Abtprimas Notker Wolf: Unser Glaube braucht Pioniere

"Die Kirche braucht Leute, die Feuer im Herzen haben, die die Zeichen der Zeit erkennen und die den christlichen Glauben weitervermitteln können." Der weltweit oberste Repräsentant der Benediktiner, Abtprimas Notker Wolf, erinnerte bei der Vigil zum Stiftertag im Stift Seitenstetten daran, wie viel einzelne "Pioniere der Kirche" für das Christentum erreichen konnten und können.


Die Kirche habe es in der Phase der Säkularisierung derzeit nicht leicht, die Weltkirche habe außerdem eher Afrika als Europa im Blick. Viele Christen hätten sich hierzulande angepasst, würden zu allem "ja sagen", was die Welt von ihnen erwarte. "Was bleibt uns dann noch vom Katholischen?", fragte Notker Wolf. Die Gesellschaft sei seit 1968 in großem Umbruch, das zeige heute die Piraten-Partei. Diese tendiere stark zum Individualismus und zum Egoismus. Das gelte auch für die Finanzwelt. Der Abtprimas hinterfragte, ob wir überhaupt noch tragfähige Beziehungen eingehen könnten. Beispiele wie das Netzwerk Facebook zeigen, dass "wir auf bestem Wege zu einer total beliebigen Gesellschaft sind - im Sinne des modernen "Rühr-mich nicht an“. Und er warnte vor Gruppen, die diese Toleranz ausnutzen, etwa die Salafisten. Andererseits könnten diese dazu motivieren, dass "wir wieder zu uns selbst kommen".

Seit rund 50 Jahrzehnten sei die Volkskirche praktisch am Ende, abgesehen von einigen Gemeinden. Es sei eben alles viel mobiler geworden, daher benötige die Kirche neue Formen der Seelsorge. So könnten in den Städten Zentren der Glaubensverkündigung entstehen, ergänzt durch Klöster als Orte und Zentren der Begegnung.

Beispiele von engagierten Pionieren

Die Zukunft der Kirche hänge aber nicht von Bischöfen oder den Gläubigen ab, sondern vom Geist Gottes, "den wir aber allzu oft festbinden wollen". Man erwarte teilweise viel zu viel von Rom. Dabei könnten einzelne Pioniere der Kirche zum Durchbruch verhelfen. Notker Wolf brachte Beispiele: Auch im "finstersten Mittelalter" hätten einzelne Christen es geschafft, blühende Gemeinschaften zu etablieren -- etwa der Heilige Notker im 9. Jahrhundert in St. Gallen. Das 19. Jahrhundert sei für die Kirche ebenfalls schwierig gewesen, etwa aufgrund der Bevölkerungsexplosion. Genau in dieser Zeit habe es aber viele Aufbrüche gegeben: Engagierte Katholiken gründeten viele Sozialinstitute, Krankenhäuser oder Schulen. Auch die Missionsorden wurden in dieser Zeit stark. Allein der Vater des benediktinischen Mönchtums in den USA, Bonifaz Wimmer (gest. 1887), habe 4 Abteien, 152 Pfarren und etliche Schulen gegründet. Abtprimas Wolf erinnerte auch an die vielen Frauen, die trotz vieler Schikanen und Mühen sich abmühten. Fruchtbar sei weiters das benediktinische Wirken in Ländern wie Südkorea oder Tansania, wo der Orden viel für die Priesterausbildung oder für das Medienwesen tue.

Es braucht Ausdauer und Optimismus

Bei christlichen Pionieren müsste die Sorge um die Verherrlichung Christi im Zentrum stehen. Sie bräuchten vor allem Ausdauer und Optimismus. "Wenn alles in der Kirche krank geredet werde, dann hätten viele Katholiken das Gefühl, dass die Kirche wirklich krank sei." Wolf betonte dagegen, dass viel Gutes in der Kirche geschehe: Viel würden die Pfarren bewirken, viele christliche Familien beten. Christen bräuchten Begeisterung und ein "mutiges Herz". Daraus müssten Visionen entstehen und daraus Strategien. Diese Pioniere dürften sich auch nicht so schnell etwa von Phlegmatikern von ihrer Mission abbringen lassen. Sie sollten aus inneren Antrieb heraus und gestärkt durch den Heiligen Geist in die Welt hinausgehen, um "die unendliche Liebe Gottes zu verkünden." Jeder Einzelne könne sich auch fragen: "Bin ich als Christ ein gutes Beispiel für Nächstenliebe?" Menschen müssten von der Liebe Gottes überzeugt werden, dann bekomme die Kirche auch wieder ein neues Gesicht."

Abtprimas Notker Wolf besuchte das Mostviertler Stift anlässlich des 900 Jahr-Jubiläums. Seitenstettens Abt Berthold Heigl erinnerte daran, dass das "Herz von Abtprimas von Notker Wolf für die weite Welt schlage", das sei schon am unglaublichen Reisepensum des obersten Benediktiners ersichtlich.

Foto: Seckauer Altabt P. Johannes Gartner, Abtprimas P. Notker Wolf, Seitenstettner Abt P. Berthold Heigl.