Generalkapitel der Österreichischen Benediktinerkongregation tagte in Horn

Beim Generalkapitel der Österreichischen Benediktinerkongregation mit Abtprimas Notker Wolf im Canisiusheim Horn wurde Abt Christian Haidinger OSB aus dem Stift Altenburg als Abtpräses bestätigt.
Das Generalkapitel, das aus den Äbten und Delegierten der 14 Benediktinerklöster in Österreich besteht und alle drei Jahre stattfindet, tagte vom 23.-26. Oktober. Im Präsidium sind weiter vertreten: Abt Johannes Perkmann OSB (Michaelbeuern), Abt Maximilian Neulinger OSB (Lambach), P. Daniel Sihorsch OSB (Kremsmünster) und P. Korbinian Birnbacher OSB (St. Peter). Auch alle Kommissionen und Dienste für die Kongregation wurden bestätigt.

Monastische Updates

Die Leiterin des Instituts für Benediktinische Studien in Salzburg, Sr. Michaela Puzicha OSB, stellte die Regel Benedikts als „Original-Programm“ für mönchisches Leben vor, das nur durch tägliche Updates in der heutigen Zeit umgesetzt werden könne. Darin liege das Geheimnis, dass diese 1500 Jahre alte Regel bis heute nicht nur gelesen, sondern auch gelebt wird. Zur „Beständigkeit“ des Mönchtums gehöre das tägliche neue Bemühen im Hören auf Gottes Wort („stabilitas“ – „conversatio morum“ – oboedientia“).

Wie die Regel selbst ein „Update“ der ihr vorausgehenden monastischen Weisheit darstelle, so müssten sich heutige Updates am Grundprogramm der Regel ausrichten – das Zweite Vatikanische Konzil sprach vom „Aggiornamento“. Updates müssten jedoch jeweils vom Hersteller autorisiert und legalisiert werden. Das Generalkapitel habe den Auftrag, dies für die Kongregation wahrzunehmen.

Klösterliches „Corporate identity“ neu zur Geltung bringen

Benediktinische Werte seien seit alters her „Gebet“, „Lesung“ und „Arbeit“, so Sr. Michaela. Der Mönch preise Gott zusammen mit seinen Brüdern mehrmals am Tage, schenke seine volle Aufmerksamkeit dem Wort der Schrift und stelle Gott in den Mittelpunkt seiner täglichen Arbeit: „ut in omnibus glorificetur Deus“. Wie die Urgemeinde in Jerusalem als „koinonia“ (Gemeinschaft) sich in Einmütigkeit im Lob Gottes, beim Brotbrechen, im Lehren der Botschaft Christi und im Teilen der Güter als Kirche auf den Weg gemacht habe, so müssten auch heute klösterliche Gemeinschaften ihre „corporate identity“ neu zur Geltung bringen. So würden sie zu authentischen Glaubensgemeinschaften in der gegenwärtigen säkularisierten Welt. Äbte und Obere müssten auch Sorge tragen, dass die benediktinischen Standards glaubwürdig gelebt werden. „Das menschliche und geistliche Wachstum des einzelnen, aber auch der Gemeinschaft müssen stets im Auge behalten werden“, betonte Sr. Michaela Puzicha.

Tagung mit Abtprimas Notker Wolf

Der Abtprimas der Benediktiner, Abt Notker Wolf OSB aus Rom, nahm großteils an den Beratungen des Generalkapitels teil. In seinem Vortrag brachte der bekannte Buchautor „Punkte, die mir auf der Seele brennen“. Wolf berichtete über die weltweite Situation der Benediktinerklöster nach der jüngsten Präsides-Synode in Litauen: „Uns wurde bewusst: Wir sitzen alle in einem Boot und haben mit ähnlichen Problemen und Freuden zu tun.“ Der Abtprimas erinnerte an den Pioniergeist der Benediktiner durch die Jahrhunderte, die sich mit Risikobereitschaft und Entscheidungsfreude auf neue Experimente in der Seelsorge und im gemeinschaftlichen Leben eingelassen haben. Dies verlange eine vorbehaltlose Hingabe an Gott. So können wir entschieden für das Evangelium eintreten. „Entweltlichung“ (Papst Benedikt XVI.) heiße nicht „Weltfremdheit“, sondern bedeute für Benediktiner heute ein einfacher Lebensstil, Schlichtheit, Ehrlichkeit und Verzicht auf Machtausübung.

Die Moderatorin der Tagung, Sr. Christine Rod MC, die Leiterin für Ordensentwicklung im Kardinal-König-Haus in Wien/Lainz, drängte abschließend zu konkreten, sichtbaren und erkennbaren Schritten der Umsetzung in den einzelnen Gemeinschaften und auf Ebene der Kongregation. Diese werden vom wiedergewählten Abtpräses im Laufe des kommenden Jahres eingefordert.

Rund 20 Kongregationen weltweit

Die Österreichische Benediktinerkongregation ist eine von rund 20 Kongregationen, in denen die Benediktiner weltweit zusammengefasst sind. Nur einige einzelne Klöster sind direkt dem Abtprimas unterstellt.

Die heimische Kongregation besteht heute aus zwölf selbstständigen Abteien: der Erzabtei St. Peter in Salzburg, den Abteien Kremsmünster, Michaelbeuern, Lambach, Admont, St. Lambrecht, Melk,St. Paul, Göttweig, Seitenstetten, Altenburg und der Schottenabtei in Wien, sowie den selbstständigen Prioraten Gut Aich und St. Josef in Maria Roggendorf.

Zwei weitere Benediktinerabteien liegen zwar in Österreich, gehören aus historischen Gründen aber zu anderen Kongregationen. Es sind dies Fiecht und Seckau, die zur Kongregation von St. Ottilien bzw. zur Beuroner Kongregation gehören.

Zu anderen Kongregationen gehören weiters auch die Benediktinerinnen, die in den Abteien Nonnberg in Salzburg und St. Gabriel in Bertholdstein sowie in den Klöstern Steinerkirchen und Wien-Liebhartstal leben.

Fotos (@ Stift Altenburg)

Bild1: Buchautor und Abtprimas Dr. Notker Wolf (Rom, S. Anselmo) mit dem neugewählten Abtpräses der Österreichischen Benediktinerkongregation Abt Mag. Christian Haidinger OSB (Stift Altenburg)

Bild 2: Alle Äbte und Konventdelegierten beim Generalkapitel 2011 im Canisiusheim Centrum Horn

Bild 3: v.l.n.r.: Der neue, auf 6 Jahre wiedergewählte Abtpräses, Abt Christian Haidinger OSB vom Stift Altenburg inmitten des neuen Präsidiums der Österreichischen Benediktinerkongregation: Abt Johannes Perkmann OSB (Michaelbeuern), P. Prior Daniel Sihorsch (Kremsmünster), P. Prior Korbinian Birnbacher OSB (St. Peter), Abt Maximilian Neulinger OSB (Lambach).

Bild 4: v.l.n.r.: P. Prior Korbinian Birnbacher OSB (St. Peter), Abt Johannes Perkmann OSB (Michaelbeuern), Abtprimas Notker Wolf OSB (Rom / S. Anselmo), Abtpräses Christian Haidinger OSB vom Stift Altenburg, P. Prior Daniel Sihorsch (Kremsmünster) nach der Wahl im Canisiusheim Centrum Horn am 26. 10. 2011