Statt Dauerfrust: Jugend mit Perspektive

50 Jugendliche suchten 2009 in der Jugendnotschlafstelle JUMP! Zuflucht und waren dort durchschnittlich 29mal anzutreffen. Die 1.484 verzeichneten Nächtigungen weisen auf einen bemerkenswerten Bedarf an Notschlafplätzen im niederösterreichischen Zentralraum hin. Emmaus St. Pölten hat in den vergangenen Jahren die Angebote für Jugendliche deshalb konsequent erweitert. 2009 wurden von den 50 Jugendlichen 17 in eine andere Einrichtung vermittelt, 13 gingen zurück zu den Eltern, zwölf in eine eigene Wohnung, bei sieben ist der jetzige Aufenthaltsort unbekannt und einer ist in Haft. Die relativ hohe Weitervermittlung in eine eigene Wohnung ist dem Emmaus-Projekt „Begleitete Verselbständigung“ (BeVe) zu verdanken, wo junge Erwachsene lernen, sich in der eigenen Wohnung eine Existenz aufzubauen.


Aus Ermangelung an alternativen Möglichkeiten schuf Emmaus auch die Kursmaßnahme WorkOut – ein halbes Jahr intensiver Betreuung zur Orientierung der Jugendlichen in ihrer Berufs- und Lebenswelt. Eine neue Chance für junge Opfer von Krieg und Gewalt in Afghanistan bedeutet die Wohngruppe für minderjährige Flüchtlinge in Viehofen.


Mehr psychische Belastungen


Einen dramatischen Anstieg musste JUMP! bei den Gästen mit psychischen/psychiatrischen Erkrankungen verzeichnen. Dieser Trend setzte sich 2009 wie in anderen Jugendeinrichtungen leider fort. „Für psychisch erkrankte und suchtkranke Jugendliche bei JUMP! fehlen leider oft die Möglichkeiten zur Weitervermittlung“, bedauert Roland Hammerschmid, stellvertretender Geschäftsführer und pädagogischer Leiter der Emmausgemeinschaft.
Eine kurzfristige Motivation zu einer stationären Behandlung wäre oft nicht das Problem, wohl aber die bis zu dreimonatigen Wartezeiten, die sich bis zu einer Aufnahme ergeben. „Was im Hintergrund immer notwendig ist, ist die psychiatrische Abklärung. Die Therapie- und Psychiatrieeinrichtungen sind da platzmäßig leider völlig überfordert.“


„Insgesamt ist es uns bei Emmaus wichtig, bei Leuten anzusetzen, die sonst nirgends eine Chance haben“, sagt Roland Hammerschmid. Wir haben viele Angebote, die wir auch weiterführend nutzen können – Beschäftigung, einen Wohnplatz im Krisenfall. Das ist bei Jugendlichen wichtig: schnell und unkompliziert reagieren zu können.“


Jugendlich - obdachlos


Obdachlose Jugendliche – gibt’s so was überhaupt? „Jugendliche finden lange Unterschlupf bei Freunden, bevor sie auf der Straße landen“, erklärt der pädagogische Leiter von Emmaus, warum das Problem oft nicht augenscheinlich und statistisch nur schwer erfassbar ist.


Vor rund zehn Jahren veränderte sich die Situation dahingehend, dass immer jüngere Gäste Emmaus aufsuchten. Doch Tageszentrum Kalvarienberg und Notschlafstelle Kunrathstraße waren und sind keine geeigneten Plätze für Jugendliche. Im Jänner 2004 beauftragte schließlich das Land NÖ Emmaus mit der Einrichtung einer Jugendnotschlafstelle in St. Pölten, im Oktober nächtigten die ersten Jugendlichen in der Austinstraße.


Mangel an Geborgenheit


Was bringt Jugendliche so weit, dass sie auf die Angebote von Emmaus angewiesen sind? Roland Hammerschmid sieht viele Faktoren: Die Auflösung der Großfamilien, Mangel an Geborgenheit, die Informationsflut und die gesellschaftlich produzierte Getriebenheit: Den Eltern bleibt für die Kinder keine Zeit mehr. Fernsehen und Gewaltspiele am Computer dienen als Ersatz. Am Arbeitsmarkt bekommen nur top Qualifizierte einen Platz. Alle anderen haben das Gefühl, nicht gebraucht zu werden. „Findet sich längere Zeit keine Lehrstelle oder kein Arbeitsplatz, haben die Jugendlichen dann keine Struktur mehr“, so Hammerschmid.


Individualität im Konzept ist bei allen Lösungen wichtig. Die Jugendlichen sind die Unabhängigkeit gewöhnt, brauchen aber trotzdem starke Beziehungsarbeit, die Ressourcen und Zeit erfordern. Wir danken deshalb immer wieder den vielen privaten Spendern und Förderern, der Caritas, der Diözese St. Pölten sowie den Fördergebern von Land NÖ, AMS, ESF, Justiz, Nögus und Stadt St. Pölten für ihre Unterstützung.


Emmausgemeinschaft