Weihnachtsansprache Radio Niederösterreich

Liebe Hörerinnen und Hörer! Es ist soweit. Der Heilige Abend ist angebrochen. Sind wir jetzt wirklich bereit, Weihnachten zu feiern? Ist alles so, wie es an Weihnachten sein soll?

Weihnachten ist ein Fest der Familie. Das ist einfach so. Aber, wenn jemand keine Familie hat? Oder die Familie zerbrochen ist? Oder aus anderen Gründen eine Weihnachtsfeier im Kreis der Familie nicht möglich ist? Viele erleben dann gerade dieses Fest als schmerzhaft.

Weihnachten ist ein Fest des Friedens. Auch das ist nicht so einfach. Es beginnt schon damit, dass wir oft ausgepumpt am Heiligen Abend ankommen: Da gab es noch viele Besorgungen, Adventfeiern und anderes. Besonders schwierig wird es, wenn es in der Familie Streit gibt. Außerdem sind oft die Erwartungen überhöht, umso enttäuschter ist man, wenn Weihnachten nicht so verläuft, wie man es sich vorgestellt hat. Und der Friede in der Welt ist ohnedies prekär.

Weihnachten soll dann noch ein Fest der Freude und vor allem der Liebe sein. Wie erreichen, dass dies wirklich zutrifft? Sind das alles Illusionen, vorbehalten glücklichen Menschen? Man kann sich ja nicht befehlen, froh zu sein oder eine große Liebe zu haben.

Romano Guardini sagte einmal sinngemäß, man solle nicht die Teilaspekte absolut setzen, losgelöst von der eigentlichen Botschaft. Und was wäre dann die „eigentliche Botschaft“ von Weihnachten?

Nicht was, sondern wer! Ein Mensch. Ein Kind.

Der Prophet verkündet: „Ein Kind ist uns geboren.“ Es ist ein ganz besonderes Kind. Ein Kind, das Licht in das Dunkel des Streits gebracht hat. Das den Einsamen sagt: ich bin der Immanuel, „Gott ist mit uns“, Gott ist gerade heute mit dir, du Einsamer; das den Gestressten und Zerstrittenen den Frieden anbietet, weil es ja gekommen ist, um Himmel und Erde zu versöhnen. Dieses Kind wird uns wahre Liebe bringen, Liebe, die bis zum Oper und zur Hingabe für andere geht. Auch für den schwachen, gefallenen Menschen schenkt dieses Kind Mut, weil es von Gott dem barmherzigen Vater gesandt ist.

Wir müssen gar nicht alles richtig machen an Weihnachten. Wir müssen nur den ersten Schritt setzen und vor dieses Kind in der Krippe treten mit unseren Sorgen und unserer Schwäche. Dann macht er alles weitere.

So wünsche ich Ihnen ein wirklich frohes, gesegnetes Weihnachtsfest.