Presseerklärungen der Herbstvollversammlung der Österr. Bischofskonferenz

1. Erneuerung in Treue zum Zweiten Vatikanischen Konzil

Die Kirche steht so wie auch die Gesellschaft in einer Zeit, die von tiefgreifenden Veränderungen geprägt ist. Die gegenwärtigen Umbrüche zeigen sowohl den Verlust von bisher Vertrautem und Bewährtem, aber auch nicht wenig Hoffnungsvolles. „Nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Lichte des Evangeliums zu deuten“ mit dem Ziel einer Erneuerung der Kirche war der große Anspruch des Zweiten Vatikanischen Konzils, dem wir auch heute verpflichtet sind und in Zukunft verpflichtet bleiben.Das gilt besonders auch für das von Papst Benedikt XVI. proklamierte „Jahr des Glaubens“ fünfzig Jahre nach dem Beginn dieses großen Konzils.

Vor diesem Hintergrund haben sich die Bischöfe auch intensiv mit einigen österreichischen Initiativen befasst, die massiv auf Veränderungen in der Kirche drängen. Wir Bischöfe nehmen selbstverständlich alle Sorgen um die Gegenwart und Zukunft der Kirche wahr und ernst. Die österreichischen Diözesen stellen sich dieser Situation und nehmen die Chancen zu Neuem wahr. Wir ersuchen alle Katholiken und Verantwortungsträger für das öffentliche Leben darum, dies wohlwollend zu sehen und mitzutragen, statt Modelle aufzudrängen, die nach Überzeugung vieler zu kurz greifen oder gar der kirchlichen Identität schwerwiegend widersprechen und die Einheit der Kirche aufs Spiel setzen.

Ein „Aufruf zum Ungehorsam“ durch einige Priester hat bei vielen Katholiken nicht nur ein Kopfschütteln, sondern tiefe Sorge und Traurigkeit ausgelöst. Ungehorsam ist ein Kampfwort, das so nicht stehenbleiben kann.Wer bei der Weiheliturgie öffentlich und freiwillig ein Dienstamt in der Kirche übernommen hat, schadet der Gemeinschaft und sich selbst, wenn er mit diesem Wort leichtfertig umgeht. Meinungsumfragen können ihm die schwerwiegende Verantwortung für eine fundamentale Einheit in der Kirche nicht abnehmen.

Gehorsam ist in der Kirche nicht „blind“ oder „sklavisch“, sondern hat seinen Quellgrund in der Bibel selbst und in der lebendigen Tradition der Kirche.Das zeigt uns ein Blick auf den Gehorsam Abrahams, Marias und unseres Erlösers Jesus Christus selbst sowie auf das Leben exemplarischer heiliger Christen aller Generationen bis heute.

Einige mit der Aufforderung zum Ungehorsam verbundene Forderungen seitens einer Priesterinitiative und von Laieninitiativen sind nicht einlösbar. Die Rede von einer Eucharistiefeier ohne Weihesakrament ist ein offener Bruch mit einer zentralen Wahrheit unseres katholischen Glaubens.Hier geht es nicht um Fragen der Kirchenorganisation, sondern um fundamentale Fragen der katholischen Identität. Die Bischöfe führen das Gespräch über diese Fragen und über Konsequenzen daraus mit den Priestern und mit den Gremien in je ihrer Diözese und haben damit bereits begonnen.

Unterschiedliche, aber dem selben Ziel zugeordnete Wege zu einer kirchlichen Erneuerung unter den heute gegebenen Bedingungen sind in einigen Diözesen bereits im Gange.Sie werden beharrlich fortgesetzt und öffentlich kommuniziert. Viel Gutes gelingt. Volle Harmonie ist aber in einer Zeit großen Wandels weder in der Gesellschaft noch in der Kirche erreichbar.

Deshalb braucht es gerade heute von allen die Bereitschaft, Spannungen auszuhalten und fruchtbar zu machen. Es ist keine Ablenkung von unbequemen Spannungen, wenn wir betonen, dass es heute und morgen vor allem darauf ankommt, die Zahl jener Getauften zu vermehren, die Gott inständig suchen und für die der Glaube an Jesus Christus immer mehr zur entscheidenden Frage für ein gelingendes Leben wird. Damit verbunden ist die Bereitschaft, sich im Glaubenswissen zu vertiefen und aus den Sakramenten zu leben.

Die Kirche ist auch in unserem Land viel lebendiger, als es oft gesehen oder dargestellt wird. Auch hier gilt das Wort des Propheten Jesaja: „Schon wächst Neues. Merkt ihr es noch nicht?“ In den Diözesen Österreichs sind die Bemühungen um eine lebensnahe und missionarische Seelsorge gewachsen und werden gerade jetzt intensiviert. Es geht dabei kurz gesagt um drei Leitworte. Erstens: „Auf Christus schauen“. Zweitens: „Mit den Augen Christi auf die Menschen blicken“. Drittens: „Den Menschen Christus zeigen“.Damit sind die Beziehung zu Christus, die Nächstenliebe und die missionarische Dimension des Christseins benannt. Dies ist der Weg der Nachfolge Christi. Wir wollen ihn als Bischöfe gemeinsam mit allen Glaubenden gehen.

Auf diesem Weg geht es besonders auch um zwei konkrete Vorhaben der Bischofskonferenz: Im kommenden Jahr jährt sich zum 50. Mal der Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils. Papst Benedikt XVI. hat aus diesem Anlass ein weltweites „Jahr des Glaubens“ proklamiert. Wir Bischöfe nehmen dies zum Anlass, um mit allen, die mit uns gehen wollen, auf die Texte dieses großen Reformkonzils zu hören.Wir sind davon überzeugt, dass wir dort Antworten finden können auf die Fragen, die uns heute gestellt sind. Dazu suchen wir auch die Kooperation mit den katholischen Fakultäten der Universitäten unseres Landes und mit anderen katholischen Hochschuleinrichtungen. Konkretes dazu werden wir bei der Frühjahrskonferenz 2012 vorstellen.

Darüber hinaus werden wir uns besonders mit der Situation der Priester, die ja die engsten Mitarbeiter der Bischöfe sind, befassen. Unter dem Generalthema „Was heißt Pfarrer-Sein heute?“ werden die Bischöfe das Gespräch mit Priestern suchen und vertiefen.

Wir Bischöfe bitten alle Glaubenden mit uns den Weg der Erneuerung in der Nachfolge des gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus zu gehen. Wir vertrauen dabei auf den Beistand des Heiligen Geistes und die Mitarbeit aller aus Glaube, in Liebe, auf Hoffnung hin.

2. Pfarrgemeinderatswahlen 2012

„Gut, dass es die Pfarre gibt“ ist das Motto der nächsten Pfarrgemeinderatswahlen, die am 18. März 2012 in ganz Österreichstattfinden. In den mehr als 3.000 katholischen Pfarrgemeinden werden rund 30.000 Frauen und Männer gewählt werden. Sie übernehmen damit für fünf Jahre konkrete Mitverantwortung für das kirchliche Leben. Die Bischöfe danken den Pfarrgemeinderäten und allen, die sich der Wahl stellen wollen, für den persönlichen Einsatz, das Glaubenszeugnis und die Mitverantwortung für eine lebendige Kirche, die den Menschen ganz nahe sein will.

Pfarrgemeinderäte leisten in der Kirche einen wertvollen und bedeutenden Dienst.Sie leben konkret das Apostolat zu dem alle Getauften berufen sind und gestalten durch ihr Engagement die Kirche vor Ort entscheidend mit. In einer Zeit großer Umbrüche in Kirche und Gesellschaft werden sie in den kommenden Jahren gefordert sein, als „Pfadfinder der Frohen Botschaft“ nach Wegen zu suchen, die tieferen Fragen des Menschen aufzugreifen und die Antworten des Glaubens zu vermitteln.

Nicht der statistische Erfolg steht dabei im Vordergrund, sondern das Angebot des Glaubens an den freien Menschen. Wichtig ist nicht so sehr das, was man zählen kann. Vielmehr geht es um ein Erzählen von Erfahrungen und von der Freude, die der Glaube in das Leben bringt. Diese Dynamik kann und soll zu einem gemeinsamen Ausdruck im Leben der Pfarren werden. In diesem Sinn wird im Jänner 2012 eine Delegation von 60 Pfarrgemeinderatsmitgliedern aus ganz Österreich in Rom Berichte über das Leben der Pfarren in den vergangenen fünf Jahren in Form von „Apostelgeschichten der Gegenwart“an Papst Benedikt übergeben. Es ist eine Antwort auf den Aufruf des Heilige Vaters an die Pfarrgemeinderäte 2007 in Mariazell, die Apostelgeschichte durch ihr Leben weiterzuschreiben.

Für ein fruchtbares Wirken ist es wichtig, dass sich die Pfarrgemeinderäte mit dem Glauben auseinandersetzten. Pfarrgemeinderäte brauchen eine kompetente Leitung und ein offenes Klima, damit offen und realistisch über die Herausforderungen eines christlichen Lebens heute gesprochen werden kann. Dabei sind die lebendige Tradition der Kirche und die durch das kirchliche Recht eröffneten Räume zu achten und mutig auszuschöpfen. Ein Blick auf die gelebte Realität zeigt, dass in der überwiegenden Mehrzahl der Pfarren das Miteinander in der Seelsorge und ein gemeinsames Verantworten des Pfarrlebens zwischen dem Pfarrer und dem Pfarrgemeinderat gegeben sind.

Diese ermutigende Situation gibt Hoffnung, dass sich auch diesmal wieder zahlreiche Frauen, Männer und Jugendliche für den Pfarrgemeinderat zur Verfügung stellen werden, wofür die Bischöfe sehr dankbar sind. Zu beachten sind die anderssprachigen katholischen Gemeinden, deren Zahl und Größe in Österreich beständig im Wachsen begriffen ist: Ihre Vertretung und Integration in bestehende Pfarrgemeinderäte bzw. die Bildung eigener Pfarrgemeinderäte in diesen Gemeinden steht als Aufgabe an.

3. Bildung zum Menschsein

Bildung ist nicht nur ein Menschenrecht, sondern auch für eine humane Gesellschaft von grundlegender Bedeutung. Von daher ist es sehr erfreulich, dass in Österreich eine breite Diskussion über Bildung eingesetzt hat, die durch ein Bildungsvolksbegehren und eine neue Bildungsplattform verstärkt wurden.

Die katholische Kirche ist neben den öffentlichen Schulerhaltern Bund und Ländern der größte private Träger von Bildungseinrichtungen in Österreich. Dieses umfassende kirchliche Engagement ist Ausdruck einer gelebten Vision von christlicher Bildung. Sie soll zu einem erfüllten Menschsein führen und die vielfältigen Potenziale und Begabungen jedes einzelnen auf dem Weg zu einem selbstverantwortlichen Leben im Miteinander und Füreinander fördern. Bildung ermächtigt zur Teilhabe in einer demokratischen Gesellschaft und eröffnet einen Ausweg aus Benachteiligung und Armut. So wichtig der Erwerb von Fertigkeiten und Kenntnissen ist, aus christlicher und gut belegter pädagogisch argumentierter Sicht ist Bildung aber mehr als Wissen. Sie ist nie abgeschlossen, so wie auch der Mensch nie fertig ist; sie erschöpft sich nicht in mess-, zähl- und verwertbaren Dimensionen, sondern ist offen für Werte und für den tiefsten Sinn, den höchsten Anspruch und das letzte Ziel menschlicher Existenz. Aus christlicher Sicht ist daher die ethische und religiöse Dimension von Bildung von fundamentaler Bedeutung, was auch in der österreichischen Bundesverfassung festgeschrieben ist.

Vor diesem Hintergrund muss kritisch angefragt werden, ob sich die Akteure der laufenden Debatte ausreichend Rechenschaft über die Grundsatzfragen von Bildung geben, die ohne eine deutliche anthropologische Grundlegung weder gestellt noch beantwortet werden können. Auffallend ist der zunehmend ökonomisch verzweckte Zugang zum Bildungsthema, der sich auch auf europäischer Ebene deutlich manifestiert. Bildung ist nicht nur mehr als Wissen und sie ist schon gar nicht nur eine „Investition in das Humankapital“. Bildung ist an und für sich wertvoll und hat ein hohes Maß an Zweckfreiheit. Sie ist ureigenste und höchstpersönliche Leistung des Menschen auf dem Weg zu einem entfalteten Menschsein. Insofern darf Bildung nicht auf Ausbildung und dürfen ihre Ziele nicht auf Nützlichkeit für allgemeines Wirtschaftswachstum reduziert werden. Bildung zielt letztlich auf Freiheit und Mündigkeit. Von daher und aufgrund der Rechte der Eltern darf der Staat keine ideologischen Bildungsinhalte vorgeben.

Auch die derzeit feststellbare Fixierung der Bildungsdebatte auf schulische Strukturfragenist wohl unzureichend. Zweifelsohne müssen Strukturen immer wieder überprüft und verbessert werden. Aber Strukturfragen sind bekanntermaßen immer sekundäre Fragen gegenüber den Visionen, die Menschen bewegen. Dies wird auch durch die Erfahrung der Kirche bestätigt, die als weltweit agierender Schulträger in den unterschiedlichsten sozio-kulturellen Kontexten und konkreten Schulstrukturen wirkt und dennoch in allen Ländern christlich inspirierte Bildung mit hoher Akzeptanz anbietet.

Besorgniserregend sind Befunde, wonach beim gegenwärtigen Bildungssystem familiäre Herkunft und sozialer Status eine so wichtige Rolle spielen, dass damit soziale Unterschiede und materielle Armut eher verfestigt werden. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, dass für alle der individuell beste Bildungsweg mit optimaler differenzierter Förderung offen bleiben und so auch die soziale Nachhaltigkeit des Bildungssystems angezielt werden muss. Die geplante Einführung der Neuen Mittelschule in der derzeitigen Form scheint dazu ein geeigneter Weg zu sein.

Denn aufgrund des hohen Stellenwerts der Elternrechte in der Katholischen Soziallehreist es wichtig, dass Eltern und Kinder Wahlfreiheit hinsichtlich der konkreten Schulformen haben. Gleichzeitig muss auf größtmögliche Durchlässigkeit der Schulformen geachtet werden. Schulische Vielfalt gepaart mit dem Prinzip der Wahlfreiheit und der Durchlässigkeit entspricht am ehesten den unterschiedlichen Bedürfnissen von Kindern und Eltern und stellt zugleich auf den gesellschaftlichen Bedarf ab. Diesen Prinzipien entspricht auch die Forderung nach einer Wahlmöglichkeit zwischen einer Schule mit Nachmittagsbetreuung und einer Schule in verschränkter ganztägiger Form.

Dabei ist festzuhalten, dass die Kirche selbst eine „Expertin für Bildung“ist, wobei innerhalb der Kirche die diözesanen Schulamtsleiter die offiziell beauftragten Experten sind. In vielfältiger Weise beteiligen sich aber auch zahlreiche katholische Organisationen und Initiativen aus den Bereichen Familie, Bildung, Caritas und Soziales am Diskurs für ein Bildungssystem mit Zukunft. Dabei kommt es in einzelnen Fragen aufgrund unterschiedlicher Zugänge zur Thematik mitunter auch zu verschiedenen Positionierungen. Wer das Bildungssystem primär unter dem Blickwinkel der Armutsvermeidung betrachtet, kann zu anderen Ergebnissen kommen als beispielsweise katholische Eltern oder Lehrerverbände. Diese Meinungsvielfalt ist nachvollziehbar, zumal es sich um Sachfragen handelt, bei denen Katholiken legitimerweise zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen können.

Wesentlicher Teil der Initiativen im Bereich der österreichischen Bildungslandschaft ist das Katholische Private Schulwesen. Die katholische Kirche ist weltweit der größte nicht-staatliche Träger von Schulen, die von rund 48 Millionen Kindern und Jugendlichen besucht werden. Seit der ausgehenden Antike prägt und trägt die Kirche das Bildungswesen in Europa. Und auch heute, nachdem der Staat zu Recht die volle Verantwortung für das Bildungswesen übernommen hat, sind kirchliche Bildungseinrichtungen von großer Bedeutung und ist die Kirche weiterhin verlässlicher Partner in der Innovation von Bildung. So besuchen mehr als 70.000 Schülerinnen und Schüler die 340 katholischen Schulen in ganz Österreich.

Das kirchliche Engagement in Sachen Bildung zeigt sich in Österreich besonders deutlich im Engagement für die Lehrerbildung. Letztlich ist diese entscheidend für die Unterrichtsqualität. Die Kirche erhält vier Kirchliche Pädagogische Hochschulen (KPH) und eine Katholische Pädagogische Hochschuleinrichtung in Kärnten. An diesen Institutionen werden Lehrerinnen und Lehrer für den Bereich der Pflichtschule ausgebildet. Fort- und Weiterbildung wird für alle Lehrkräfte aller Gegenstände und aller Schulformen angeboten. Die größte Pädagogische Hochschule Österreichs ist derzeit die KPH Wien/Krems, zudem ein außergewöhnliches ökumenisches Projekt. Damit ist eine große Tradition wieder aufgenommen, war doch die Katholische Kirche die erste, die überhaupt in Europa Lehrer ausgebildet hat.

Bildung im umfassenden Sinn war immer schon und ist auch heute für die katholische Kirche maßgebend. Von daher erklärt sich auch, weshalb die Kirche neben den Ländern auch der größte Träger sowohl von Kindergärten wie auch von Einrichtungen im Bereich der Erwachsenenbildung ist. Diesem breiten Ansatz entsprechen die vielen kirchlichen Orte informellen Lernens: Jugendgruppen, sozial-karitatives Engagement, Pfarrbüchereien und Bildungsveranstaltungen in den über 4400 katholischen Pfarren und Seelsorgestellen bilden ein dichtes Netz gelebter Bildung in ganz Österreich.

4. Hilfe für die Ärmsten

Die aktuelle Hungerkatastrophe am Horn von Afrika erinnert daran, wie groß die Not im Dürregebiet von Somalia, Kenia und Äthiopien, aber auch in anderen Teilen der Welt ist. Bei aller berechtigten Sorge um geordnete staatliche Haushalte und die Lösung der kritischen Situation im weltweiten Finanzbereich darf auf die Ärmsten der Armen nicht vergessenwerden. Entwicklungszusammenarbeit muss eine zentrale politische Aufgabe bleiben, um Armut und Hunger zu bekämpfen. Die Kürzungen der Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit sind daher beschämend für ein nach wie vor sehr reiches Land wie Österreich.

Umso erfreulicher ist der Umstand, dass die österreichischen Spenderinnen und Spender immer wieder ihre Solidarität mit den Ärmsten beweisen: Mit einer Rekordsumme von fast 100 Millionen Euro konnten im vergangenen Jahr kirchliche Organisationenüber 4000 Projekte unterstützen und damit rasche und umfassende Hilfe leisten. Daraus leitet sich ein Auftrag an den Staat ab, auch seinen Teil zur Entwicklungszusammenarbeit beizutragen.

Die Österreichischen Bischöfe appellieren daher an die Bundesregierung, die Kürzungen der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit im Budget 2012 zurückzunehmenund zusätzliche Mittel für den Auslandskatastrophenfonds bereitzustellen.

Erneut setzen sich die Bischöfe dafür ein, die Entwicklungszusammenarbeit gesetzlich abzusichern und einen verbindlichen Stufenplan zur Erhöhung der finanziellen Mittel festzulegen. Österreich hat sich mehrfach sowohl international auf UN- und EU-Ebene als auch national auf Regierungsebene zu einer Anhebung seiner Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7% des Bruttonationaleinkommensbekannt.

In diesem Zusammenhang braucht es genügend Geld und bessere Rahmenbedingungen für den Einsatz von Entwicklungshelfern. Der Einsatz von Fachkräften aus Österreich und Europa hat sich in den letzten 50 Jahren als wirksames Instrument der Entwicklungszusammenarbeit erwiesen. Heute ist „HORIZONT3000“ die einzige österreichische Organisation, die den Fachkräfteeinsatz professionell als Aufgabenbereich führt. Die geltenden staatlichen Rahmenbedingungen sollen so geändert werden, dass Personaleinsätze auch in kirchlichen Schwerpunktregionen besser möglich sind.