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Pakistan: "Lage noch weit schlimmer als in den Medien dargestellt"

"Die Bilder in den Medien spiegeln nur einen Bruchteil der Trümmer wider, vor denen die Menschen in Pakistan jetzt stehen." Laut der Katastrophenhilfe-Chefin der Caritas Österreich, Sabine Wartha, sehe man sich einer Situation gegenüber, in der ein Land seine ganze Infrastruktur verloren habe: "Brunnen sind verseucht, Straßen abgerutscht, Brücken weggeschwemmt, die Ernte ist komplett vernichtet." Wie Wartha berichtete, sei durch die Flutkatastrophe in Pakistan die Lebensgrundlage der Bevölkerung einfach "weg": "Viele konnten sich nur mit dem retten, was sie am Leib getragen haben. Ohnehin schon gezeichnet von ihrer Armut und früheren Katastrophen stehen sie jetzt vor dem absoluten Nichts." Die Betroffenen bräuchten langfristig Unterstützung, um sich wieder selbst ernähren zu können.


"Wir stehen täglich in Kontakt mit Partnern und Organisationen an Ort und Stelle", berichtete Wartha, die selbst gerade erst von einem Einsatz aus dem im Jänner von einem Erdbeben zerstörten Haiti zurückgekommen ist. "Es gibt eine Caritas Pakistan, die aufgrund der vielen Katastrophen, die das Land heimsuchen, schon über viel Erfahrung verfügt. Sie verteilt, was die Menschen derzeit zum Überleben brauchen." Dazu gehörten u. a. Wasserreinigungstabletten, Notzelte, Hygieneartikel, Lebensmittel und Trinkwasser: "Es gibt ja zwar überall Wasser, aber kein Trinkwasser", verdeutlichte Wartha. Auch medizinische Zentren seien eingerichtet worden.


Die Hilfsorganisation versorgt einige Tausend Familien, "die Zahl der Betroffenen steigt täglich, weil sich die Situation nicht verbessert hat", sagte Wartha. Auch Mitarbeiter der holländischen und der amerikanischen Caritas sind im Helfer-Netzwerk vereint. "Eine Mitarbeiterin der amerikanischen Caritas hat mir gestern berichtet, sie hat noch nie so schmutziges Wasser gesehen. Es ist unvorstellbar, in welcher Situation die Menschen hier leben und überleben müssen", so die Caritas-Expertin. Vor allem litten die Betroffenen darunter, dass sie ihre Häuser verlassen mussten: Auf bloßer Erde, von Wasser umgeben, müssten sie die Nächte verbringen.


Schwierige Verteilung von Hilfsgütern


"Die Verteilung von Hilfsgütern ist immer eine schwierige Aufgabe", erklärte Wartha. Es sammelten sich meist Hunderte, Tausende Menschen, die vielleicht schon tagelang auf Hilfe gewartet haben: "Meiner Erfahrung nach sind die Menschen trotz ihrer Misere sehr geduldig, natürlich auch aufgeregt, und sie haben Angst." Die Caritas kooperiere mit regionalen Partnern, die Land und Leute bereits kennen, deshalb würden die Verteilungen geordnet und problemlos ablaufen: "Die Menschen sind erleichtert, die Dankbarkeit ist zu spüren", berichtete Wartha.


Die Helfer im Hochwassergebiet hätten bereits viele Katastrophen erlebt: "Aber so problematisch waren die Bedingungen noch nie, weil so ein Großteil der Infrastruktur völlig zerstört ist", so Wartha. Dies stelle die Mitarbeiter vor enorme logistische Herausforderungen; die Helfer arbeiteten unter extremen Druck, Hilfsgüter rechtzeitig zu den Betroffenen bringen zu können.


Rund 14 Millionen Menschen seien von der Katastrophe betroffen; das Überleben von etwa sechs Millionen Menschen sei von der Soforthilfe abhängig. "Es ist Urlaubszeit, und Pakistan scheint für viele Menschen weit weg zu sein, aber wir brauchen dringend Spenden, um lokal arbeiten und Hilfsgüter einkaufen zu können", appellierte die Katastrophenhilfe-Chefin an die Hilfsbereitschaft der Österreicher. "Viele Einheimische kennen Hochwasser ja aus eigener Erfahrung, es ist entsetzliche Situation."


Caritas Österreich-Spendenkonto: PSK 7.700.004, BLZ 60.000, Kennwort: Hochwasser Pakistan