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Predigt Schlussgottesdienst Pastoraltagung Salzburg 9. 1. 2010

Liebe Brüder und Schwestern! Die Texte aus der Heiligen Schrift, die wir soeben vernommen haben, sind die für den heutigen Tag vorgesehen Lesungen. Sie könnten nicht besser ausgewählt sein für den Anlass, der uns in diesen Tagen zusammengeführt hat.


Die Darlegungen über die Liebe bei Johannes schenken Einsichten, die für jede zwischenmenschliche Beziehung grundlegend sind, insbesondere auch für Ehe und Familie. Schon im Konzil finden wir den Grundgedanken, der später in allen wichtigen nachkonziliaren Dokumenten bezüglich Ehe und Familie wiederholt wird und zu den Lieblingsgedanken des jetzigen Papstes gehört. „Deus Caritas est“, Gottes Wesen ist die Liebe. Der Mensch, der aus Liebe von Gott als sein Abbild erschaffen wurde, ist zur Liebe bestimmt. Er hat freilich gesündigt und sündigt immer wieder. Deshalb verirrt er sich häufig in der Sackgasse einer ungeordneten, falschen Liebe. Christus, das einzig vollkommene Ebenbild Gottes, bringt die tiefste Offenbarung dessen, was Liebe ist, und er schenkt an ihr Anteil. Und dort, wo der Heilige Geist wirkt, erwacht diese gleiche Liebe.


Deshalb ist es so wichtig, dass das Sakrament der Ehe und sein Zusammenhang mit Taufe und Firmung bzw. mit Eucharistie und Bußsakrament mit aller Klarheit verkündet und entdeckt wird, dass wir als Christen die nötigen Hilfen haben, um den Weg zur wahren Liebe finden zu können. Ehe und Familie haben auch heute große Chancen zu gelingen, wenn das Wort Gottes die Richtschnur ist und Christus mit seinem Heilswerk die Grundlage. Wir haben keinen Grund zur Furcht. „Furcht gibt es in der Liebe nicht“, sagt Johannes.


Im Evangelium vernahmen wir den Bericht über die nächtliche Bootsfahrt: „Er sah, wie sie sich beim Rudern abmühten, denn sie hatten Gegenwind.“ Es ist wahr, dass wir in einer Zeit leben, in der der Gegenwind stark ist: Bezüglich Glaube an Gott, bezüglich eines echten, christlichen Lebens, und ganz besonders bezüglich Ehe und Familie. Von Treue wollen die Menschen unserer Wohlstands- und Fungesellschaft nur wenig wissen, noch weniger von Opfer. Deshalb findet auch die Ermutigung zu mehr Kindern und die Ermutigung, das Leben so zu gestalten, dass Familie Platz hat, relativ wenig Echo. Heute soll alles leicht gehen, die persönlichen Pläne haben Vorrang. Die Schönheit einer großen Familie oder die Früchte der Selbsthingabe werden nur von wenigen erfasst, auch wenn man sagen muss, dass die Zahl jener, die sehr wohl verstehen, wächst.


Von Jesus lesen wir, dass er sich den Jüngern, die sich im Gegenwind abmühten, näherte, dass er aber dann an ihnen vorüber gehen wollte. Das ist eigenartig, aber das kommt des Öfteren vor. Es ist eine Erfahrung, die man im Umgang mit ihm macht: Man fängt an, müht sich ab – persönlich und gemeinsam, z.B. in der Pfarre oder in der Familienpastoral -, aber es scheint chancenlos, unfruchtbar. In Wirklichkeit geht er aber nicht vorüber, er lässt die Seinen nicht im Stich.


„Sie schrien auf, als sie ihn sahen“, hieß es im Evangelium. Auch das kommt oft vor. In vielen Gottesbegegnungen, die uns überliefert sind, stoßen wir auf diese Furcht vor dem Außergewöhnlichen, vor dem Übernatürlichen. Es sind auch Ängste, die Gottes Ruf auslöst, Ängste vor den Konsequenzen. Manche wenden sich von Gott, von der Kirche ab, sobald sie merken, dass es konkret wird. Heute wird man als Priester, als Bischof nicht selten gewarnt: Das kann man doch heute nicht mehr verlangen! Oder: Das darf man heute nicht mehr sagen! Wirklich?


Er begann mit ihnen zu reden und sagte: „Habt Vertrauen, ich bin es. Fürchtet Euch nicht!“ Dann stieg er mit ihnen ins Boot und der Wind legte sich.


Es ist entscheidend auch für uns, für alle, die mit der Botschaft Gottes konfrontiert sind, mit ihm zu reden, den Dialog mit ihm zu suchen: Was willst Du von mir? Wir brauchen uns nicht zu fürchten. Jenen, die Gott lieben, gereicht alles zum Guten, sagt der hl. Paulus. Wichtig ist, dass Christus mit ins Boot kommt, und bei uns bleibt. Dann wird alles gut werden.


Welches sind die Schlussfolgerungen, die wir aus dieser Tagung ziehen könnten? Ich weiß es nicht, was Sie darüber denken.


Persönlich bin ich davon überzeugt, dass wir keine Angst haben sollen, die volle Wahrheit zu verkünden, ohne Abstriche und ohne etwas Wichtiges auszulassen. Es gehören da sogar noch ein paar Themen dazu, über die wir in diesen Tagen gar nicht gesprochen haben. Vielleicht ist das auch gut so. Man kann und soll nicht immer über alles und jedes reden. Aber jedenfalls gilt: Nur die Wahrheit macht frei. Immer muss dieses Reden über die Wahrheit mit Liebe und Einfühlungsvermögen geschehen, immer ist dabei Vertrauen in Gott und seinen Mensch gewordenen Sohn nötig. Er ist es, der die Welt erlöst hat.


Vom Gegenwind sollten wir uns nicht zu sehr beeindrucken lassen.


Ich denke weiters, dass wir um den Heiligen Geist bitten sollen, damit wir wirklich die Haltung des Guten Hirten uns zu Eigen machen. Es ist ein großes Herz nötig, viel Verständnis für die Menschen, aber auch Glaubenskraft und Mut. Ich bin davon überzeugt, dass wir eine missionarische Kirche werden sollen, in der das Wichtigste das persönliche Lebenszeugnis ist. Ich freue mich darüber, dass hier und dort wieder größere jüngere Familien zu sehen sind, dass viele von ihnen aus dem Glauben leben. Es sollten noch mehr werden. Das ist wahrscheinlich das Wichtigste. Wir sollen aber auch reden, zur Familie ermutigen, für die Familie eintreten mit dem Mut zu klaren Idealen, auch wenn wir zugleich für alle und jeden Verständnis haben, denen es nicht gelingt, diese Ideale zu leben. Wir selbst sind ja auch schwache Menschen, die Angst haben, sobald das Boot ein wenig zu schwanken anfängt, weil der Wellengang zugenommen hat. Verankern wir uns gut in Gott. Und ich muss gestehen: Mir hilft auch Maria. Ich liebe das Wort des hl. Bernhard von Clairvaux: Schau auf den Stern, schau auf Maria. Sie gibt dir Halt in allen Stürmen. Sie wird uns beistehen, wenn wir sie darum bitten.