Rundfunkansprache Heiliger Abend 2010

Liebe Hörerinnen und Hörer!


Wir sind einmal mehr am Heiligen Abend angelangt. Alles ist bereit: die Geschenke, der Christbaum, ein gutes Essen. Sind auch wir bereit? Ich frage mich manchmal, warum viele Menschen heute verlernt haben, sich zu freuen. Ich denke, das hängt damit zusammen, dass uns eine Konsumwelt vorgaukelt, Freude komme von Haben, Haben von Besitz und Glück. An keinem Fest wird dies deutlicher als an Weihnachten, wo ab September der Kaufrausch angeheizt wird. Tief im Herzen beneiden wir Erwachsenen die Kinder um die Fähigkeit, sich an Weihnachten vor Freude fast zu verlieren. Wir erinnern uns, wie das war, können es aber gar nicht mehr. Dabei vergessen wir oft, dass die kindliche Freude an Weihnachten niemals nur von den Geschenken kam, sondern viel mehr umfasste. Doch je mehr wir der Geschenkindustrie glauben, die mit dieser Sehnsucht spielt, desto weniger freuen wir uns. Für viele Menschen ist Weihnachten ein einsames, trauriges Fest, selten hat die Telefonseelsorge so viel Zulauf, selten ist die Selbstmordrate so hoch.


Es ist ein wenig wie mit dem Hunger, den viele von uns heutzutage fast nie verspüren, weil man immer alles essen kann; man hat vergessen, wie köstlich Essen schmeckt, wenn man zuvor gehungert hat. Es klingt wie eine Binsenweisheit, aber in unserer Zeit, in der wir uns fast alles kaufen können, lernen wir bitterer denn je: Freude kann man nicht kaufen. Wie aber können wir diese Weihnachtsfreude erwecken? Wie können wir uns wahrhaft beschenken lassen?


Früher war der Advent eine Fastenzeit. Das sieht man noch an den lila Priestergewändern und an den drei lila Kerzen des Adventskranzes. Heute fasten wir nicht mehr, aber der Sinn ist: im Advent wird uns, wird der Welt klar, dass wir es alleine nicht schaffen; dass wir jemanden brauchen, der auf uns zu kommt und uns ganz neu diese wahre Freude schenkt, die die Welt uns niemals geben kann, die unser Herz lachen macht. Und dann sind wir bereit für die Erkenntnis: es ist jemand gekommen, der alles verändern kann. Weihnachten ist sein Geburtstag. Und er will uns beschenken, mit der echten Freude. Das ist der Sinn hinter allen Geschenken des Weihnachtsfestes. Wo aber erhalten wir die Freude? Wir müssen darum bitten.


Gehen wir doch dieses Weihnachten an die Krippe in der Weihnachtsmette. Bleiben wir eine Weile alleine vor dem Kind in der Krippe. Sagen wir ihm: ich schaffe es nicht alleine. Das merke ich jeden Tag neu. Gib mir diese Freude ins Herz, kleines Kind von Bethlehem. Und Gott wird in unser Herz kommen. Das wünsche ich Ihnen und mir.


Möge Ihnen und allen Ihren Angehörigen, Verwandten, Freunden und Bekannten ein wahres, frohes Weihnachtsfest geschenkt sein.