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Bischöfe Küng und Böcskei: Wunsch, dass sich Augen öffnen für Not

„Armut versteckt sich in Rumänien in den wunderschönen Städten, aber sie ist da. Die positive Entwicklung des Landes täuscht, die Not wird nur immer unsichtbarer und Arme werden aus der Öffentlichkeit ausgegrenzt“, berichteten Schüler nach ihrem Arbeitseinsatz im Caritas-Zentrum St. Joszef in der westrumänischen Stadt Oradea bei einem Benefizkonzert in der St. Pöltener Pfarrkirche Maria Lourdes. Organisiert wird die Zusammenarbeit von Diakon Peter Zidar.
Obwohl die Löhne um ein Vielfaches niedriger seien als in Österreichs, würden die Grundnahrungsmittel fast genauso viel kosten. Um Not zu lindern, wurde am Montag Abend bei der „BenefizRomania“ mit über 650 Teilnehmern für das Caritas-Zentrum St. Joszef gesammelt. Die Barmherzigen Schwestern stellten der Caritas von Oradea das Haus zur Verfügung, dieses muss aber umfangreich restauriert werden. Nach dem Ende der Arbeiten, die 700.000 Euro kosten, dient es als Altersheim, für Armenausspeisung und als Sozialzentrum.

Der St. Pöltener Diözesanbischof Klaus Küng zeigte sich beeindruckt vom Engagement mehrerer Schulen für das Projekt. Auch er wünsche sich, dass „sich die Augen öffnen für die Not sowie Herzen, die sich berühren lassen“. Küng sieht die Gefahr, dass Armut oft verdrängt werde. Es komme „auf jeden Einzelnen an“, Verantwortung dürfe nicht nur auf Institutionen und Politik abgeschoben werden. Der Bischof schilderte exemplarisch von einem Priester seiner Diözese, der vor Jahren das Elend in Rumänien im Fernsehen sah und sich entschloss zu helfen. Seine Pfarre habe dutzende Hilfslieferungen unterstützt – durch die Initiative eines Einzelnen wurde viel verändert, so Küng.

Kirche leistet wichtigen sozialen Beitrag

László Böcskei, Diözesanbischof von Oradea, verwies auf den „immensen sozialen Beitrag seitens der katholischen Kirche in Rumänien, obwohl diese eine Minderheit ist“. Böcskei sei „ermutigt von der Hilfe österreichischer Jugendlicher für die Ärmsten Rumäniens“. Dagegen kritisierte er die mangelnde soziale Einstellung des Staates Rumäniens scharf, mehr als 20 Jahre nach dem Ende des Kommunismus sei die Unterstützung aus dem Ausland noch immer notwendig. Wegen der internationalen Finanzkrise habe sich außerdem die Kluft zwischen Arm und Reich weiter vergrößert, so der Bischof. „Durch die Hilfe aus dem Ausland können wir eigenständig arbeiten“, sagte Abt Joszef Rajna, Direktor der Caritas von Oradea. Auch er zeigte sich „besonders erfreut über das tolle Engagement der Schüler aus Österreich zugunsten der armen und alten Menschen Rumäniens“.

Caritas gehöre zum Wesen der Kirche, betonte Friedrich Schuhböck, Caritas-Direktor der Diözese St. Pölten. Das ergebe sich schon aus dem Doppelgebot Jesu nach Gottes- und Nächstenliebe. Schuhböck erzählte von der langen Zusammenarbeit zwischen der Diözese St. Pölten und Rumänien. Der Benefizabend stand auch im Zeichen der politischen Öffnung und der europäischen Solidarität. Die Zeiten hätten sich verändert. Als er vor Jahrzehnten einen rumänischen Kaplan besuchte, musste er zahlreiche Formulare ausfüllen: „Welche Angst muss das Regime damals gehabt haben!“ Er erinnerte sich auch an die Bedingungen im Haus der Mutter des Kaplans, wo man auf Kisten saß und einfachste Nahrungsmittel dargeboten bekam. Um nicht von der Polizei schikaniert zu werden, wurde Schuhböcks Gruppe empfohlen auf Friedhöfen zu nächtigen, da dort nicht kontrolliert wurde.

Der Erlös aus „BenefizRomania“ kommt dem Caritas-Projekt „Haus St. Joszef in Oradea“ zugute. Neben dem mehrstündigen Konzert des BRG/BORG St. Pölten und der Sängerin Iwona Radon präsentierten Schüler des BHAK St. Pölten das „Haus St. Joszef“ sowie den Arbeitseinsatz von 15 Schülern aus Zistersdorf und aus St. Pölten Ende Oktober in Oradea. Die Veranstaltung in der Kirche Maria Lourdes war ein weiterer Höhepunkt im Rahmen des 50-Jahr-Jubiläums der Kirchweihe.

Spendenkonto:
Caritas Oradea - Rumänien 1909043, Raiffeisenbank Laaben - Maria Anzbach BLZ 32414

Fotos:
Foto1: Maria Lourdes-Pfarrer Karl Höllerer, Univ.-Prof. Michael Wagner (Rektor der KPH Wien/Krems), Caritas-Direktor Friedrich Schuhböck (St. Pölten), Diözesanbischof Klaus Küng, Bischof László Böcskei, Caritas-Direktor Abt Joszef Rajna (Oradea), Diakon Peter Zidar, Chorleiter Erich Schwab.
Foto2: Toller musikalischer Abend.
Foto3: Über 650 Zuhörer kamen zum Benefizabend.
Foto4: Hilfseinsatz aus Österreich in Oradea.
Foto5: Insgesamt 15 Schüler aus dem Raum St. Pölten werkten im Haus St. Joszef.