Herbstwanderung
Erntedankkorb
 
 

Aufruf zu familienfreundlicher Politik

Wien, 26.10.2012 (kap/dsp) Der Nationalfeiertag sei nicht nur ein Tag der Dankbarkeit für Frieden, soziale Sicherheit und kulturellen Reichtum, sondern ebenso ein Anlass, sich der Verantwortung jedes Einzelnen für die Gesellschaft bewusst zu werden: Das unterstrich Diözesanbischof Klaus Küng bei einem Gottesdienst zum Nationalfeiertag am Freitag im Wiener Stephansdom. Zugleich attestierte Küng Gesellschaft und Politik aktuelle und bedrohliche Missstände - angefangen von der Familienpolitik über die Fortpflanzungsmedizin bis hin zu einem generellen "Werteverlust".
Zunehmend in Bedrängnis geraten laut Küng insbesondere die Familien. Zwar würde der Wert der Familie von Jugendlichen weiterhin hoch geschätzt, der Rückgang an Eheschließungen führe jedoch dazu, "dass den Kindern oft die Geborgenheit einer stabilen Elternbeziehung fehlt". Hinzu kämen hohe Scheidungsraten und eine niedrige Kinderzahl. Dagegen forderte der "Familienbischof" die Politik auf, insbesondere kinderreiche Familien "entschiedener zu fördern" - gerade diese Familien seien oft von der "Schuldenfalle" bedroht. Küngs Appell an die Politik: "Wie wäre es mit spürbaren Steuererleichterungen für solche Familien?"

Als "besorgniserregend" bezeichnete Küng weiters die Entwicklungen in der Fortpflanzungsmedizin. Behinderte Kinder hätten nicht zuletzt durch die pränatale Diagnostik "fast keine Chance mehr, das Licht der Welt zu erblicken". Es stehe "zu befürchten", so der Bischof weiter, dass sich Österreich einem internationalen Trend beuge und auch die Praxis der Präimplantationsdiagnostik (PID), die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare oder ähnliches zulasse. Gerade die PID führe aber "eindeutig zur Selektion". Hier plädierte Küng für einen "mutigen selbstständigen österreichischen Weg". Auch brauche es in Österreich eine "echte bioethische Debatte", da die Zukunft vielleicht gar die Situation bringe, dass Sterbehilfe aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus erwogen werde.

Der Kirche komme in diesen Debatten laut Küng die Rolle der Verteidigerin der Werte zu: So drohe derzeit ein "Wertverlust in der Gesellschaft", der nicht zuletzt auch das Bildungswesen herausfordere. "Wer wird die Werte verteidigen, wenn es die Kirche nicht tut?", so Küng.

Der Bischof schloss den Gottesdienst zum Nationalfeiertag mit einem "Aufruf zum Gehorsam": "Wir brauchen christliche Politiker, wir brauchen christliche Wissenschaftler, wir brauchen christliche Lehrer und wir brauchen Priester - aber nicht ungehorsame Priester, sondern gehorsame, demütige Priester, die von der Liebe zu Christus durchdrungen sind."

Die Predigt im Wortlaut

Foto: (c) NonScolae