In Zeiten der Bedrängnis „sich mit Freude bekleiden“

„Weihnachten, bewusst gefeiert, schenkt auch inmitten großer Sorgen und Problemen Hoffnung“, betonte Bischof Klaus Küng in seiner Predigt zur Christmette im Dom zu St. Pölten. Einer frühchristlichen Schrift folgend, gelte es die Traurigkeit aus dem Herzen zu verjagen und „sich mit Freude zu bekleiden“. Das sei ein „gutes Leitwort für die Heilige Nacht in einer Zeit, die für alle, die die Kirche lieben, bedrängend ist“, so Küng. Angesichts der Missbrauchsfälle, der hohen Kirchenaustrittszahlen des Rückgangs der Glaubenspraxis würden viele Christen „sehr leicht in Trübseligkeit verfallen“ und den Eindruck haben, „in die Enge getrieben zu werden“.
Tatsache sei jedoch, dass die Geburt Christi bis auf den heutigen Tag das Leben unzähliger Menschen beeinflusst, große Einrichtungen und ganze Nationen geprägt habe, wie Bischof Küng aufzeigte. „Und sehr viele haben nicht gezögert, für dieses Kind ihr Leben zu riskieren.“ Deswegen gebe es nichts Vergleichbares in der Geschichte der Menschheit. Dabei seien alle Christen aufgefordert mitzutun, denn, so Küng, „es geht um die Rettung der Menschen“. Der Bischof forderte dazu auf, um einen festen Glauben zu bitten, damit „wir mit Mut und Optimismus unsere Aufgabe als Christen in unserer Zeit und in den heutigen Verhältnissen wahrnehmen“.
Predigt Christmette im Wortlaut


Sünde ist nicht Hindernis, sondern Anlass der Geburt Jesu


In seiner Predigt am Christtag ging Bischof Küng auf die tiefe Sehnsucht in jedem Menschen ein, die ihn suchen lasse. Den Menschen sei jedoch oft gar nicht bewusst, „dass ihr Herz Gott sucht“. Deswegen suchten viele die Erfüllung ihrer Sehnsucht in einem anderen Menschen, im Erfolg, im Sinnlichen oder gar im rein Materiellen. Dadurch würden jedoch nur Abhängigkeiten entstehen, wie Küng betonte.


Weihnachten zeige hier eine andere Sicht auf: „Nicht wir sind es, die Gott suchen, Gott kommt und sucht uns.“ Die Frage sei jedoch, ob der Mensch diese Handreichung Gottes annehme: „Manche werden in der derzeitigen Situation der Kirche vielleicht sofort hier einhaken und sagen: liegt es nicht an der Kirche selbst, an den Fehlern ihrer Diener oder an deren altmodischen Ansichten, warum vielen der Zugang zu Christus verstellt wird?“


Gerade im Hinblick auf solche Einwände sollten wir „umso mehr den Blick zur Krippe wenden“, sagte Küng. Es werde oft vergessen, dass die Sündhaftigkeit der Menschen für die Geburt Gottes kein Hindernis sei, sondern vielmehr gerade der Anlass. Die Feier der Weihnacht stehe damit im Zusammenhang, „dass er gekommen ist, um zu retten“, so Küng. „Ja sogar die Sündhaftigkeit jener, die Diener der Kirche sind, so schlimm und traurig diese auch sein mag, muss nicht unbedingt die Weihnachtsfreude vermindern."
Predigt Christtag im Wortlaut


„Um die Freude bitten“


In seiner Radioansprache am 24. Dezember kritisierte Bischof Küng die „Konsumwelt“, die „vorgaukelt, Freude kommt von Haben“. In einer Zeit, in der wir uns fast alles kaufen können, müssten wir „bitterer denn je lernen: Freude kann man sich nicht kaufen“.
Früher sei der Advent eine Fastenzeit gewesen, erklärte Küng. Auch wenn heute niemand mehr faste, werde in dieser Zeit immer wieder klar, „dass wir es alleine nicht schaffen, dass wir jemanden brauchen, der auf uns zu kommt und uns ganz neu diese wahre Freude schenkt, die die Welt uns niemals geben kann“, sagte Küng. „Und dann sind wir bereit für die Erkenntnis: es ist jemand gekommen, der alles verändern kann.“
Zu Weihnachten könnten wir das Kind in der Krippe um diese Freude bitten, so Küng: „Und Gott wird in unser Herz kommen.“
Radioansprache im Wortlaut