Predigt Gedächtnismesse hl. Josefmaria Escrivá

Liebe Brüder und Schwestern!


Eines der hervorstechenden Merkmale im Leben und Wirken des hl. Josefmaria Escrivá de Balaguer ist seine große Liebe zur Kirche. Er schrieb schon in den 30er Jahren im Büchlein „Der Weg“: „Et unam, sanctam, catholicam et apostolicam Ecclesiam....- ich verstehe gut, dass Du diese Worte langsam und bewusst aussprichst: ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“ (Weg 517). Und im darauffolgenden Punkt schreibt er: „Welche Freude, aus tiefster Seele sagen zu können: ich liebe meine Mutter, die heilige Kirche!“


Als in den 40er Jahren manche das Opus Dei anklagten, es ziehe die Leute an sich und entfremde sie den Einrichtungen der Kirche, gab der hl. Josefmaria zur Antwort: „Entweder dient das Opus Dei der Kirche oder es dient zu gar nichts.“ Das war seine tiefste Überzeugung von Anfang an bis zum letzten Atemzug.


Er sah von Anfang an die Aufgabe des Opus Dei darin, Apostel, moderne Apostel auszubilden. Es sollte Menschen – Männer und Frauen – befähigen, in den heutigen Verhältnissen an ihrem Platz, im Beruf, in der Gesellschaft, in der Familie „Salz und Licht“ zu sein; Christen, die ausstrahlen, andere ansprechen, die eine große Sorge im herzen tragen und die sie zu Christus führen.


Josefmaria Escrivá war sehr froh über das II. Vatikanische Konzil, denn es bestätigte, was er schon viele Jahre vorher – nicht ohne Widerspruch – gelehrt hatte. Ab dem 2. Oktober 1928 hat der Gründer des Opus Dei unermüdlich gepredigt, dass nicht nur die Priester und Ordensleute die Kirche ausmachen, sondern dass alle Getauften und Gefirmten ihre Sendung aktiv wahrzunehmen haben.


Traurig war er, als er dann miterleben musste, wie die Aussagen des Konzils von vielen missverstanden und missdeutet wurden. Viele Priester und Ordensleute haben sich im Sinne einer falsch verstandenen Öffnung der Welt angepasst und nicht wenige haben ihre Berufung verloren. Der hl. Josefmaria litt manchmal an der Kirche. Er hatte die Gewohnheit, in Rom, sooft er den Petersdom aufsuchte, das apostolische Glaubensbekenntnis zu sprechen. Einmal tat er dies gemeinsam mit einem mit ihm befreundeten Kardinal. Als er zu den Worten kam „Et unam, sanctam, catholicam et apostolicam Ecclesiam“ fügte er hinzu: „trotz allem“. Als ihn dann der Kardinal darauf ansprach, gab er zur Antwort: „Ich glaube an die Kirche trotz meiner und ihrer Sünden.“


Als die nachkonziliaren Schwierigkeiten größer wurden, mit Leugnung der Realpräsenz in der Eucharistie durch manche, mit Vernachlässigung des Opferaspektes in der Eucharistie, mit weitgehendem Verlust des Sündenbewusstseins und Bußsakramentes, Verbreitung eines falschen Kirchenverständnisses usw. reagierte Escrivá nicht mit Bitterkeit, sondern mit einer verstärkten Anstrengung, die Seinen im Glauben zu bestärken. Mit großer Kraft hielt der hl. Josefmaria Priester und Laien dazu an, das geistliche Leben nicht zu vernachlässigen und die Aufgabe des Apostolates - an erster Stelle im eigenen Umfeld - mutig wahrzunehmen, ohne falsche Angst mit vertrauen in die Hilfe des Herrn.


Und das Opus Dei ist in einer Zeit, in der viele Orden und Diözesen große Verluste erlitten, nicht kleiner, sondern größer geworden. Er hat alle Mitglieder des Opus Dei und die mit dem Opus Dei verbundenen Menschen bei vielen Gelegenheiten aufgefordert, das „Duc in Altum“, den Auftrag Jesu an Petrus, „fahre hinaus auf den See und wirf die Netze aus“ vertrauensvoll in die Tat umzusetzen. Das Opus Dei konnte sich trotz aller Schwierigkeiten, auch trotz aller Anfeindungen ausbreiten und breitet sich auch heute weiter aus. Mit einer konsequenten, stillen Arbeit.


Nicht wenige Verdächtigungen hat das Opus Dei aus diesem Grund erlitten. Man warf ihm vor: „Sie fangen die Leute“. Der Gründer sagte, dass das Geheimnis des Opus Dei das Gebet ist, seine Treue zur Kirche und seine Treue zu Christus. Ursprünglich wurde Opus Dei als revolutionär bezeichnet und wurdo sogar bei der Glaubenskongregation der Häresie verdächtig angezeigt, weil sein Gründer – Escrivá – sagte, dass man nicht in einen Orden eintreten muss, um Christus konsequent nachzufolgen; dass man sich mitten in der Welt lebend „heiligen“ kann. Später hat man das Opus Dei als reaktionär bezeichnet, weil es sich bemühte, dem Papst und seinem Lehramt Folge zu leisten. Es war nicht nur treu zur Lehre der Kirche, es hat einen Weg gelehrt, um in der heutigen Zeit und unter den heutigen Verhältnissen gottverbunden zu leben. Das ist sehr attraktiv bei Jung und Alt, es gibt dem Leben einen Sinn, was eine große apostolische Wirksamkeit mit sich bringt.


Man kann nur wünschen, dass die Lehre, die Spiritualität des Gründers des Opus Dei von möglichst vielen entdeckt wird. Es tut sich für sie ein Weg zu Gott auf und die Kirche wird wirksam auch heute, mitten in einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft, auch dort, wo das Licht fast erloschen ist, und inmitten der Wirren einer Kirche, die sich mit den Umbrüchen unserer Zeit schwer tut und bis jetzt damit nicht zurecht kommt.


Der hl. Josefmaria Escrivá hat Maria sehr verehrt. Auch das war ein ganz besonderes Kennzeichen für ihn. Bitten auch wir Maria um ihre Fürsprache, sie möge uns beistehen, den Willen Gottes zu erfüllen.