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Wirtschaft: „Blick auf das Ganze verloren gegangen“

Nach der katholischen Soziallehre sei Kapital nur durch Arbeit gerechtfertigt, erinnerte der Sozialethiker Leopold Neuhold von der Universität Graz bei einem Vortrag über „sozialethische Aspekte der Zukunft der Arbeit“ vor Juristen in Aggsbach (NÖ). Würde diese Richtlinie ernst genommen werden, sähe es in der Wirtschaft und am Arbeitsmarkt anders aus. Unsere Gesellschaft sei heute von „Abkoppelungsmechanismen“ geprägt, erläuterte Neuhold in seinem Vortrag auf Einladung des Katholischen Akademikerverbandes (KAV), der NÖ Rechtsanwaltskammer, Notariatskammer und Richtervereinigung: „In der Wirtschaft haben sich viele Bereiche verselbständigt, der Blick auf das Ganze ist verloren gegangen.“
Arbeit werde heute nur noch als abhängige Erwerbsarbeit und als „Grundlage der Produktion“ gesehen, kritisierte Neuhold. So werde der Mensch zum „humanen Produktionskapital“ degradiert. Besonders soziale Arbeit wie Pflege, Kinderbetreuung aber auch Hausarbeit und ehrenamtliche Arbeiten würden auf dieser Grundlage weder gerecht entlohnt noch Wert geschätzt.
Arbeit sei jedoch mehr, wie Neuhold betonte: „In der Arbeit erfährt der Mensch Gemeinschaft, sie ist ein Ort des solidarischen Treffens, der sozialen Einbindung.“ Weiters sei die Arbeit ein „Element der menschlichen Entfaltung“, wodurch der Mensch als Mitarbeiter Gottes auch zur Gestaltung und Entfaltung der Schöpfung beitrage.


Die Arbeit sei zwar „mehr“, aber zugleich nicht „alles“, wie Neuhold betonte. Der Mensch und sein Leben dürften nicht auf seine Arbeitsleistung reduziert werden: „Der Mensch ist schon vor einer Arbeitsleistung wertvoll.“
Heute sei „aus einer lebensbezogenen Arbeitszeit eine arbeitsbezogene Lebenszeit geworden.“ Die Rede von einer „Life-Work-Balance“ bezeichnete Neuhold jedoch als „grundfalsch“, da Arbeit und Leben nicht gegeneinander ausgespielt werden dürften. Vielmehr sei auch die Arbeit Teil des ganzen Lebens, weswegen die Arbeitswelt wieder humanisiert werden müsse.


Zu den großen Herausforderungen zählte Neuhold die Globalisierung der Wirtschaft, der eine „Globalisierung des Sozialen“ beigestellt werden müsse. Weiters dürfe die heute geforderte Flexibilität nicht zu einem „Selbstwert ohne Bezug zur Person“ werden. Auch die Technisierung dürfe nicht zum Ziel werden, warnte Neuhold. Generell komme es zu einer „Entfremdung, wenn das Mittel zum Ziel und umgekehrt das Ziel – der Mensch – zum Mittel gemacht wird“. Es gebe stets mehrere Werte und ihr Verhältnis zueinander zu beachten, so Neuhold.


Vor dem Vortrag feierten die Juristen gemeinsam mit dem Altabt von Melk, Burkhard Ellegast, und dem geistlichen Assistenten des KAV, Herrn Mauritius Lenz, die jährliche „Juristenmesse“ in der Kirche der ehemaligen Kartause Aggsbach. In seiner Predigt betonte Ellegast, dass „die Liebe der Geist des Gesetzes“ sein müsse. Das Ensemble „Klangbogen“ gestaltete die Messe musikalisch unter der Leitung von Alfred Nussbaumer und mit der KAV-Vorsitzenden Angelika Beroun-Linhart an der Orgel.