Henckel Donnersmarck: Kirchliche Aufgabe, auf wirtschaftliche Fehlentwicklungen hinzuweisen

Beim Monatstreffen der Vereinigung Christlicher Unternehmer (VCU) der Diözese St. Pölten im Bischöflichen Sommerrefektorium sprach der Heiligenkreuzer Altabt Gregor Henckel Donnersmarck OCist die Aufgabe der Kirche in der Wirtschafts- und Finanzkrise an: Die Kirche sei moralische und theoretische Mahnerin und könne auf Fehlentwicklungen hinweisen. Und sie nehme dazu auch immer wieder kritisch Stellung. Das sei auch gerade bei der Scheinwirtschaft, die kaum etwas mit der Realwirtschaft zu tun habe, notwendig, erklärte Henckel Donnersmarck, der bis Februar das Zisterzienser-Stift Heiligenkreuz leitete.
Man müsse sich wieder auf die Tugenden Klugheit, Tüchtigkeit und Maß halten rückbesinnen. Und dazu komme noch das Prinzip der Transparenz, das eine Methode sei, diese Scheinwirtschaft bloßzustellen. Er empfiehlt der Wirtschaft sich an den Prinzipien der Katholischen Soziallehre – Solidarität, Subsidiarität und Gemeinwohl – zu orientieren. Österreichs Stifte würden der moralischen Verantwortung bei ihren Wirtschaftsbetrieben nachkommen. So würden sich die Klöster bemühen, schöpfungsverantwortlich zu arbeiten, arbeitnehmerfreundlich zu agieren und Gewinne für die Entwicklungszusammenarbeit zu verwenden. Aus Sicht von Henckel Donnersmarck sei bei den Stiften „das rechte Maß“ da.

Henckel Donnersmarck wurde wegen seiner Erfahrungen in der Wirtschaft - er ist Diplomkaufmann und war im Speditionswesen führend tätig – auch schon als "Krisenmanager" eingesetzt. Als Abt verstand er sich aber keineswegs als eine Art "sakraler Manager". Das Amt des Abtes sei ein geistliches, das in seinem Fall auf der Regel des heiligen Benedikt fuße. Diese lasse sich im Dreisatz "beten, arbeiten und in der Schrift lesen" am besten zusammenfassen. Manager von heute könnten sich von dieser 1.500-jährigen Tradition durchaus etwas abschauen, gab sich Henckel Donnersmarck überzeugt.

Unter seiner Amtszeit blühte das Stift auf: Einer der Höhepunkte war der Besuch von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2007, die Erhebung der Philosophisch-Theologischen Hochschule zur „Hochschule päpstlichen Rechts“ oder die international für Aufsehen erregende CD „Chants“ mit Choralgesängen, die sich 1,1 Millionen Mal verkaufte. Außerdem gibt es seit der Barockzeit einen Höchststand mit über 80 Mönchen.

Foto1: Altabt Gregor Henckel Donnersmarck OCist
Foto 2: VCU-Vorsitzender Rudolf Svoboda, Altabt Gregor Henckel Donnersmarck OCist und Altabt Joachim Angerer OPraem (Geistlicher Assistent des VCU)