Diözese vor Pfarrgemeinderatswahl auf großer Info-Tournee

Vor dieser Pfarrgemeinderatswahl informierte die Diözese St. Pölten in allen 20 Dekanaten über den Wahlmodus und machte Stimmung zur Mitbestimmung. Ein Lokalaugenschein in St. Pölten-Stattersdorf-Harland.
„Wir forcieren, damit möglichst viele Jugendliche an den Pfarrgemeinderatswahl am 18. März 2012 teilnehmen“, betont Magdalena Ganster bei einem Info-Abend für die Pfarren des Dekanates St. Pölten in der Pfarre St. Pölten-Stattersdorf-Harland „Und das ist gut so, da junge Menschen die Zukunft der Kirche sind.“ Das dazu passende Motto heißt „Jugend geht ab“ - im doppelten Sinn. Ohne Jugend würde etwas fehlen, aber mit der Jugend gebe es viel Dynamik in der Kirche vor Ort. Ganster informiert an diesem Abend gemeinsam mit Sepp Winklmayr, Direktor der Pastoralen Dienste, und Michaela Lugmaier, diözesane Regionalbegleiterin für das Mostviertel West. In einem wahren Marathon gab es in allen 20 Dekanaten der Diözese Veranstaltungen, die auf die Wahl einstimmen sollten und den Wahlmodus erläuterten. Über Tausend Pfarrgemeinderäte (PGR) kamen, fragten und diskutierten.

Die Regionalberater haben nach den 20 Treffen auch wahrgenommen, dass das ehrenamtliche Engagement auch Probleme mit sich bringt – das ergab sich aus den Rückmeldungen: Die Gesprächskultur in den Pfarrgemeinderäten lasse manchmal zu wünschen übrig. Oder: Pfarrgemeinderäte sollen immer mehr Aufgaben in den Pfarren übernehmen, dazu fehle aber die Zeit und der Wille. Oder: Manchmal mangle es am Vertrauen des Pfarrers in eine gemeinsame Beratung. Dennoch haben Pfarren als Ort der Heimat einen prima Ruf, resümiert Lugmaier nach Abschluss der Tour.

Die Atmosphäre ist an diesem Abend gut in St. Pölten-Stattersdorf-Harland, fast alle Pfarren entsandten Delegierte. Die Pfarren werden von den Teilnehmern als starke, lebensfröhliche Gemeinschaft verstanden, das steht gleich zu Beginn fest: Pfarre sei ein Ort, um Feste zu feiern. Sie biete gerade in kleinen Dörfern ein wichtiges Angebot für Jugend und Kinder. Sie sei ein Ort der Begegnung – gerade dann, wenn es kaum noch ein Vereinsleben gibt. Und natürlich verstehen die Teilnehmer am Info-Abend die Pfarre als „Ankerplatz, wo der Glaube gestützt und vertieft wird“.

„Gut, dass es die Pfarre gibt“ - das Motto der Wahl

Ja, gut, dass es die Pfarre gibt. Die Gründe mitzuarbeiten sind also vielfältig. Ernst Klaus aus der Pfarre Stattersdorf-Harland erzählt, er habe das Gefühl, „als PGR etwas bewirken zu können, es gebe viel Freiheit zum Gestalten“. Die Motivation des 48-jährigen Beamten sei, sich für Christus und die Menschen engagieren zu wollen: „Jeder ist in unserer Pfarre willkommen!“ Für die vielen „Auswärtigen“, die den Gottesdienst besuchen, gibt es sogar einen eigenen PGR-Vertreter.

Von der praktischen Seite sieht die 46-jährige Werklehrerin Elisabeth Unterhuber ihre Tätigkeit: „Als Pfarrgemeinderat treffen wir Entscheidungen über wichtige Neuerungen und Initiativen. Außerdem zeigen wir Mängel auf und lösen Probleme.“ Für Unterhuber, die sich in der Pfarre Hafnerbach engagiert, sieht Kirche vor Ort vor allem als Gemeinschaft und auch „das Feste feiern ist zentral“.

Der St. Pöltner Dechant Ernst Bergmann, der einem der größten Dekanate der Diözese vorsteht und mit seiner Pfarre Gastgeber an diesem Abend ist, unterstreicht: „Ich erlebe die Pfarrgemeinderäte als Träger der Pfarrarbeit und sie geben eine Linie vor. Ohne PGR könnte ich mir die Arbeit nur schwer vorstellen.“

Auch Kinder haben eine Stimme

Einzigartig ist bei der kirchlichen Abstimmung im März, dass auch Kinder ein Wahlrecht haben. Darauf weist besonders Josef Grubner, Vorsitzender des Katholischen Familienverbandes der Diözese St. Pölten, beim Info-Abend hin. Da habe es zuletzt gute Erfahrungen gegeben, weil es eben auch für Kinder wichtig sei, mitzureden und mitzubestimmen. Jemand ruft in die Runde: „Toll, das Familienwahlrecht gibt’s nur in der Kirche!“

Bei der Veranstaltung werden die zwei häufigsten Wahlmodelle vorgestellt: die Urwahl und die Kandidatenliste. Letztere sei zwar in den vergangenen Jahren die häufigste Variante gewesen, habe aber zwei Nachteile: Zum einen sei es für viele der 424 Pfarren der Diözesen schwierig, Kandidaten für die insgesamt über 8.000 PGR-Mandate zu finden. Zum anderen wäre es für jene, die nicht gewählt werden, frustrierend. „Ja, das war bei uns ein Problem“, bekräftigt ein Herr. „Ach wo“, entgegnet eine Dame, „Das muss man als g´standender Demokrat aushalten.“ Beim Urwahlmodell dagegen können die Wahlberechtigten – alle, die sich der Pfarre verpflichtet fühlen, also auch Auswärtige – , die Kandidaten selber auf den Wahlzettel schreiben. Jene mit den meisten Stimmen kommen in den PGR – wenn sie es denn auch wollen. „Die Pfarren haben beim Wahlmodell freie Hand, es soll aber eine echte Wahl bleiben“, so Sepp Winklmayr.

Der Leiter der Pastoralen Dienste sieht es als ideal an, wenn aus allen beruflichen Gruppen, aus allen Altersschichten und aus allen Pfarrgebieten PGR-Mitglieder für die fünfjährige Periode kommen. Dazu käme noch die Ausgewogenheit Männer – Frauen. Er empfiehlt maximal 30, mindestens jedoch 10 Pfarrgemeinderäte, „15 bis 25 sind eine gute Arbeitsbasis“.

Abschließend appelliert Winklmayr an die Delegierten: „Beginnen Sie rechtzeitig mit der Kandidatensuche und machen Sie bitte früh genug Werbung für die Wahl – mit Pfarrbriefen, Plakaten oder Website. Am 18. März wollen wir um 18 Uhr der Öffentlichkeit eine gute Wahlbeteiligung mitteilen.“