"Tag des Denkmals": Viele Klöster und Stifte sorgen für Höhepunkte

Klöster und Stifte bilden am 26. September das inhaltliche Rückgrat des "Tages des Denkmals". Als "Orte des Genusses" - so das Motto der europaweit begangenen und zum zwölften Mal in ganz Österreich durchgeführten "European Heritage Days" - erweisen sich u.a. die Stifte Altenburg, Zwettl und Lilienfeld in Niederösterreich, die Stifte Admont und Rein in der Steiermark sowie das Zisterzienserstift Stams und das Servitenkloster in Innsbruck. Insgesamt sind bei freiem Eintritt und unter fachkundiger Führung mehr als 250 "Orte des Genusses" in allen Bundesländern zu besichtigen, die meist sonst nicht öffentlich zugänglich sind. In Niederösterreich ist mit Stift Altenburg das "Barockjuwel des Waldviertels" Schauplatz des Denkmal-Tages. Bemerkenswert sind die Malereien von Paul Troger und die Chinoiserie-, Landschafts- und Groteskenmalereien in der Sala Terrena. Die reiche Ausstattung der Stiftskirche steht stilistisch am Übergang vom Hoch- zum Spätbarock. Im "Garten der Religionen" findet derzeit eine Sonderausstellung zum Dialog zwischen Christen und Juden statt.


Im Stift Zwettl steht der seit Jahrhunderten betriebene Anbau von Nutzpflanzen im Zentrum. Seit 2006 werden die Gärten des Zisterzienserstiftes Zwettls nach historischen Vorbildern neu bepflanzt. In der kürzlich restaurierten Orangerie ist jetzt ein Kaffeehaus eingerichtet, wo am Tag des Denkmals als Vorschau für die in Europa einzigartige Lebkuchenhausausstellung im November die Entstehung von Lebkuchenhäusern gezeigt wird.


Eingebunden in das Programm sind auch die 1330 gegründete Kartause Gaming und die 40 Jahre jüngere Kartause von Aggsbach, die zuletzt in den Blickpunkt der archäologischen Forschung rückte: Im Zuge der Errichtung eines Meditationsgartens werden die 1782 abgebrochenen Baustrukturen wieder ans Tageslicht gebracht, Besucher können Archäologen über die Schulter blicken. Orgelkonzerte sowie kulinarische Köstlichkeiten werden im ehemaligen Servitenkloster und in der Geburtsgrotte Schönbühel geboten: Die unterirdische, mehrteilige aus dem Felsen gehauene Anlage mit der in Österreich einzigartigen Nachbildung der Geburtsgrotte von Betlehem stammt aus dem Jahre 1670 und ist mit Blumenmalereien und Figurendarstellungen ausgestattet.


Einladung in den "Kleiderschrank" von Admont


Im obersteirischen Benediktinerstift Admont werden Interessierte in das Paramentendepot eingeladen. Dieser "stiftische Kleiderschrank" mit hochsensiblen, wertvollen Textilien, die auch heute noch für spezielle Feieranlässe verwendet werden, ist normalerweise nicht zugänglich. Textilrestauratorin Traute Rupp und andere Fachleute erzählen Geschichten, die sich um die Stoff-"Denkmäler", ihre Erhaltung und Restaurierung ranken.


Weitere Führungen sind in der weltgrößten Klosterbibliothek, wo es eine Lesung gibt, sowie durch den Kurator der laufenden Sonderausstellung "Play Admont", Michael Braunsteiner, im barocken Pavillon des Stiftes geplant: Im Pavillon finden Besucher eine Soundinstallation von Hubert Machnik vor. Passend zum Thema "Genuss" erhalten am Tag des Denkmals im Museumsfoyer alle Besucher gratis ein Glas stiftseigenen Wein.


Geistige, ästhetische und kulinarische Genüsse bietet auch das Zisterzienserstift Rein unweit von Graz: Am 26. September wird um 11 Uhr in der Bibliothek das Reiner "Musterbuch" vorgestellt, ein Codex aus dem 13. Jahrhundert mit Grafiken und Musteralphabeten, der in der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrt wird. Bibliophile kommen auch bei einer Lesung aus der 9. Deutschen Bibel von 1483 und der Präsentation der dazugehörigen Faksimile-Seiten auf ihre Rechnung; danach können Buchmalereien des Antiphonale Cisterciense und des Wolfgang-Missale aus den Jahren 1492/93 im Original angesehen werden.


Bei einer Spezialführung im größten Freilichtlapidarium Österreichs werden Einblicke in die verblüffend lebensfrohe Bilderwelt römischer Grabsteine gegeben. In den Historischen Sälen werden am Nachmittag jene drei Fugen von Leos Janacek gespielt, die vor zwei Jahren im Stift Rein entdeckt wurden. Mittelalterliches Essen in der Reiner Stiftstaverne rundet das Angebot ab.


"Welsche Bäume" im Zisterzienserstift Stams


Im Tiroler Zisterzienserstift Stams wird die Kulturgeschichte der im Barock beliebten Orangerien anschaulich: Im Garten des 1273 gegründeten Zisterzienserstiftes wurde Anfang des 18. Jahrhundert zur Zucht von Orangenbäumen eine Orangerie errichtet. Die immergrünen Zitrusbäumchen waren wegen ihres Duftes und ihrer mythologischen Bedeutung berühmt und zählten zu den wertvollsten Pflanzen der Gartenanlagen jener Zeit. Zum Großteil aus Italien stammend, bildeten die sogenannten "welschen Bäume" den beweglichen Teil des barocken Gartens und gaben ihm mit ihren sorgfältig beschnittenen Kronen Rhythmus und Struktur. In der kalten Jahreszeit war es möglich, in dem beheizbaren Gebäude Kübelpflanzen bei einer Temperatur von 2 bis 8 Grad Celsius frostfrei zu überwintern. Während der Sommermonate konnte das leerstehende Gebäude als Festsaal für Theateraufführungen und andere Lustbarkeiten genützt werden, wie das Deckenfresko im östlichen Pavillon mit seinen vier musizierenden Putti zeigt.


Einen sonst nicht zugänglichen Kunstgenuss bietet die Kunstkammer der Serviten in Innsbruck, ein wenig beachtetes Pendant zur weltberühmten Ambraser Sammlung: Anna Katharina Gonzaga von Mantua, die zweite Frau Erzherzog Ferdinands II., die 16-jährig ihren 54-jährigen Onkel heiraten musste, war religiös und trat nach dem Tod ihres Gatten in das von ihr gegründete Regelhauskloster ein. Die Kunstkammer stellt neben den Kunst- und Reliquiensammlungen der Stifterin auch Gegenstände aus deren persönlichem Gebrauch aus - beispielsweise ihren intarsierten Reiseschreibkasten.


"Hochprozentiges für Geist und Seele"


In Kärnten bietet das Stift Gurk "Hochprozentiges für Geist und Seele". Nach einem Festgottesdienst um 10 Uhr lädt Stiftspfarrer Msgr. Gerhard Christoph Kalidz zur Verkostung des "Gurktaler Alpenkräuterlikörs". Im Erdgeschoss der Propstei lässt die Firma Schlumberger seit zwei Jahren frische Kräuter aus der Umgebung zu dem hochwertigen Likör verarbeiten. Das 1490 errichtete Propsteigebäude wurde im Inneren im 16. Jahrhundert adaptiert und bis 1658 barockisiert. Zu besichtigen ist aber auch ein ansonsten nur den Mönchen zugänglicher barocker Klostergarten.


Die Wallfahrtsbasilika Maria Schnee und das angrenzende Kloster in Maria Luggau stellen bis heute das religiöse Zentrum des Kärntner Lesachtals. In der klösterlichen Gartenanlage aus dem 17. Jahrhundert, die in ihren Grundzügen erhalten ist, wurde ein Pavillon, der sogenannte "Spatzentempel", errichtet. Am Tag des Denkmals ist das erst im Vorjahr restaurierte Gebäude mit seinem grottenartig gestalteten Inneren samt aufwendigen Tuffsteinmosaik-Bildern erstmals öffentlich zugänglich.


Wert des Kulturerbes bewusst machen


Die "European Heritage Days" basieren auf einer Idee des früheren französischen Kulturministers Jack Lang, die 1991 vom Europarat aufgegriffen wurde. Seit 1999 finden sie unter der Patronanz von Europarat und der Europäischen Kommission statt und haben sich zur größten, jeden September in ganz Europa von 49 Ländern inszenierten Kulturveranstaltung mit insgesamt über 10 Millionen Besuchern entwickelt. Ziel ist es, den Wert des gemeinsamen kulturellen Erbes bewusst zu machen. Dieses Erbe umfasst nicht nur "Denkmale" im klassischen Sinn, sondern auch Kulturräume, handwerkliche Fähigkeiten oder besonderes Wissen und Fertigkeiten.


(KAP)