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"Schenken sie doch heuer einen Heizkörper"

237.000 Menschen in Österreich fehlt das Geld, um ihre Wohnung angemessen warm zu halten. Darauf machte Caritas-Präsident Franz Küberl anlässlich der diesjährigen Inlandshilfesammlung der Caritas aufmerksam, die im November mit Plakaten mit der Aufforderung darauf "Schenken Sie doch heuer einen Heizkörper" beworben wird. Bei allem Wohlstand in Österreich gebe es hierzulande auch viele arme Menschen, wies Küberl im Rahmen einer Pressefahrt zu Caritas-Einrichtungen in St. Pölten, Wien und Wels hin. Fast eine halbe Million Österreicher - rund sechs Prozent der Bevölkerung - lebten derzeit in manifester Armut, eine Million Menschen seien armutsgefährdet. Besonderes Augenmerk legt die Caritas auf "Energiearmut". Die Haushaltsausgaben für Energie seien zuletzt besonders gestiegen, erinnerte Küberl: Haushalte mussten 2010 um fast 30 Prozent mehr für Strom und mehr als 50 Prozent mehr für Gas ausgeben als noch vor zehn Jahren. Arme Menschen seien besonders davon betroffen, denn sie haben, so der Caritas-Chef, oft energiefressende, alte Geräte und leben in schlecht isolierten Wohnungen. "Mit einer Spende von 30 Euro schenkt man einer notleidenden Familie zwei Wochen lang eine warme Wohnung", appellierte Küberl an die Solidarität der Österreicher.

Schuhböck: strukturelle Schwächen bei der Armutsbekämpfung

Die Caritas-Pressefahrt zum Start der Inlandshilfe-Kampagne ("Elisabethsammlung") führte vom Wiener Rupert-Mayer-Haus für wohnungslose Frauen und Männer zur "WeGe" (Wohngemeinschaft für Haftentlassende) in Wels und schließlich zum Mutter-Kind-Haus der Caritas in St. Pölten. Dabei wurde den Journalisten vor Augen geführt, dass Armut in Österreich viele Gesichter hat: vom Firmenbesitzer, der nach Erkrankung und Scheidung in Wien obdachlos wurde über Ex-Häftlinge, die sich nach der Entlassung nicht zuletzt aufgrund von Vorurteilen schwer tun, im "normalen Leben" wieder Fuß zu fassen, bis hin zu Teenagern, deren Schwangerschaft sie bei den Eltern zur Unperson werden lässt.

Der Caritasdirektor der Diözese St. Pölten, Fritz Schuhböck, machte beim Besuch im Mutter-Kind-Haus auch auf strukturelle Schwächen bei der Armutsbekämpfung aufmerksam: Die Mindestsicherung liege mit derzeit 753 Euro pro Monat deutlich unter den 994 Euro, die in Österreich als Grenze für Armutsgefährdung gelten. Die Caritas-Klientel habe "massivst" unter den Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu leiden, so Schuhböck: In der Diözese St. Pölten sei bei den Hilfeleistungen der Caritas zuletzt eine Steigerung um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei den Vorsprachen bei den Beratungsstellen sogar um fast zwei Drittel festzustellen gewesen.

Schuhböck forderte Verbesserungen bei der in Niederösterreich seit September 2010 geltenden Mindestsicherung. Das Gesetz werde in der Praxis vor allem in Bezug auf die Wohnbeihilfe unterschiedlich interpretiert, Zusatzleistungen würden verweigert, wichtige Informationen vorenthalten.

Caritas-Elisabethsammlung