Pfarrgemeinderäte beschäftigt die Sorge um die Zukunft

„Wer sich als Pfarrgemeinderat oder Pfarrgemeinderätin engagiert, tut dies mit großem Wissen“ stellte der Wiener Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner bei der Präsentation der Studie über die Pfarrgemeinderäte im Stift Seiternstetten fest. Weit über 120 Pfarrgemeinderäte haben an dieser Präsentation teilgenommen. In den Ergebnissen der Befragung steht die Sorge um die Zukunft der Pfarrgemeinden im Vordergrund.
Der Altersdurchschnitt der aktiven Pfarrgemeinderäte liege über dem österreichischen Durchschnitt, ebenso das Bildungsniveau, wies Zulehner hin. Dies habe die österreichweite und Internet-gestützte Befragung der Pfarrgemeinderäte, die vor einem Jahr gestartet wurde, ergeben. 53 Prozent der Antworten kamen von Frauen, 47 Prozent von Männern. Die Pfarrgemeinderäte zeigen dabei eine enorm hohe Bereitschaft, das Leben und Wirken der Pfarre nachhaltig mitzutragen, bestätigte der Pastoraltheologe. Dabei wollen sie „entscheidend mitgestalten“ und nicht als „Quatschrunde“ gelten.
Zu den großen Sorgen der Pfarrgemeinderäte gehöre die Fragen, wie die Pfarrgemeinden der Zukunft sein werden, ob noch genug Menschen an den Gottesdiensten teilnehmen, ob noch junge Menschen in der Pfarre sein werden, ob es genug ehrenamtliche Mitarbeiter geben werde, ob die Pfarre noch einen eigenen Pfarrer habe und ob sie weiterhin eine eigenständige Pfarre bleibe.


Pfarre "zukunftsfähig" gestalten


Letztlich gehe es darum, eine Pfarre „zukunftsfähig“ zu gestalten, erklärte Zulehner. Es sei erkennbar, dass eine bestimmte Kirchengestalt zu Ende gehe, die durch eine bestimmte Kultur bestimmt war. Viele erleben auch, dass viele Strukturreformen heute einseitig auf den bestehenden Priestermangel ausgerichtet seien. Den zu beheben weisen auch viele Pfarrgemeinderäte auf weitreichendere Lösungen hin, etwa „viri probati“ (bewährte Männer) zu Priestern zu weihen.
Viele Menschen setzen weiterhin auf Hauptamtliche in der Kirche, sagte Zulehner. Man sei noch gewohnt, durch diese hauptamtlichen Personen „versorgt“ zu werden, ähnlich einem Dienstleistungsbetrieb. Die Kirche der Zukunft werde aber vielmehr von Ehrenamtlichen getragen werden müssen, prognostizierte er. Schon heute soll daher der Pfarrgemeinderat befähigt werden, „so viel Verantwortung übernehmen zu können, wie er morgen übernehmen werde müssen“, betonte der Pastoralthologe.


Für die Arbeit im Pfarrgemeinderat riet Zulehner, nicht nur das Kirchenjahr zu organisieren, sondern jeder der vorhandenen Sorgen ein „zukunftsorientiertes Projekt“ entgegen zu setzen. Das müsse aber von der Pfarrgemeinde selbst ausgehen.


Hohe Zufriedenheit


Zulehner bescheinigte den Pfarrgemeinderäten insgesamt eine hohe Zufriedenheit, wobei sich 39 Prozent als „hoch zufrieden“ und 49 Prozent als „zufrieden“ bezeichneten. Dies hänge laut Befragung mit der professionellen Arbeits- und Konfliktkultur, der Rolle des Pfarrers und der Innovationsbereitschaft der Pfarre zusammen, sagte Zulehner.


Die Ergebnisse der Studie werden auch die Grundlage für den Kongress der Pfarrgemeinderäte vom 13. bis 15. Mai in Mariazell sein, an dem Pfarrgemeinderäte aus allen Diözesen Österreichs teilnehmen werden.