Predigt zum Hochfest Peter und Paul, 29. Juni 2010

Liebe Weihbischöfe Anton und Heinrich,
liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst,
insbesondere liebe Jubilare,
liebe Brüder und Schwestern!
Die Themen, um die in dieser Stunde unsere Gedanken kreisen, sind vorgegeben: An der ersten Stelle steht die Dankbarkeit Gott gegenüber dafür, dass er uns berufen und geführt hat; dass sich viele von uns an diesem Festtag die Worte des hl. Paulus zu eigen machen können: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten“ und auch: „Der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft.“


Vor wenigen Tagen hat mir ein Mitbruder, der jetzt auch unter uns ist, voll Freude ein Fotoalbum gezeigt, das ihm aus Anlass des 40-jähringen Pfarrerjubiläums die Pfarre mit viel Liebe zusammengestellt hat. Es dokumentiert die wichtigsten Höhepunkte und Ereignisse seines priesterlichen Wirkens. Von jedem Priester könnte eine solche Dokumentation angelegt werden. Wir würden auf Vieles stoßen, das Anlass ist, um Gott zu danken: da ist eine gute Saat aufgegangen; da finden sich dankbare Menschen, die Gutes erfahren haben; schwierige Zeiten, die überstanden, Notsituationen, die bewältigt wurden. Tränen und Enttäuschungen, manchmal schweres Leid scheinen zwar in solchen Dokumentationen meist nicht auf, haben aber in der Regel auch nie ganz gefehlt.


Nach nun bald sechs Jahren im Land kann ich das als Diözesanbischof voll und ganz bestätigen: Da ist viel Gutes in den Pfarren vorhanden. Fast alle Priester und Pfarrgemeinderäte, Pfarrkirchenräte, Religionslehrer, Pastoralassistenten sind mit viel Fleiß, viel Eifer und großem Einsatz an der Arbeit. Guter Wille ist überall zu erkennen, auch wenn die Zusammenarbeit und manch Anderes nicht immer ganz einfach sein mag und hier und dort Probleme bestehen. Es überwiegen jedenfalls sicher die Gründe, um froh zu sein und um Gott für all das Gute, das getan wird, zu danken. Und als Diözesanbischof betrachte ich es außerdem als Pflicht, meinen Mitbrüdern und allen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Namen der Diözese und auch im Namen der Pfarrgemeinden für alle ihre Mühen und Bemühen meine Anerkennung und meine Verbundenheit auszudrücken und ein herzliches Vergelt’s Gott zu sagen.


Es gibt aber auch eine zweite Seite der Medaille: Wir haben auch Grund, uns in dieser Stunde mit unserem Gebet und mit unseren Bitten an Gott zu wenden, denn es ist nicht zu übersehen, dass wir in Not sind. In den letzten Jahren hat sich im ganzen Land ein starker Wandel vollzogen. Es ist nicht nur ein Wandel zum Positiven. Dieser Wandel ist nicht überall gleich stark, aber im Gange ist er überall. Ich kann das auch bezeugen: Fast alle Priester – und nicht nur die Priester – leiden unter dem Rückgang des Gottesdienstbesuches; der eingetreten ist trotz aller Anstrengungen; fast überall bleiben die meisten Jugendlichen ab einem bestimmten Alter dem kirchlichen Leben weitgehend fern, viele heiraten – wenn überhaupt – sehr spät, ja, man muss sagen, die Weitergabe des Glaubens ist – eigentlich auch unabhängig vom Priestermangel – an nicht wenigen Orten regelrecht gefährdet. Dass der Priestermangel eine Bedrängnis darstellt, in letzter Zeit aber auch der Nachwuchs bei den Religionslehrern und Pastoralassistenten nachlässt, und dass es schwieriger wird, ehrenamtliche Mitarbeiter zu finden, kann auch nicht verschwiegen werden. Es ist sicher richtig, wenn wir in dieser Stunde für den Heiligen Vater, die Bischöfe, Priester und Diakone, für alle, die im Dienst der Verkündigung stehen, und ganz besonders auch für die Familien beten. Die Familien sind in der heutigen Zeit ganz besonders wichtig, sie sind aber auch besonders gefährdet und für ihre Aufgabe heute nicht vorbereitet, sie müssen genau so wie wir alle in der heutigen Zeit, in den heutigen Verhältnissen als Christen leben und wirken lernen.


Ich habe mich gefreut zu hören, dass gestern, am Vorabend des heutigen Hochfestes, der Heilige Vater einen neuen Päpstlichen Rat für die Neuevangelisierung errichtet hat. Dieser neue Rat bezieht sich insbesondere auf die Länder alter christlicher Tradition, in denen der Glaube und die Kirche selbst durch die fortschreitende Säkularisierung in Not bzw. teilweise regelrecht in Krise geraten sind. Dieser neue Päpstliche Rat ist – davon bin ich überzeugt – auch für uns wichtig.


Derzeit wird viel darüber diskutiert, ob Priester heiraten sollen, ob die Katholische Kirche die Sexualmoral ändern kann, ob Anpassungen an die heutige Zeit, an die heutige Gesellschaft möglich bzw. nötig sind. Auf diese Diskussionen will ich mich jetzt nicht einlassen, aber ich denke an die Haltung der Urgemeinde, von der es heißt: „Die Gemeinde aber betete inständig für ihn“. Das war die Reaktion der Kirche angesichts der Gefahren und Bedrohungen für Petrus und die Kirche und das muss auch unsere Haltung sein.


Angesichts eines oft durchgeplanten Aktivismus mag ein Aufruf zum Gebet manchen wie eine "Flucht in die Spiritualität" wirken; und doch bin ich sicher, es ist wirklich der einzige Weg, damit unsere Kirche wieder erstarkt. Sonst "machen wir, nicht er."Ich denke auch an das Wort des heiligen Paulus: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat.“ Das ist nämlich jedenfalls sicher: er, Christus, ist der Weg und er wird immer der Weg bleiben: für die Kirche insgesamt, für jeden einzelnen Christen und für unsere Diözese.


Der heutige Tag soll ein Tag der Freude sein. Der Glaube an Christus vermag uns zu tragen und gibt uns eine sichere Hoffnung. Wenn wir gemeinsam und persönlich unsere Hingabe an Christus erneuern, jeder an seinem Platz – der Bischof, die Priester, die Diakone und alle anderen – dann ist das ein sicherer Weg zur Erneuerung, ein Weg, der Zukunft hat, ein Weg, der uns auch inmitten der Wirren unserer Zeit froh macht.


So wünsche ich nochmals ganz besonders allen Jubilaren Gottes Segen und uns allen Gottes Beistand. Möge uns die Fürsprache Mariens und die Fürsprache der heiligen Apostel Petrus und Paulus helfen, treu zu sein. Dann wird alles gut.