„Zeichen der Hoffnung“ für die Kirche

Die Kirche setzte im vergangenen Jahr ihre Bemühungen fort, den „veränderten Verhältnissen in Gesellschaft und Kirche entgegenzuwirken“, sagte Bischof Klaus Küng in seiner Predigt bei der Jahresschlussandacht am Silvesterabend im Dom von St. Pölten.
Der Weg der „Pilgerschaft der Kirche“ sei – nach Augustinus – gekennzeichnet „durch Verfolgungen der Welt und Tröstungen Gottes“, sagte der Bischof. „Wobei die Verfolgungen der Welt durchaus unsere eigenen Schwächen und Gebrechen miteinschließen.“ Diese Charakterisierung kirchlicher Pilgerschaft treffe auch für das vergangene Jahr zu.
Dabei habe es viele „Zeichen der Hoffnung“ gegeben, wie die Priesterweihen und Eintritte in das Priesterseminar, die Begegnungstage im Dekanat Lilienfeld, die Dankfeiern mit Ehrenamtlichen in den Pfarren oder die Aktionen „7 Schritte“ und „Zeit zu beten“. Etwas ganz Besonderes sei das Weltjugendtreffen in Madrid gewesen, so Küng, mit 2 Millionen Jugendlichen aus der ganzen Welt, davon 6.000 aus Österreich.

Bei allen Bemühungen sei die Kirche jedoch „noch nicht weit gekommen“, sagte Bischof Küng. Das zeigten etwa die internen Diskussionen, „die bisweilen schmerzhaft und noch lange nicht zu Ende sind“. Die Ursachen sieht Küng unter anderem in der Geschwindigkeit, in der sich die „Lebensweisen verändern“, und die „starke Auswirkung“ davon auf die Glaubenseinstellung und die Glaubenspraxis vieler Menschen.

Bei einem realistischen und nüchternem Blick auf die gegenwärtige kirchliche Situation seien jedoch auch viele Gründe zu erkennen, „warum wir Gott danken sollen“, betonte Küng: Die Zahl der Messbesucher am Sonntag sei weiterhin hoch, noch größer sei die Zahl derer, „die sich mit der Kirche innerlich verbunden wissen, obwohl ihre religiöse Praxis nicht mehr so pünktlich genau ist“. Diese Verbundenheit zeige sich etwa an der Unterstützung bei Kirchenrenovierungen und an der Teilnahme bei bestimmten kirchlichen Festen. Auch das Spendenaufkommen sei „beachtlich“, z. B. bei der Dreikönigs- oder bei der Fastenaktion. „Ebenso leistet die Caritas weiterhin Großes“, erinnerte Küng.

In der gesellschaftlichen Entwicklung unseres Landes sah Küng „manche Symptome, die zu Besorgnis Anlass geben“ und nannte die zunehmende Instabilität der Familien, die größere Häufigkeit von Verhaltensstörungen bei Kindern, die „eindeutig zu geringe“ Kinderzahl, die hohe Prokopfverschuldung und den „immer größere Bevölkerungskreise betreffende Werteverlust“. Bischof Küng wörtlich: „Vielleicht könnte man einwenden, das zuletzt Genannte sei eine Angelegenheit der Kirche, was ja auch wahr ist; es betrifft aber doch auch den Staat, das Land und die Gesellschaft. Denn ohne Wertebewusstsein wird es für die Menschen gefährlich!“