Bischof Küng: „Es ist Liebe zur Kirche da“

Mit einer Reihe von Dankfesten beging die Diözese St. Pölten den Abschluss des „Europäischen Jahres der Freiwilligentätigkeit“. An sechs Orten – Tulln, Vitis, Melk, St. Pölten, Horn und Seitenstetten – in den verschiedenen Regionen der Diözese feierten Bischof Klaus Küng und Weihbischof Anton Leichtfried gemeinsam mit hunderten ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich in den Pfarren vor Ort für eine lebendige Kirche engagieren.
„Ich komme viel in der Diözese herum und bin immer wieder überrascht, wie viele Menschen sich mit vollem Einsatz für die Kirche engagieren“, sagte Bischof Küng beim Dankfest für die östliche Region der Diözese in der Pfarre St. Severin in Tulln. „Obwohl es oft große Probleme gibt, merkt man: Es ist Liebe zur Kirche da.“ Er wolle den Ehrenamtlichen und Freiwilligen in den Pfarren vor allem Mut machen, wie Küng betonte: „Wir stecken mitten in einem großen Abenteuer, es ist etwas im Gange. Wer daran mitarbeitet, wird reich beschenkt.“

Es gebe viele Diskussionen über die Zukunft der Pfarren und Seelsorge vor Ort, so Küng. Dabei seien einige Punkte „absolut sicher: dass Kirchen Heimat sind und Heimat bleiben, dass Kinder und Jugendliche den Zugang zu Gott finden, dass Alte und Kranke nicht alleine gelassen werden“. Die jetzige Situation der Kirche sei auch als „Ruf Gottes“ zu verstehen, das Zweite Vatikanische Konzil, von dem vieles noch nicht umgesetzt sei, zu verwirklichen.

Im Rahmen der Dankfeiern, gestaltet von den Pastoralen Diensten, bauten die Teilnehmer mit Bausteinen symbolisch eine Kirche rund um eine große, künstlerisch gestaltete Symbolkerze, die zu allen Dankfesten in der Diözese reiste. Die Ehrenamtlichen beschrifteten die Bausteine mit Begriffen, die sie zur Kirche beitragen bzw. von dieser geschenkt bekommen. So entstand ein buntes Bild der Vielfalt einer lebendigen, von engagierten Gläubigen gebildeten Kirche.

Weihbischof Anton Leichtfried sagte, das Ergebnis dieses Baus aus Bausteinen spiegle die Kirche wider: Sie sei breit verwurzelt, gehe hoch hinaus und lebe von den vielen Verbindungen. Vor über 180 Teilnehmern betonte er zum Abschluss des Veranstaltungsreigen im Stift Seitenstetten: „Im Namen der Diözese sage ich von ganzem Herzen hochoffiziell ‚Danke‘ für Ihre unermüdliche Arbeit zum Wohle der Kirche und der ganzen Gesellschaft!“

58.000 Ehrenamtliche in der Diözese St. Pölten

Insgesamt sind über 58.000 Menschen in der Diözese St. Pölten ehrenamtlich tätig und erbringen eine wöchentliche Durchschnittsleistung von zweieinhalb freiwilligen Arbeitsstunden: „Das entspricht 3.650 Vollzeit-Mitarbeiterinnen bzw. 146 Millionen Euro Lohnkosten im Jahr“, nennt der Direktor der Pastoralen Dienste, Sepp Winklmayr, beeindruckende Zahlen. Um eine ehrenamtliche Tätigkeit handelt es sich, wenn die Arbeit unentgeltlich, freiwillig, zum Wohle anderer, außerhalb der Familie und in der Freizeit geleistet werde, definierte Winklmayr.

Im Gegentrend zur europäischen Wertestudie, nach der das Solidaritätsbewusstsein sinkt, gebe es in Österreich ein „massives Bewusstsein für Freiwilligenarbeit und Ehrenamt“, das sogar im Steigen sei, erklärt Winklmayr. Fast die Hälfte der Niederösterreicher (47%) sind freiwillig tätig, doppelt so viele wir im europäischen Durchschnitt. 27% der Freiwilligen sind in der Kirche aktiv, die damit die größte Gruppe für ehrenamtliches Engagement stellt. Laut Winklmayr betrage das Verhältnis von ehrenamtlich und hauptamtlich geleisteter Arbeit in der Kirche 85 zu 15 Prozent. Etwa 65% der Freiwilligenarbeit leisteten wiederum Frauen.

Dieses große Reservoir lasse sich laut Winklmayr in Kategorien unterteilen wie Sozialhilfe (Besuchsdienste, Nothilfe, Sammlungen), Lebensbegleitung (im Dienst von Familien, Jugend und Kinder, Senioren oder Trauernden), Gemeinschaftsbildung (Pfarrgemeinderat), Fest- und Freizeitgestaltung (Kirchenchöre, Mesner, Ministranten), Gesellschaftspolitik (Katholische Aktion) oder Bildung (Katholisches Bildungswerk, Pfarrbibliotheken).

Fotos:
Tulln: Bischof Küng mit Chor.
Dankkerze mit Bausteinen.
Seitenstetten: Weihbischof Anton Leichtfried (im Hintergrund Mitglieder der Gesangsgruppe „Chorln“ aus Ybbsitz).
Seitenstetten: Weihbischof Anton Leichtfried, Seitenstettner Abt P. Berthold Heigl, Prior P. Michael Prinz, Bischofsvikar Gerhard Reitzinger.
Melk: Direktor der Pastoralen Dienste, Sepp Winklmayr, Melker Abt Georg Wilfinger, Diözesanbischof Klaus Küng, Anna-Marie Gatterer (gestaltete die Kerze) und Bischofsvikar Gerhard Reitzinger.