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„Wir können nur beten und bitten“

Drei Tage nach der verheerenden Gasexplosion in St. Pölten herrscht noch immer tiefe Betroffenheit und Trauer. Am Gedenkgottesdienst für die Opfer der Katastrophe in der St. Pöltner Josefskirche mit Bischof Klaus Küng und Pfarrer Andrzej Prochniak nahmen hunderte Menschen teil, unter ihnen Bürgermeister Matthias Stadler und weitere Vertreter des öffentlichen Lebens. Vor dem Altar wurden bei den Fürbitten fünf Kerzen für die Verstorbenen entzündet.

„Wir können es nicht fassen, dass unsere Nachbarn nicht mehr sind“, schildert Bischof Klaus Küng die Reaktionen der Menschen an Unglücksort, die er noch am gleichen Tag dort angetroffen hatte. Das Unglück sei unfassbar – und dennoch stelle sich jedem die Frage, „Wie können wir damit zurechtkommen“. Es gehe uns alle an, wies der Bischof hin: jeden anderen hätte es ebenso und unvermittelt treffen können.

„Wie kann Gott so etwas zulassen“, sei die Frage, die sich auch dem Glaubenden stellt, sagte Bischof Küng in der Predigt. „Eine schwierige Frage, auf die wir keine Antwort wissen. Wir können nur beten und bitten, dass Gott sie in die ewige Heimat aufnehmen wird“. In einfühlsamen Worten charakterisierte Bischof Klaus das Leben der Verstorbenen, ihr geistliches Streben und soziales Engagement sowie ihre aktive Teilnahme am Leben der Pfarre. Es sei gut, so zu leben, um immer bereit zu sein, sagte er.

Der Bischof lobte und bedankte sich auch bei den vielen Helfern nach dem Unglück, den Nachbarn, den Einsatzkräften der Feuerwehr, der Poizei, der Rettung und allen weiteren Menschen, die sich „mit Umsicht, Ruhe und großer Anteilnahme“ trotz bestehender Gefahr für die anderen Menschen eingesetzt haben. Er selbst habe gesehen, dass einer dem anderen geholfen habe – dies sei ein gutes Zeichen und gebe Hoffnung, sagte der Bischof.

Schon während des Einsatzes haben Firmen und Privatpersonen spontan Getränke und Speisen zur Verfügung gestellt oder sich an der Essensausgabe an die Einsatzkräfte beteiligt. Zudem wurden den Betroffenen mehrere Wohnungen angeboten und weitere Hilfen bereitgestellt.

Der Bischof rief auf, für die Verstorbenen zu beten, dass Gott sie in sein Reich aufnehmen möge, und für die Angehörigen sowie Überlebenden, Gott möge sie mit seinem Trost trösten und die Gnade schenken, stets wachsam zu sein.

Am Sonntagabend findet um 21 Uhr am Rathausplatz von St. Pölten ein Lichtermeer statt, um der Toten zu gedenken und Solidarität mit den Überlebenden der Gasexplosion zu bekunden.

Am Donnerstag, dem 3. Juni ist am Spratzener Kirchenweg im Süden von St. Pölten ein Wohnhaus durch eine Gasexplosion zerstört worden. Fünf Menschen sind ums Leben gekommen. Die Ursache dürfte ein zehn Zentimeter großes Loch in der Zuleitung der Gasversorgung zum Haus gewesen sein. Warum es zur Explosion gekommen ist, wird derzeit von Experten untersucht.