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PSD-Fachtagung 2011: Psychiatrie und Öffentlichkeit

„Gegenüber psychisch kranken Menschen besteht in der Gesellschaft ein Wissensdefizit und eine ablehnende Haltung", sagte Prof. Matthias C. Angermeyer, ehemaliger Vorstand der Univ. Klinik für Psychiatrie Leipzig, bei der Fachtagung "psychiatrie@oeffentlichkeit" der Caritas in St. Pölten.
Ein Weg der Wissensvermittlung ist in NÖ das "Bündnis gegen Depression", so Dr. Stefan Frühwald, ärztlicher Leiter des PSD (PsychoSozialen Dienstes der Caritas der Diözese St. Pölten). „Im Vorjahr wurden bei 127 Veranstaltungen in Pfarren, Gemeinden, Schulen, Vereinen und Organisationen 3635 TeilnehmerInnen erreicht", sagte Frühwald. Bei zwei Drittel der Veranstaltungen hat nicht nur ein Fachmann oder Fachfrau referiert, sondern es sind auch Betroffene und Angehörige zu Wort gekommen. „Diese Art der trialogischen Präsentation (Experte, Betroffene und Angehörige) wird von der EU-Kommission in einem Bericht als "best practice" geführt", betont Anna Durstberger, Leiterin der PsychoSozialen Einrichtungen der Caritas der Diözese St. Pölten.

„Diese Form der Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit hat Zukunft“, betonte bei der Fachtagung auch Prof. Ullrich Meise von der Gesellschaft für Psychische Gesundheit von „pro mente Tirol". Große Informationskampagnen wie „Schizophrenie hat viele Gesichter" brachten nicht den gewünschten Erfolg. Gängige Vorurteile, z. B. dass die psychischen Erkrankungen kaum heilbar sind, wurden eher verstärkt, statt beseitigt. Prof. Angermeyer: „Informieren nur Experten (Ärzte, medizinisches Personal) über die Krankheiten, ist die nachhaltige Wirkung gering. Kommen hingegen auch Betroffene und Angehörige zu Wort, sind die Erfolge größer. Daher ist der NÖ-Weg viel effizienter als große und teure Anti-Stigma-Kampagnen.“

Bei der Caritas Fachtagung in St. Pölten berichtete auch Sylvia Schiebendrein, als ehemalige Betroffene, über ihre Erfahrungen im „Bündnis gegen Depression". Schwerpunkt sind derzeit Vorträge in „Gesunden Gemeinden" und in der Aus- und Weiterbildung innerhalb der Polizei. Bettina Figl, Angelika Tiefengraber und Christian Winkler haben ihre Krankheiten auch literarisch verarbeitet. Sie lasen während der Veranstaltung unter dem Titel „Sprachmacht" eigene Texte. Florian Klenk, der stellvertretende Falter-Chefredakteur, berichtete in seinem Eröffnungsreferat von Opfern, die von den Medien zu Tätern gemacht worden sind. „Statt Missstände aufzeigen, bedienen große Medien eher die Sensationslust." Trotzdem plädiert Klenk für Offenheit gegenüber seriösen Medien und Journalisten. Damit von Stigma betroffene Personen weniger ausgegrenzt und diskriminiert werden ist auch eine gute Öffentlichkeitsarbeit notwendig.

Bildtext:
Fachtagung „psychiatrie@oeffentlichkeit" der Caritas in St. Pölten v. l.: Anna Durstberger (Caritas Bereichsleitung Psychosoziale Einrichtungen), Caritasdirektor Friedrich Schuhböck, Angelika Tiefengraber (Sprachmacht), Prof. Dr. Matthias Angermeyer (ehem. Vorstand der Univ. Klinik für Psychiatrie Leipzig), Christian Winkler (Sprachmacht), Dr. Stefan Frühwald (Ärztl. Leiter Psychosozialer Dienst Caritas St. Pölten), Bettina Figl (Sprachmacht), Prof. Dr. Ulrich Meise (Gesellschaft für Psychische Gesundheit), Sylvia Schiebendrein (Bündnis gegen Depression), Martin Wancata (Leitung Sozialabteilung Land NÖ), Anna Entenfellner (Leitung Sozialarbeit Psychosozialer Dienst Caritas St. Pölten).