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„Preisgabe des arbeitsfreien Sonntags wäre Verlust für ganze Gesellschaft“

Vor zehn Jahren wurde der arbeitsfreie Sonntag in der niederösterreichischen Landesverfassung verankert. Die Kirchen würdigten diesen Erfolg der österreichweiten „Allianz für den freien Sonntag“, die ebenfalls vor zehn Jahren ins Leben gerufen wurde, bei einem ökumenischen Gottesdienst am 16. Oktober in der Landhauskapelle in St. Pölten. Der Feier standen Bischofsvikar Gerhard Reitzinger, Ordinariatskanzler und Vorsitzender des Ökumenischen Arbeitskreises NÖ-West Gottfried Auer, der evangelische Pfarrer Daniel Vögele sowie der altkatholische Pfarrer Robert Freihsl vor. Neben den Kirchen nahmen auch Vertreter von Gewerkschaft, Politik und Wirtschaft an der Feier in der Landhauskapelle teil.
Bischofsvikar Reitzinger betonte: „Wir brauchen den arbeitsfreien Sonntag, weil wir zuerst Menschen sind und nicht Produzenten und wir brauchen ihn, um Zeit für Begegnung mit Gott und den Menschen zu haben.“ Daher wäre „die Preisgabe des arbeitsfreien Sonntags ein schwerer Verlust für die ganze Gesellschaft“. Reitzinger sei dankbar, dass „es diese starke Sonntagsallianz gibt“, gerade auch, weil der „hohe Wert des Sonntags offensichtlich nicht mehr selbstverständlich ist“.

In Statements unterstrichen Vertreter der „Allianz für den Sonntag“ die wichtige soziale Stellung dieses Tages: für den Gottesdienst, für die Familien, für die Freizeitgestaltung, für das soziale Leben und für die Entspannung. Der Landtagsabgeordnete Martin Michalitsch, der den Antrag vor zehn Jahren zum Schutz des Sonntags eingebracht hatte, verwies auf die Bedeutung des Dialogs zwischen Kirchen und Politik und auf die Notwendigkeit, dass Christen ihre Anliegen artikulieren. Aus verschiedenen Richtungen sei damals Unterstützung für den freien Sonntag gekommen und habe es so schließlich in die Landesverfassung geschafft. Erwin Burghofer, Diözesansekretär der Katholischen ArbeitnehmerInnen-Bewegung (KAB) der Diözese St. Pölten warnte vor mehreren Initiativen aus der Wirtschaft, die den arbeitsfreien Sonntag gefährden - derzeit liegt die Angelegenheit des arbeitsfreien Sonntags beim Verfassungsgerichtshof. Burghofer kündigte an, dass sich die KAB weiter für den freien 8. Dezember einsetzen werde.

Seit 10 Jahren ist der arbeitsfreie Sonntag in der NÖ-Verfassung

Die Allianzpartner aus Kirchen, Gewerkschaft, Politik und Wirtschaft unterzeichneten am 30. Mai 2001 im bischöflichen Sommerrefektorium einen Antrag an den NÖ Landtag um Aufnahme des folgenden Passus in die Landesverfassung: „Der Sonntag als Tag der Arbeitsruhe ist unveräußerlicher Teil unserer Lebensbedingungen und ist daher grundsätzlich anzuerkennen und zu erhalten“. Diesem Antrag des Landtagsabgeordneten Martin Michalitsch wurde in der Landtagssitzung vom 28. Juni 2001 entsprochen und mit einstimmigem Beschluss aller vier Landtagsfraktionen der arbeitsfreie Sonntag in der NÖ Landesverfassung verankert. Zuvor gab es kirchlicherseits mehrere Aktionen dazu. Eine ähnliche Vorgangsweise erfolgte auch in anderen Bundesländern.

Die permanente Aushöhlung der Arbeitsruhe am Sonntag veranlasste die KAB Eigeninitiativen zu setzen, aber auch Bündnispartner zu suchen. Diese wurden zunächst bei den Gewerkschaften und der Arbeiterkammer, aber auch in der Wirtschaftskammer gefunden. Ebenfalls von Anfang an gab es innerkirchliche Unterstützung durch Bischöfe, Katholische Aktion, Katholische Verbände und Pfarren. Bald schlossen sich auch andere Religionsgemeinschaften diesem Anliegen an, und schließlich stießen noch Vereine dazu, die eine Einschränkung ihrer Vereinstätigkeit befürchteten oder ideelle Bedenken hatten. Der Bogen reichte in diesem Bereich von Familienorganisationen und Elternvereinen über Hilfsorganisationen bis zu kulturellen Verbänden (z.B. Blasmusik) und Sportorganisationen. Aus dieser breiten Front für die Absicherung der Sonntagsruhe formte sich schließlich die Sonntagsallianz.

Fotos:
Foto 1: Bischofsvikar Gerhard Reitzinger
Foto 2: Mitglieder der „Allianz für den freien Sonntag“
Foto 3: Sonntagsallianzfeier3.jpg: Pfarrer Robert Freihsl (altkatholisch), Pfarrer Daniel Vögele (evangelisch), Bischofsvikar Gerhard Reitzinger (katholisch) und Ordinariatskanzler und Vorsitzender des Ökumenischen Arbeitskreises NÖ-West Gottfried Auer