Predigt Altarweihe Maria Taferl

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst,
lieber Herr Landeshauptmann,
liebe Brüder und Schwestern! Es ist wirklich eine Freude, die restaurierte Orgel mit ihrem herrlichen Klang spielen zu hören und die neu renovierte Kirche in ihrer Harmonie und Farbenpracht zu bewundern. Durch die Mitwirkung vieler ist ein großes Werk gelungen. Es ist nicht schwer, sich in die jubilierende Haltung Davids hinein zu versetzen, die uns in der 1. Lesung aus dem Buch der Chronik beschrieben wurde: Nachdem ihm endlich von Gott Frieden geschenkt war, hat David die Bundeslade mit aller Feierlichkeit an den für sie vorbereiteten Ort übertragen. Auch für uns ist Maria Taferl ein Ort der Zuflucht und des Trostes, an dem wir in allen unseren Anliegen und Nöten Gottes Nähe finden können.


Ich bin sehr dankbar für alles, was getan wurde, um diesen unseren Wallfahrtsort erneut zu einer würdigen Stätte des Gebetes zu machen. Ich danke Dir, lieber Herr Landeshauptmann, für Dein großes Engagement, Deine volle Unterstützung von Anfang an und bis zum Schluss; ich danke Ihnen, Herr Generaldirektor Hameseder: Sie haben sich unglaublich eingesetzt; ich danke allen, die im Kuratorium mitgewirkt haben, ganz besonders danke ich Herrn Schüller, auch dem Messner und Dir, lieber P. Gottfried, aber auch unserem Diözesanbaumeister, dem Denkmalamt, allen Künstlern und Handwerkern. Alle haben ihr Bestes gegeben.


Ich bin überzeugt davon, dass dieser Renovierung für unser Land eine besondere Bedeutung zukommt. Vor wenigen Tagen wurde der neue, wirklich würdige Altar aufgebaut. Wenn er nun geweiht wird, verknüpft sich damit ein wichtiges Anliegen. In der zweiten Lesung hörten wir einmal mehr die Worte: „Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit.“ Das große Anliegen für unser Land und alle, die in ihm wohnen, lautet: Christus nicht aus den Augen verlieren! Auf Ihn schauen, auf Ihn hören, Ihn in unseren Herzen aufnehmen! Die Weihehandlung steht damit in Bezug.


An Hand der Zeremonie der Altarweihe möchte ich Ihnen dieses Anliegen kurz erläutern: Es beginnt damit, dass die Fürsprache der Heiligen angerufen wird und einige Reliquien von Heiligen, die mit unserem Land in Bezug stehen, in den Altar eingefügt werden. Dann folgt als Zeichen der Reinigung die Besprengung des neuen Altares mit Weihwasser, ähnlich wie wir alle bei der Taufe mit Wasser besprengt bzw. übergossen wurden. Danach wird der Altar gesalbt: Er soll Christus tragen, mit ihm verbunden, für ihn Zeichen sein. Auch wir wurden bei der Taufe und bei der Firmung gesalbt; denn auch wir sollen Christus im Herzen tragen, zu ihm stehen, ihn durch unser Leben vergegenwärtigen in der Familie, am Arbeitsplatz, in allen Situationen des Lebens, auch wir sollen in gewissem Sinn Altar sein.


Im Anschluss an die Salbung wird dann auf dem Altar Weihrauch entzündet als Symbol für Gebet. Denn es heißt im Psalm: „Gott, wie Weihrauch steige unser Gebet zu dir empor.“ Es wird verdeutlicht: aus echter Begegnung mit Gott entspringt Leben.


Der zentrale Moment im heiligen Geschehen der Altarweihe ist das Weihegebet. Sobald es gesprochen ist, soll der Altar nur mehr für den Gottesdienst verwendet werden. Bei der Taufe wurde auch unser Leben gleichsam Gott „geweiht“. Es geschah durch die Anrufung der heiligsten Dreifaltigkeit. Eine Bedeutung hat aber auch das Taufversprechen, das wir manchmal erneuern sollten. Da gibt es einen Unterschied. Einen Menschen kann man nicht einfach nehmen wie einen Gegenstand und Gott weihen. Beim Kleinkind, das getauft wird, legen an seiner Stelle die Eltern und Paten das Taufversprechen ab. Damit aber die Taufe im Leben des Kindes fruchtbar wird, muss es sich, sobald seine Vernunft erwacht, selbst den Glauben zueigen machen. Und später –für das groß gewordene Kind, für den Erwachsenen- ist es manchmal nötig, zum christlichen Weg zurückzukehren, wenn er verlassen wurde, was oft Umkehr und Neubeginn voraussetzt.


Im Hinblick auf diese Zusammenhänge und im Bewusstsein der Situation unserer Gesellschaft hat bei mir das Miterleben der Renovierung hier in Maria Taferl von Anfang an den Wunsch entfacht: wie schön wäre es, wenn ähnlich wie diese Kirche die ganze Diözese gereinigt und erneuert werden könnte. Was ist mit der Fürsprache Marias? So reifte in mir der Plan, am heutigen Tag alle Gläubigen zu einer besonderen Wallfahrt nach Maria Taferl einzuladen. Es entstand das Projekt der 33 Schritte. Es handelt sich um eine Art gründlicher Exerzitien im Alltag, die 33 Tage dauern, wesentliche Themen des christlichen Lebens betreffen und zu einer bewussten Erneuerung des Taufversprechens hinführen. Wenn das mit einem echten Reinigungsprozess und mit dem Aufleben des christlichen Sendungsbewusstseins verknüpft ist, dann entsteht eine erneuerte Kirche und die Altarweihe, die wir vollziehen, findet im Leben der Gläubigen eine Fortsetzung. Vielleicht sagen Sie: Das klingt wie ein schöner Traum. Ja, das ist wahr.
Trotzdem: Warum sollte es nicht möglich sein? Gerade deshalb renovieren wir unsere Kirchen und erneuern wir unsere Altäre, weil wir glauben, dass Gott in diesen Kirchen und auf diesen Altären in besonderer Weise uns nahe kommt. Die Liturgie der Altarweihe will gerade das zum Ausdruck bringen. Nach dem Weihegebet folgen noch einige ausdeutende Riten: Der Altar wird mit einem weißen Tuch bedeckt, das sauber und makellos sein soll. Es erinnert an das Taufkleid. Auch das ist für uns ein Hinweis. Die Kerzen werden feierlich entzündet: Das Licht Christi soll in den Herzen der Menschen entfacht werden. Schließlich bringt man als Zeichen der Liebe und der Freude Blumen, so wie den getauften Christen Tugenden, vor allem Liebe schmücken sollen.


Im Anschluss daran geht die Messe wie gewohnt weiter. Die Gaben werden gebracht, Brot und Wein. Es sind die Gaben der Kirche, auch unsere Gaben. Geistig können wir alles, was wir möchten, noch dazulegen: unsere Anliegen, Hoffnungen, Sorgen und die der anderen. Und wir dürfen hoffen, dass alle diese Gaben verwandelt werden in Christus, der gegenwärtig wird und sich mit Leib und Blut im Namen aller Menschen Gott darbringt. Das ist der eigentliche Höhepunkt der Altarweihe. Und wir empfangen die Frucht: Er schenkt sich uns. Wir können Anteil an ihm erlangen, mit ihm eins werden!


Es ist ein großer Trost, das mitzuerleben, und zu erfassen, was so ein Altar ist, was er bedeutet. Gott ist mit uns. Hier können wir ihn finden; hier empfangen wir seine Nahrung: Es ist Brot vom Himmel!


Allen möchte ich danken, die hier mitgewirkt haben, und allen wünsche ich die Freude der Erkenntnis, worum es hier geht und wozu wir eingeladen sind.


Zu aller letzt ein Hinweis auf das Festtagsevangelium: Es berichtete von Jesus am Kreuz, auch von Johannes und Maria am Fuße des Kreuzes. Es wurde uns erzählt, dass Jesus seiner Mutter den Johannes als Sohn anvertraut hat und dass Johannes Maria als Mutter haben durfte. Wenn wir fest zu Christus stehen, bei ihm ausharren, auch am Fuße des Kreuzes, werden wir sicher gemeinsam mit Johannes Maria begegnen. Sie macht stark. Feiern wir also mit Freude unser Jubiläum. Die Fürsprache Mariens wird uns sicher sein.