2,2 Milliarden Christen in aller Welt feiern Geburt Jesu

Mehr als 500 Millionen Christen in Europa und mehr als 2,2 Milliarden Christen weltweit feiern am 24./25. Dezember und am 6./7. Jänner (Ostkirchen) das Fest der Geburt Christi. Katholiken, Anglikaner, Protestanten und die meisten Orthodoxen sind am 24. Dezember in dieser Feier vereint. Russen, Serben, Kopten und Äthiopier feiern hingegen nach dem Julianischen Kalender erst am 6. Jänner. Das Weihnachtsfest am Heiligen Abend - 24. Dezember - ist die nach altem kirchlichen Brauch übliche "Vor-Feier" (Vigil) eines Hochfestes. Der Tag nach Weihnachten - 26. Dezember - wird bei den Katholiken als Hochfest des Hl. Stephanus begangen. Auch die evangelische Agende sieht die Feier des Stephans-Tages am 26. Dezember vor.

In der griechisch-orthodoxen Kirche wird der Stephanus-Tag am 27. Dezember gefeiert. In der Evangelischen Landeskirche in Württemberg wird seit dem Jahr 2007 am Tag des Erz-Märtyrers der "Gebetstag für verfolgte Christen" begangen.

Das Fest der Geburt Christi löste im 4. Jahrhundert das am 25. Dezember gefeierte heidnische römische Sonnengottfest ("Sol Invictus") ab. Auf den 25. Dezember hatte Julius Caesar bei seiner Kalenderreform den kürzesten Tag des Jahres (lateinisch bruma) festgelegt, den Tag der Wintersonnenwende. Da das Jahr des Julianischen Kalenders gegenüber dem astronomischen Jahr verschoben ist, kam es später zu einer Verlegung des Sonnwenddatums auf den 21. Dezember.

Im heidnischen und später christlichen Festkalender hielt man sich aber an die Überlieferung. Daher blieb der 25. Dezember der Tag der Geburt des Sonnengottes.

Von Rom aus verbreitete sich das Weihnachtsfest in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts rasch nach Nordafrika, Oberitalien, Spanien und in den Orient. Es entwickelte sich bald zum beliebtesten christlichen Fest.

Die deutsche Bezeichnung "Weihnachten" ist erst seit dem 12. Jahrhundert belegt; die Zusammensetzung enthält das untergegangene mittelhochdeutsche Adjektiv "wich" mit der Bedeutung "heilig" und geht zurück auf die Zeitbestimmung "zewihen nahten", was also "in den heiligen Nächten" bedeutet.

Franz von Assisi "erfand" die Krippe

Krippe und Christbaum wurden erst relativ spät in das christliche Weihnachtsfest aufgenommen. Der Heilige Franz von Assisi hatte 1223 in Greccio als erster die Idee, zum Weihnachtsfest die Geburt Christi im Stall von Bethlehem als "lebendes Bild" mit lebenden Personen und Tieren nachzustellen.

Im mittelalterlichen Italien wurden zunächst geschnitzte oder wächserne Jesuskinder auf den Altar gelegt. Der Einzug der "Bambini" in die Nonnenklöster ist für das 14. Jahrhundert belegt. Im 15. Jahrhundert begann die Wallfahrt zum "Bambino" im Franziskanerkloster am römischen Kapitol (Aracoeli) als Gnadenort. Weitere Bambino-Gnadenorte entwickelten sich in der Barockzeit. Die wohl berühmteste dieser Gnadenfiguren ist das "Prager Jesulein" aus dem Karmelitinnenkloster Maria de Victoria in der Prager Kleinseite. Es stammt aus dem Jahr 1628.

Ab dem 15. Jahrhundert gibt es in Italien in den Kirchen permanente Krippen. Ab dem 16./17. Jahrhundert wurden Weihnachtskrippen auch außerhalb Mittelitaliens als Rekonstruktion des großen Ereignisses von Bethlehem populär. Einzelne Landschaften entwickelten vor allem in der Barockzeit besondere Traditionen des Krippenbaus - so Sizilien, Tirol, Oberbayern, die Provence und das Goralische Gebiet um Krakau.

In protestantischen Gegenden waren Krippendarstellungen früher verpönt. So tolerierte sie die Obrigkeit im evangelisch geprägten Erzgebirge erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Danach erlebte die Kunst des Krippenschnitzens ihre Blütezeit.

Christbaum kam im Elsass auf

Der Christbaum wurde erst im 19. Jahrhundert zu dem zentralen Weihnachts-Symbol, das er heute ist. Ein erster schriftlicher Hinweis auf geschmückte Tannenbäume zu Weihnachten findet sich in der elsässischen Hauptstadt Straßburg im Jahre 1606.

Nach Österreich kam der Christbaum 1816 durch Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg, die evangelische Frau Erzherzog Karls, des Siegers von Aspern. Obwohl der "lutherische Brauch" von der katholischen Kirche in Österreich zunächst scharf abgelehnt wurde, war der Siegeszug des Christbaums nicht aufzuhalten.

Heute wird der Christbaum mit seinen Lichtern von Christen aller Konfessionen als Symbol des Sterns von Bethlehem angesehen, der den Menschen die Geburt Jesu in einer Krippe anzeigte.

Italien: "Bambino" zentral

Wie auch Jesus die Geschenke erst von den drei Weisen bekam, wurden die italienischen und spanischen Kinder ursprünglich erst am Dreikönigsfest beschenkt. In den letzten 30 Jahren wurde es allerdings auch in Italien üblich, am Abend des 24. Dezember Geschenke auszutauschen.

In den römischen Schulen werden im Advent von Kindern Jesusfiguren für die Krippe angefertigt. Papst Benedikt XVI. segnete auch heuer wieder mehrere Tausend dieser "Bambini" beim Angelusgebet am Dritten Adventsonntag. Die "Bambini" werden am 24. Dezember in die Krippe gelegt.

Auch in Spanien wird der 24. Dezember traditionell eher ruhig begangen. In der Nacht vom 5. auf den 6. Jänner feiern Erwachsene und Kinder in Spanien überall im Land die Heiligen Drei Könige mit Umzügen, bei denen mitunter auch echte Kamele mitgeführt werden. Die Kinder müssen für sie am Vortag Wasser und Brot vor die Tür stellen.

"Vergiss das Wichtigste nicht"

In Großbritannien erinnert die anglikanische Kirche jedes Jahr zu Weihnachten mit einer groß angelegten Werbekampagne an den religiösen Inhalt von Weihnachten. Freilich sind die Briten noch nicht in dem Ausmaß "entchristlicht", wie oft behauptet wird. Zu Weihnachen sind auch jenseits des Kanals die Kirchen voll.

Polen: Fasten und ungeladener Gast

In Polen wird das 24-Stunden-Fasten vor Weihnachten noch sehr ernst genommen. Am Heiligen Abend steht dann ein zusätzlicher Teller auf den Tisch, ähnlich wie beim jüdischen Sedermahl zu Pessach. Der Teller ohne Esser wartet auf den zufälligen, ungeladenen Gast. Sobald sich am 24. Dezember der erste Stern am Himmel zeigt, werden zwölf fleischlose Weihnachtsspeisen der Reihe nach gereicht.

Orthodoxie: Wasserweihe

Mehrere orthodoxen Kirchen, darunter die von Griechenland, Rumänien und Bulgarien, feiern Weihnachten so wie die Westkirchen nach Gregorianischem Kalender am 24./25. Dezember. In Griechenland ziehen am 24. Dezember Kinder mit Trommeln und Glocken durch die Straßen und singen die Kalanda, einen Lobgesang auf die Geburt Christi. Die Kinder erhalten kleine Geschenke. In den Kirchen steht jetzt die Theotokos-Ikone mit Maria und dem Jesuskind im Mittelpunkt.

Fast ebenso wichtig wie Weihnachten ist in der griechischen Tradition die Große Wasserweihe zu Epiphanie am 6. Jänner (Liturgischer Kalender von Konstantinopel und Athen). Die Große Wasserweihe gehört zu den eindrucksvollsten Feiern der orthodoxen Kirche. Sie erinnert an die Taufe Jesu im Jordan und gilt als symbolische Weihe der gesamten Natur und Schöpfung. Sie ist Zeichen des Glaubens, dass durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus sich die gesamte Schöpfung verklärt hat und "alles neu geworden ist". Zugleich wird damit an die Verpflichtung jedes Christen erinnert, sich für den Schutz der Umwelt einzusetzen.

Erstmals fand 2007 auch in Wien eine feierliche Große Wasserweihe der orthodoxen Kirche statt. Sie soll auch im Jänner 2012 wiederum am Donaukanal durchgeführt werden.

Im russischen Kalender verschiebt sich die Wasserweihe auf 19. Jänner. Zur Wasserweihe tauchen in Russland die Eisschwimmer auf, die sich in die geweihten Gewässer stürzen. Zur Not stehen Sanitäter bereit; allerdings erfrieren die mutigen "Walrösser" nur selten.

(KAP)