"Jugend Eine Welt" zeigt Missstände in Feuerwerksindustrie auf

"Jugend Eine Welt" hat im Vorfeld der jährlichen Silvesterknallerei auf die menschenverachtenden Arbeitsbedingungen in der Feuerwerksindustrie hingewiesen. Weit mehr als acht Millionen Euro investierten die Österreicher jährlich in das Neujahrsspektakel, so die kirchliche Entwicklungs-NGO in einer Aussendung am Dienstag. Weltweit steige der Konsum von Feuerwerkskörpern jährlich um zehn Prozent. Doch so "prächtig und pompös" Feuerwerke auch wirkten, "so erschreckend sind die Hintergründe ihrer Herstellung", wies Geschäftsführer Reinhard Heiserer hin. "Die wenigsten wissen, dass Feuerwerkskörper vielfach unter menschenverachtenden Arbeitsbedingungen - auch für Kindern hergestellt - werden."
Die Partner von "Jugend Eine Welt" in Indien, die Salesianer Don Boscos, setzen sich für die von der Feuerwerksindustrie betroffenen Kinderarbeiter und andere marginalisierte junge Menschen in der Region um Sivakasi ein. Für Kinder und Jugendliche bieten sie eine Grund- und Aufbauschule, Selbsthilfegruppen für Frauen und ein Präventions- und Reintegrationszentrum für Schulaussteiger an, um durch Bildung und Ausbildung nachhaltige Perspektiven zu schaffen.
Geplant ist der Bau eines Berufsausbildungszentrums, indem die jungen Menschen verschiedene Berufe erlernen können. Damit sind sie nicht mehr auf die Arbeit in der Feuerwerkskörperindustrie angewiesen. "Allen Voran müssen wir Bewusstsein schaffen und den Betroffenen Alternativen für eine gesicherte Zukunft aufzeigen", so Fr. Vincent Thamburaj, Kinderrechtsexperte und Projektpartner von "Jugend Eine Welt", in der Aussendung.

Indien sei nach China der weltweit zweitgrößte Produzent von Feuerwerkskörpern. Mehr als 90 Prozent der Produktionsstätten konzentriere sich auf die Region in und um Sivakasi. In 40 Dörfern werden insbesondere von Frauen und Kindern Feuerwerkskörper unter menschenverachtenden Bedingungen hergestellt: "Produziert wird in Heimarbeit, um Bestimmungen im Umgang mit gefährlichen und gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffen zu umgehen", informierte "Jugend Eine Welt". Der direkte Kontakt mit Substanzen wie Schwefel, Schwarz- und Aluminium-Pulver habe schlimme gesundheitliche Folgen wie Asthma oder Tuberkulose.

Da Sicherheitsvorkehrungen fehlten, bestehe ständig die Gefahr einer Explosion, "für die der kleinste Funke reicht". In den letzten zehn Jahren verloren allein in Sivakasi offiziell 75 Menschen ihr Leben und knapp 200 Arbeiter wurden schwer verletzt.

Druck aus Europa fehlt

"Ein Verzicht auf Silvesterraketen ist keine Lösung, da die Arbeit und das Einkommen vieler Familien von ihnen abhängen", so Reinhard Heiserer: "Es ist aber unbedingt notwendig mehr Druck auf die Herstellerfirmen auszuüben, um mehr Sicherheit und bessere Löhne für die Arbeiter zu garantieren." Dadurch könne auch ein Verzicht auf Kinderarbeit gelingen."

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