Nikolaus
 
 

Predigt bei der Radiomesse am 3. Oktober 2010

Schwestern und Brüder in Christus -
über die Radios - und hier im Dom! Die Worte Jesu im heutigen Evangelium scheinen schwer verständlich, ja befremdlich.
Herren und Sklaven: solche Verhältnisse widersprechen den Menschenrechten, bedeuten Unterdrückung! Werden diese Verhältnisse von Jesus heute da nicht bestätigt, ja bestärkt? Nicht einmal Danke sagen muss der Herr?
Wie so oft verwendet Jesus wieder einmal ein Gleichnis. Für die Zuhörer damals war das normal und sie stimmen Jesus zu: „Ja genau so ist das zwischen einem Herrn und einem Sklaven. Genau das ist der Unterschied: der Knecht muss die Arbeiten machen.“
Warum erzählt das Jesus? Anscheinend hat es schon zu seiner Zeit Jünger gegeben, die sich besser vorgekommen sind als andere, die sich über die anderen erhoben haben. Und auch zur Zeit des Evangelisten Lukas hat es anscheinend Christen und Vorsteher gegeben, die sich sehr wichtig vorgekommen sind. Da erinnert Lukas an das Wort Jesu: Moment einmal: Ihr seid Menschen, nicht Gott! Ihr seid nicht die Herren! Gott ist der Schöpfer, ihr seid Geschöpfe. Christus ist der Herr und Erlöser.
Wer hingegen erfahren hat, was ihm mit dem Glauben geschenkt ist, der kann nur sagen: das bin ich schuldig aus Dankbarkeit, da bin ich froh, mithelfen zu dürfen.
Wie übrigens Gott zu uns Menschen ist, das wissen wir vor allem vom Lebensende Jesu her: Er übernimmt den Sklavendienst der Fußwaschung und gibt sein Leben für uns hin!


Zum ersten Teil des Evangeliums. Zunächst die recht realistische Bitte der Jünger: stärke unseren Glauben. Sie erleben oft genug, wie schwach er ist. Die Antwort Jesu ist überraschend. Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, usw. Das klingt so wie: Aber nicht einmal so groß ist er …
Im Zuge der Vorbereitungen auf diese Predigt habe ich auch noch eine andere Auslegung gefunden: Und selbst wenn euer Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkorn – in Wahrheit ist er ja viel größer!“
In dem Sinne: Nicht zuerst auf das schauen, was wir nicht haben, sondern auf das, was wir haben! Nicht auf das, was noch fehlt, nicht warten bis alles perfekt ist. Sondern auf das schauen, was wir schon haben!


Haben Sie schon einmal Senfkörner gesehen? Die sind wirklich winzig klein. Auf den Kopf einer Stecknadel passen vielleicht 8,9,10 Körner. Winzig. Selbst wenn mein Glaube nur so klein ist, also winzig, kann er einen Maulbeerbaum ausreißen: der ist bekannt dafür, dass er besonders tiefe und feste Wurzeln hat.
Und wenn du nur EINEN Satz vom ganzen Evangelium verstanden hast, wie Frère Roger sagt, lebe ihn, und er wird dein Leben verändern! Und wenn du nur EIN Gebet kennst: bete es, und es wird dein Leben verändern.


Schauen wir in dieser Woche, welche Körner in der Natur oder welche Moleküle des Lebens wir entdecken! Schauen wir darauf, welche Körner des Glaubens in uns da sind, die wir schon haben, und wenn sie noch so klein sind: welche Kraft steckt in ihnen!
Ein ehrliches Danke: verändert das Zusammenleben!
Nur EIN Stoßgebet für meine Familie und meine Arbeitskollegen: es verändert den Tag!
Amen.