Bildung könnten kritische Lebensereignisse besser bewältigt werden.


Auch wenn die Zahl steige, habe nur eine Minderheit der Generation 70+ Zugang zu traditionellen Bildungsangeboten wie sie etwa Volkshochschulen anbieten. Dies liege an bildungsbiografischen Erfahrungen wie schlechte Erinnerungen an die Schule, am gesundheitlichen Zustand oder an fehlender Mobilität. Bildung sei aber weitaus vielfältiger und die Geragogik habe ein breites Bildungsverständnis. So wären gerade die Neuen Medien auch für Senioren von steigender Bedeutung. Zentral für viele sei es, „Lernen und Handeln zu verknüpfen und Bildung im Alltag verwenden zu können“. Beispielsweise wäre es für viele ältere Menschen ein wichtiger Lernprozess, Tickets am Bahnschalter zu lösen, darauf müsse die Gesellschaft eingehen.

Beim selbstbestimmten Lernen ansetzen

Laut Kricheldorff, die an der Katholischen Hochschule Freiburg lehrt, nehmen abseits der traditionellen Bildungsangebote jene Lernformen zu, die ältere Menschen zu mehr Selbstbestimmung hinführen und motivieren wollen. Dabei gäbe es bereits gute Resultate. Und davon unterscheidet die Forscherin noch selbstorganisierte Formen des Lernens, bei denen „Ältere als Experten der eigenen Lebenslagen im Mittelpunkt stehen“. Kirchliche und andere Bildungseinrichtungen sollten bei älteren Menschen nicht beim schulischen, sondern beim ganzheitlichen, selbstbestimmten Lernen einsetzen.

Aber auch die Disziplin der Geragogik habe sich stark gewandelt, der Kern sei die Weiterentwicklung zum „ganzen Menschen“. Die ersten Theorien entstanden in den 1960er Jahren, damals stand unter dem Titel „Bildung für Ältere“ Betreuung, Fürsorge, Unterhaltung im Zentrum. Nach vielen Entwicklungsstufen würden heute unter dem Begriff „Alterbildung“ die Konzepte des Lernens zum Engagement, Empowerment, Ganzheitlichkeit und Biographieorientierung stärker im Vordergund stehen. In der geragogischen Praxis würden Neue Medien sowie Intergenerationelles Lernen einbezogen werden. Da die Belegschaften immer älter werden, würden auch Unternehmen mehr in dieses Thema investieren. Kricheldorff sagte außerdem, dass die Themen Spiritualität und Sinnorientierung wichtiger werden.

Auch Ältere haben noch gute Chancen zu lernen

Generell hätten Menschen laut Neurowissenschaften auch noch im hohen Alter gute Chancen zu lernen – was die Voraussetzung für Bildung sei. Die Lernfähigkeit verschlechtere sich nicht generell im Lebenslauf, sie verändere sich nur in Bezug auf bestimmte Faktoren und Inhalte. Bis ins 8. Lebensjahrzehnt können sich durch Training neue Synapsen im Gehirn bilden. Außerdem: Im Alter verringere sich zwar die Lerngeschwindigkeit, doch langsameres Lernen steigere die Genauigkeit und ein größerer Erfahrungshintergrund verbessere die Integration in bestehende Wissensbestände. Fazit von Cornelia Kricheldorff: „Deshalb sollten Bildungsangebote an diesem lebensgeschichtlichen Erfahrungsschatz und an den Fragen der alltäglichen Lebenswelt anschließen.“

Bild: Christa Herzberger (Pfarr-Caritas), Helga Edtbruster (Katholisches Bildungswerk), Markus Schmidinger (Katholisches Bildungswerk), Referentin Cornelia Kricheldorff, Beatrix Dangl-Watko (Katholisches Bildungswerk), Edith Habsburg-Lothringen (Seniorenpastoral).