Ministrantentag 2019
Bischof beim Minitag 2019
Pfarrfestsaison
Weihbischof Anton Leichtfried bei der Karfreitagsliturgie
Familien
Ferien-Kinderlager
Pilgern im Sommer
 
 

Stellungnahme anlässlich 35 Jahre Fristenlösung

FRAGE: Dieses Wochenende jährte sich zum 35. Mal die Einführung der Fristenlösung. Man hat manchmal den Eindruck, die katholische Kirche würde das Rad der Zeit gerne zurückdrehen...


Die Fristenlösung ist und bleibt – wie Kardinal König gesagt hat – eine tiefe Wunde in unserer Gesellschaft. Es fehlen uns heute nicht nur die Kinder, die in den vergangenen 35 Jahren abgetrieben wurden, es leiden auch viele Frauen und Männer unter dem Geschehenen. Jeder Seelsorger weiß, wie sehr Abtreibungen das Gewissen belasten. Auch Ärzte können davon erzählen, wie schwer die seelische Verarbeitung solcher Geschehnisse sein kann. Oft sind ja auch die Beziehungen davon zutiefst betroffen. Vorwürfe bleiben zurück wie zum Beispiel „Du hast mich allein gelassen“, „Wegen dir habe ich das getan“ oder „Du hättest es mir sagen müssen“ usw.


Die Kirche wird nie aufhören daran zu erinnern, dass ab dem Augenblick der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle davon auszugehen ist, dass das ein Mensch ist, der heranwächst, und dass das Gebot Gottes gilt: Du sollst nicht töten.


FRAGE: Am Montag hat Dr. Fiala weitergehende Schritte eingefordert, so etwa Verhütungsmittel oder der Schwangerschaftsabbruch auf Krankenschein, wie das in den meisten anderen Ländern Westeuropas realisiert ist...


Ich höre nicht auf zu hoffen, dass Dr. Fiala irgendwann merkt, was er tut, wenn er in Wien und Salzburg Tag für Tag Abtreibungen durchführt und dass seine Art, wie er meint, die Abtreibungszahlen senken zu können, in der Gesellschaft großen Schaden anrichtet.


Dr. Fiala beklagt, dass in Österreich die Abtreibungszahlen sehr hoch seien. Österreich liege mit 17 – 23 Aborten pro 1000 nach Russland (45) und Rumänien (31)und sei in etwa gleich wie Bulgarien (22) und Ungarn (22). Gerühmt werden dagegen die Schweiz (6,5), Deutschland (8), Belgien (8) und die Niederlande (8,5). Als Grund wird angegeben, dass in den zuletzt genannten Ländern eine umfassende Sexualaufklärung stattfinde, Verhütungsmittel und Abtreibung auf Kassenkosten abgegeben bzw. durchgeführt werden. Ich kann mir vorstellen, dass die angegebenen Zahlen stimmen, die Frage ist aber, ob in diesen Ländern tatsächlich der Lebensschutz besser geachtet wird. Die „Pille danach“ wirkt ovulationshemmend, sofern der Geschlechtsverkehr vor der Ovulation stattfindet, andernfalls wirkt sie nidationshemmend, wie ja auch aus den Beipackzetteln dieser Präparate klar hervorgeht, was aber von Dr. Fiala und anderen Verteidigern der „Pille danach“ meist still übergangen wird. Wenn er – und auch unser Gesundheitsminister- dennoch bei der „Pille danach“ von einer „Notfallverhütung“ sprechen, dann haben sie für diese Ausdrucksweise sicher einen bestimmten Grund bzw. besser gesagt ihre guten Gründe. Konkret: es handelt sich ja um hohe Hormongaben, die da ohne weiteres eingenommen werden und in einem gewissen Prozentsatz wirken diese Pillen nidationshemmend. Wäre das nicht der Fall, müssten doch immer wieder Schwangerschaften eintreten, wenn der Geschlechtsverkehr nach dem Eisprung oder kurz vor dem Eisprung stattfindet. Die Samenzellen, die nach einem Geschlechtsverkehr eingedrungen sind, können außerdem noch bis zu zwei Tage nach dem Geschlechtsverkehr zu einer Befruchtung führen. Bezüglich der neuen "EllaOne"-Pille „fünf Tage danach“ gibt Dr. Fiala selbst zu, dass sie nidationshemmend wirkt. Außerdem muss im Zusammenhang mit den statistischen Angaben der Schweiz, Deutschlands usw. bewusst gemacht werden, dass Ärzte und Juristen nur dann von Abtreibung sprechen, wenn ein bereits in der Gebärmutter eingenisteter Embryo mechanisch oder durch Hormongabe entfernt wird. In Wirklichkeit ist aber davon ausgehen, dass schon vor der Einnistung in die Gebärmutter mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle ein Kind, dem Schutz gebührt, empfangen wurde und zu leben begonnen hat.


Ich halte nichts davon, wenn Verhütungsmittel und Abtreibungen von der Krankenkassa bezahlt werden. Ich halte auch wenig von einer Sexualaufklärung wie sie von Dr. Fiala und leider auch von offiziellen Stellen angeboten und in unseren Schulen vielfach praktiziert wird. Eine Sexualaufklärung, die nur zwei Gefahren kennt – nämlich Aids und eine unerwünschte Schwangerschaft – richtet großen Schaden an:
Sexualität wird verantwortungslos gelebt, Frauen schlucken, verzeihen Sie mir den kräftigen Ausdruck, Hormone so, als wäre es ein Aspirin. Auch als Arzt sage ich: das kann nicht gut gehen. Es geht dabei nicht nur um den Schutz des Lebens von noch nicht geborenen Kindern, es geht auch um die Gesundheit und Würde der Frau und die des Mannes; es geht weiters um die Fähigkeit zu tragfähigen, dauerhaften Beziehungen. Ist es verwunderlich, dass jemand, der vor der Ehe viele mehr oder weniger flüchtige, auch manche etwas länger dauernde Beziehungen hatte, nach der Ehe sich auch bald wieder auf so manchen intimen Kontakt einlässt? Letztlich geht es um das, was wahre Liebe ist.


Die katholische Kirche wird leider zu wenig gehört, vielleicht spricht sie auch zu leise. Sie sagt, Geschlechtsverkehr ist nicht bloß „Sex“. Geschlechtsverkehr sollte Ausdruck einer gegenseitigen, ganzheitlichen Liebe zwischen Mann und Frau sein, Ausdruck einer gegenseitigen Ganzhingabe, die auch offen ist für die Frucht einer solchen, großen Liebe. Sie ist etwas Heiliges, Großes. Sie setzt voraus, dass man sich so gut kennen und lieben gelernt hat, dass man sich binden will. Die Kirche lehrt, dass Geschlechtsverkehr in die Ehe gehört. Man wird zwar heutzutage ausgelacht, wenn man das weiterhin sagt. Wahr ist es trotzdem. Wenn die Kirche gehört würde, so behaupte ich, gäbe es viel weniger, ja möglicherweise keine Abtreibungen, und viel mehr gelungene Beziehungen.


FRAGE: Was halten Sie von Schutzzonen vor Krankenhäusern, welche Abtreibungen durchführen? Sind sie nicht notwendig, um Frauen in der schwierigen Situation des Schwangerschaftskonfliktes vor fanatischen Lebensschützern zu schützen?


Zunächst möchte ich darauf aufmerksam machen, dass es sich bei dieser Forderung um eine Begriffsverwirrung handelt. Angebracht wäre es zum Beispiel, dass in der Umgebung von Schulen eine Schutzzone bezüglich Drogenhandel eingerichtet wird. Oder dass im öffentlichen Bereichen zum Beispiel in der Werbung, in Abbildungen wie Plakaten alles vermieden wird, was eine Verletzung der Würde der Person gleichkommt, das friedliche Miteinander bedroht oder in irgendeiner Form anstößig ist. Ich verstehe nicht, warum ein Beratungsangebot in der Nähe einer Abtreibungspraxis nicht statthaft sein soll; ich halte auch nicht die Abbildung eines Embryos für einen Verstoß gegen die guten Sitten. Zugleich bitte ich Lebensschützer, die solche Beratungen anbieten und die auf die Folgen von Abtreibung hinweisen, alles zu vermeiden, was eine Belästigung sein oder als solche missverstanden werden könnte. Soviel ich weiß, halten sie sich mittlerweile alle daran. Wenn da in der Vergangenheit manchmal Grenzen überschritten wurden, dann vielleicht deshalb, weil es bei einer Abtreibung um das Leben eines Menschen, nämlich des Kindes, geht.


FRAGE: Würde die Streichung der Abtreibung aus dem Strafgesetz, wie Dr. Fiala sie fordert, nicht letzten Endes Frauen in Not entkriminalisieren?


Schon jetzt besteht in der derzeitigen Gesetzgebung ein Defizit: Durch die Straffreiheit der Abtreibung sind alle Kinder vor der gesetzlich festgelegten Frist, „behinderte Kinder“ oder solche, deren Mutter noch nicht das 14. Lebensjahr vollendet hat, bis zur Geburt schutzlos. Bei Streichung der Abtreibung aus dem Strafgesetz entsteht die Gefahr, dass Ärzte und Krankenpersonal, auch die Apotheker unter schweren Druck geraten, wenn sie nicht dazu bereit sind, eine Abtreibung durchzuführen oder zum Beispiel die sogenannte Abtreibungspille (Mifegyne) abzugeben. Aber auch für schwangere Frauen, die schon jetzt nicht selten seitens des Partners, manchmal sogar seitens der eigenen Eltern zur Abtreibung gedrängt werden, wird der Druck dann sicher noch größer. Ich dagegen halte es für notwendig, darüber nachzudenken, wann endlich die sogenannten „Flankierende Maßnahmen“ – kommen, die Einführung einer zumindest dreitägigen, besser fünf- oder siebentägigen, verpflichtenden Überlegungsfrist vor Durchführung einer Abtreibung, Förderung von Beratung und Verpflichtung des Arztes, auf sie hinzuweisen, statistische Erfassung und Motivforschung bei Abtreibung. Außerdem halte ich es für dringend notwendig, dass alle Verantwortungsträger aus dem Dornröschenschlaf unserer Wohlstands- und Vergnügungsgesellschaft erwachen und seriöse Konzepte entwickeln, die die Familie auf der Grundlage der Ehe zwischen Mann und Frau gezielt fördern, insbesondere kinderreiche Familien mit drei und mehr Kindern, ebenso die Widmung an die Familie als freiwillige Alternative jener, die es selbst wollen.