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Pakistan ertrinkt in Flut und Chaos

20 Millionen Menschen sind obdachlos, 1.400 Menschen kamen ums Leben, mindestens 730.000 Häuser wurden zerstört. Sechs Millionen Kinder haben nach Angaben der Vereinten Nationen ihre Eltern verloren. Das Ausmaß der Flutkatstrophe in Pakistan ist erschütternd. Nun beginnt in Pakistan der Kampf ums Überleben. Durch die Verschmutzung des Trinkwassers steigt die Ansteckungsgefahr mit Typhus, Cholera oder Darminfektionen. Auch Hunger wird zu einem immer größeren Problem. Tausende Betroffene flüchten sich vor den Wassermassen in andere Gebiete des Landes.
Ruth Pfau und Caritas-Helfer Thomas Preindl schildern wie schwierig sich die Hilfsmaßnahmen in Pakistan gestalten und wie sie vor Ort helfen. "Wir haben nur noch unsere Kinder an uns reißen können als die Sturzflut kam. An etwas anderes haben wir nicht mehr gedacht." Eines der Millionen Schicksäle in Pakistan. Das berichtet Ruth Pfau von Gesprächen mit Betroffenen aus Khamisagoth. Ein Auszug aus ihren Schilderungen. Später fragte sie diese Frau wie viele Kinder sie habe. "Sechs sagt sie. Alle gesund? frage ich. Nein, sagt, sie. Eines hat die Flut mitgenommen."


Auch in anderen Dörfern zeigt sich ein ähnliches Bild. In Adamgoth leben 423 Flüchtlinge in einer Hindu-Siedlung in einem erbarmungswürdigen Zustand. Dieselbe Situation in Manghopir. Über 2.000 Menschen stehen dort vor dem Nichts. Die Kapazitäten der HelferInnen sind mehr als ausgelastet. Krankheiten breiten sich aus. Durchfall, Hautinfektionen, Schnupfen, Malaria. Ruth Pfau erzählt von einem Patienten: Khan Mohammed hat sich mit einer Stromentladung schwer verbrannt, eine elektrische Leitung ist in eine Regenwasseransammlung gefallen und hat das Wasser aufgeladen. Wir nehmen dem Jungen mit ins Krankenhaus, wir werden seine Füße retten können. Eine gute Nachricht also, in schwierigen Tagen.


Caritas-Helfer Thomas Preindl berichtet über eine Verteilung im 100-Familien-Dorf Saramina, wo Muslime, Christen und Hindus nun Zelt an Zelt nebeneinander leben.
Vor einigen Wochen war es noch ein ganz normales Dorf. Vielleicht mit der Besonderheit, dass in Saramina, zwei Autostunden nordwestlich von Pakistans Hauptstadt Islamabad gelegen, Muslime, Christen und Hindus friedlich nebeneinander lebten. Damals hatten sie noch ihre Lehmhäuser. Seit der großen Flut leben die rund 100 Familien Zelt an Zelt - in einem Camp der Caritas und einer lokalen Partnerorganisation.


"Die Menschen haben sich extrem gefreut über die Hilfe und sind dankbar für die Zelte, aber die Angst vor der Zukunft sitzt allen im Nacken. Schließlich wissen sie, wie extrem kalt ihre Winter sind", berichtet der österreichische Caritas-Mitarbeiter Thomas Preindl. Gestern, Mittwoch, hat der erfahrene Katastrophenhelfer in Saramina Hygieneartikel verteilt. Dort hatten die Menschen Glück im Unglück: Viele ihrer Felder sind noch intakt, Mais und Gemüse sind bald erntereif – ein Hoffnungsschimmer angesichts der enormen Zerstörung. Trinkwasser kommt aus dem Tank der Caritas.


Essen und sauberes Wasser sind jetzt für viele Menschen in Pakistan schon Luxus: Sechs Millionen Menschen sind durch die Hochwasserkatastrophe völlig auf humanitäre Hilfe angewiesen. "Der Bedarf ist so enorm, wir tun, was wir können, aber es ist einfach noch viel mehr Hilfe nötig", hofft Preindl auf weitere Spenden aus Österreich. Heute bricht der Tiroler in den Shangla Distict im Norden auf, um das internationale Caritas-Team in Besham in Logistikfragen zu unterstützen. Was genau das heißt? "Die große Fragen sind: Was bekommen wir wo wie her und wer braucht es am dringendsten?", so Preindl.


„Kirche in Not“: Lage in überfluteten Gebieten unübersichtlich


Die Behörden in Pakistan sind nach Informationen des weltweiten katholischen Hilfswerks "Kirche in Not" nach wie vor mit der Bewältigung der Flutkatastrophe überfordert. Die zuständige Projektleiterin des Hilfswerks, Regina Lynch, hat nach eigenen Angaben erfahren, dass die Regierung ganze Züge voller Flüchtlinge in die westpakistanische Stadt Quetta geschickt habe, ohne dort Vorbereitungen für die Versorgung der Menschen getroffen zu haben. Nach Angaben des in Quetta tätigen Salesianerordens stünden die Flüchtlinge in der nahe der afghanischen Grenze gelegenen Stadt daher bisher vor dem Nichts, denn es mangele an Nahrung und Unterkünften. Lynch versicherte, dass "Kirche in Not" dort über die Salesianer helfen werde.


In den überfluteten Gebieten bleibe die Lage unübersichtlich. Lynch berichtete, sie stehe im Dialog mit Bischof Andrew Francis von Multan, Bischof Max Rodrigues von Hyderabad sowie dem Präsidenten der pakistanischen Caritas, Bischof Joseph Coutts von Faisalabad. Wörtlich sagte Lynch: "Die Bischöfe waten immer noch durch das Wasser, um sich ein Bild von der Situation zu machen." "Kirche in Not" werde sofort handeln, sobald die Bestandsaufnahme beendet sei und man um Hilfe gebeten werde.


In Faisalabad und Multan seien viele Familien obdachlos geworden, nachdem starker Regen die Dächer zerstört habe. Während die Muslime Pakistans sich an die UNO wenden, sähe die christliche Minderheit des Landes vor allem die Kirche als erste Anlaufstation, berichtete Lynch. Auch nach der Flut werde noch viel Wiederaufbauarbeit geleistet werden müssen. Ganze Dörfer seien im Norden Pakistans von der Flut mitgerissen worden. Die so zerstörten kirchlichen Gebäude müssten nach Rückgang des Wassers rasch wieder aufgebaut werden, damit die Menschen wieder Versammlungs- und Rückzugsorte bekämen. Nur so könne die geistliche Grundlage für den Wiederaufbau gelegt werden, betonte Lynch.


„Jugend Eine Welt“-Partner bringt Hilfspakete


„Wir helfen wo wir können“, berichtet Salesianerpater Peter Zago, „Jugend Eine Welt“-Projektpartner in Pakistan. Tausende Menschen, die auf der Flucht vor den Wassermassen sind, suchen Schutz im Ziarat-Tal in der Nähe von Quetta. P. Zago, der Leiter des Don Bosco Learning Centres, bringt den Familien gemeinsam mit seinen Mitarbeiter/innen und Schüler/innen Hilfspakete und versucht ihnen Trost zu spenden.


P. Zago: „Die Flüchtlinge wissen, dass Don Bosco nicht nur den Kindern hilft, sie vertrauen auf uns – und wir lassen sie nicht im Stich. Wir dürfen nun aber keine Zeit verlieren. Täglich steigen die Preise. Getreide, Brot und Medikamente werden knapp. Für mindestens einen Monat müssen wir den Familien hier helfen. Danach ist es ihnen hoffentlich wieder möglich in ihre Dörfer zurückzukehren. Etwas Speiseöl, Mais oder Weizen, damit allein kann man ein Fladenbrot backen. Schon 100 Euro reichen aus um eine neunköpfige Familie einen Monat zu versorgen.“


Die Salesianer Don Boscos arbeiten seit 1999 in Pakistan und betreiben ein Jugend- und Sozialzentrum, eine Schule und ein Berufsausbildungszentrum. Seit dem verheerenden Erdbeben im Jahr 2005 unterstützt Jugend Eine Welt die Arbeit der Salesianer in Pakistan verstärkt, unter anderem durch den Wiederaufbau von Wohnhäusern und Schulen im Erdbebengebiet.


Spendenkonto der Caritas: PSK 7.700 004, BLZ 60.000, Kennwort: Hochwasser Pakistan
Spendenkonto „Kirche in Not“: PSK 92.065.338, BLZ 60000, Kennwort: Pakistan
Spendenkonto „Jugend Eine Welt“: PSK 92.083.767, BLZ 60.000, Kennwort: Flutkatastrophe Pakistan