Priester im Zeitalter der Demokratisierung

Über das Amt des Priesters und die Priesterweihe in Zeiten zunehmender Demokratisierung sprach der Grazer Dogmatiker, Unv. Prof. Dr. Bernhard Körner am 28. April bei einer Gastvorlesung in der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten. Dieses Spannungsverhältnis treffe nicht nur die Priester selbst, sondern alle Gläubigen, sagte er. Mach dem Zweiten Weltkrieg wurde aufgrund der schlimmen Erfahrungen der Weltkriege und diktatorischer Systeme die Demokratisierung gefördert und habe spätestens seit den 68-er Jahren alle Lebensbereiche erfasst, wies Körner hin. Demokratie wurde zur Mentalität und zur grundlegenden Einstellung. Die Demokratisierung sei ein Plädoyer für Gleichheit und Freiheit und wurde zu einer Gegenbewegung zu hierarchischen Strukturen. Menschen nahmen die Möglichkeit wahr, ihre Ordnung selbst zu gestalten, was auch einen neuen Pluralismus bedingte.


Religiosität statt Religion


Im Bereich der Religion trat die Religiosität, die religiöse Erfahrung, in den Vordergrund. Diese wurde immer mehr außerhalb traditioneller Religionen gesucht und benötigt im Gegensatz zur Offenbarungsreligion keinen Mittler.
In der Katholischen Kirche wurde durch die Mündigkeit der Laien dem demokratischen Anliegen Rechnung getragen. Die breite Mitwirkung aller Getauften entspreche nicht nur den Demokratisierungsbestrebungen, sondern auch der Communio, wies Körner hin. In Kontrast dazu stehe das „herkömmliche Priesterbild“, das einen Wesensunterschied zwischen Klerikern und Getauften sieht und die Weihe als „Herausgehoben aus dem übrigen Volk“ versteht.


Kirche und Aggiornamento


Papst Johannes XXIII. und das Zweite Vatikanische Konzil haben mit ihrem „Aggiornamento“ versucht, die Zeichen der Zeit mit Bleibendem zu verbinden. Die gesamte Pastoralkonstitution „Kirche in der Welt von heute“ sei gleichsam „ein Gespräch von Christen mit Nichtgläubigen über die Frage, was der Mensch ist“, sagte Körner. Das zweite Vatikanum sei ein Suchen nach theologischer Neuorientierung gewesen.
Der Priester werde in der dogmatischen Konstitution „Lumen Gentium“ in seinem Dienst im und am Volk Gottes gesehen, dem er dienend zugeordnet sei. Dieser Dienst bestehe vor allem darin, dass der Priester Jesus Christus sakramental zur Geltung bringe. Er selbst sei nicht vom Volk Gottes delegiert, sondern stehe in der Sendung Jesu Christi.
So gebe es das Priestertum aller Getauften und das Priestertum des Dienstes. Diese unterscheiden sich zwar dem Wesen nach, seien aber einander zugeordnet. Kirche könne nur im Miteinander dieser beiden Formen entstehen, betonte der Dogmatiker. Der Priester sei geweiht und nicht nur beauftragt, erklärte Körner. Dabei habe die Weihe eine innere Logik: Durch die sakramentale Gestalt der Weihe werde der Priester nicht durch die Gemeinde, sondern durch Christus selbst in den Dienst genommen.


Konzil setzte neue Akzente


Damit habe das Konzil die herkömmliche Lehre der Kirche nicht in Frage gestellt, aber deutliche Akzente gesetzt, sagte der Dogmatiker. Der Amtsträger werde nicht aus dem Volk herausgehoben, sondern in das Gesamt der Kirche eingeordnet und ihm zugeordnet. Damit sei die Sicht von Überordnung und Unterordnung relativiert und der Wesensunterschied, das Spezielle des Priesterlichen Dienstes, geistig-theologisch vorgestellt, wies er hin.
Die Spannungsfelder zwischen Amt und demokratisierter Religion zeigen, dass es heute nicht nur auf eine gute Weihetheologie ankomme, sondern auch auf eine angemessene Praxis, unterstrich Körner abschließend. Wichtig sei, wie ein Amt ausgeübt werde. Dies hänge aber nicht nur vom Amtsträger ab sondern auch von jenen, die dieses Amt in Anspruch nehmen, also von den Gläubigen selbst.