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"Orden leisten ihren Beitrag zur Hilfe für Missbrauchsopfer"

Die volle Zusammenarbeit der Ordensgemeinschaften mit den Diözesen zur Aufklärung und Verhinderung künftiger Missbrauchsfälle in der Kirche hat Propst Maximilian Fürnsinn bekräftigt. Im Gespräch mit "Kathpress" stellte Fürnsinn klar, dass die Orden auch ihren Beitrag leisten würden, wenn Opfer materielle Hilfe bräuchten. Der Propst des Stiftes Herzogenburg ist auch Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften in Österreich. Er feierte am 5. Mai seinen 70. Geburtstag. Die Äbte und Ordensoberen hätten sich kürzlich bei einem Informationstag ausführlich mit den juristischen, psychologischen und therapeutischen Aspekten von Missbrauch auseinandergesetzt, berichtete Fürnsinn. Er wies auch darauf hin, dass die meisten bekannt gewordenen Fälle viele Jahre, ja Jahrzehnte, zurückliegen würden. Aktuelle Fälle seien die Ausnahme. Er glaube auch, dass es inzwischen ein neues Bewusstsein für die Gefahr des sexuellen Missbrauchs gebe und er sei deshalb zuversichtlich, dass die Präventionsmaßnahmen greifen würden.


Ohne die Schuld der Kirche kleinreden zu wollen sei die öffentliche Kritik an der Kirche aber teils auch ungerecht, betonte der Propst. Hier werde zum Teil "Missbrauch mit dem Missbrauch betrieben".


Zu der im Rahmen der Missbrauchsfälle aufgekommenen Zölibatsdebatte meinte Fürnsinn, dass er nicht so einfach für die Abschaffung des Zölibats sei. Dieser habe ein unglaubliche spirituelle Kraft, zugleich brauche es in der Kirche aber auch neue Wege. Bewährte verheiratete Männer könnten zu Priestern geweiht werden, so der Propst: "Das wäre ein gangbarer Weg." An den Orden und den Ordenspriestern gehe die Zölibatsdebatte in dieser Form aber naturgemäß vorbei.


Neue Wege in der Seelsorge


In Österreich gibt es derzeit 85 männliche Ordensgemeinschaften mit insgesamt rund 1.500 Ordenspriestern und 470 Ordensbrüdern. 35 Prozent aller Priester in Österreich gehören einem Orden an. Die Ordenspriester spielen auch in der Pfarrseelsorge eine bedeutende Rolle. So werden beispielsweise in der Erzdiözese Wien knapp 50 Prozent aller Pfarren von Orden betreut.


Der Vorsitzende der Superiorenkonferenz beurteilte das nicht nur positiv. Es sei ein Problem, wenn dadurch das gemeinschaftliche spirituelle Leben in der Ordensgemeinschaft zu kurz komme. Orden hätten zudem als geistliche Zentren wichtige Aufgaben über die Pfarrseelsorge hinaus wahrzunehmen. Das sollte in Zukunft wieder stärker in den Blick genommen werden, so Fürnsinn.
Neue Konzepte für die Pfarrseelsorge seien notwendig. Fürnsinn verwies auf die immer zahlreicher werdende Pfarrverbände. Neue Teams von gut ausgebildeten Laien und Priestern müssten zusammen wirken.


Armut, Migration, Wirtschaftskrise


Der Herzogenburger Propst zeigte sich zudem davon überzeugt, dass die Kirche stärker in die Gesellschaft hineinwirken müsse. Er verwies etwa auf die zunehmende Armut im Land, wo die Kirche über die Caritas hinaus aus der Perspektive des Glaubens heraus neue Wege zu solidarischem Handeln aufzeigen müsste. Selbiges gelte beispielsweise für die Bereiche Migration, Flüchtlinge oder die Wirtschafts- und Finanzkrise. Es brauche einen Dialog der klügsten Köpfe im Land mit kirchlichen Vertretern.
Hier sah Fürnsinn vor allem auch die Orden an der Schnittstelle zwischen Kirche und Gesellschaft gefordert. Sie müssten sich als Orte der Begegnung und des Dialogs profilieren.


Minarette und Moscheen


Auf die Präsenz des Islam angesprochen, meinte der Propst, dass dieser eine Realität im Land sei. Es gelte die Religionsfreiheit. Zugleich müsse man aber immer auch mit Augenmaß vorgehen. Ihn persönlich würden etwa Minarette nicht stören, es stelle sich aber schon die Frage nach deren gesellschaftlicher Akzeptanz und es wäre zu diskutieren, "ob nicht auch Moscheen ohne Minarette reichen würden". Die Muslime müssten auf jeden Fall auch das demokratische Gesellschaftskonzept und die Trennung von Staat und Religion anerkennen. Hier seien durchaus Ansprüche zu stellen, so Fürnsinn. Einen Schlüssel zur Integration der Muslime in die Gesellschaft sah der Propst in einer besseren Frauenpolitik.


Wörtlich hielt der Propst fest: "Wenn heute viele die Angst vor einer Islamisierung an die Wand malen dann kann ich nur sagen: Lebe auch du deinen christlichen Glauben und sprich deine Überzeugung aus und wundere dich nicht nur, wenn es die anderen tun."


Hilfe für Christen im Orient


Fürnsinn war bis vor kurzem auch Großprior der Statthalterei Österreich des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. In dieser Funktion hatte er die Kirchen Europas immer wieder aufgefordert, sich stärker für die christlichen Kirchen des Orients einzusetzen. Und das ist ihm auch heute noch ein großes Anliegen. Es brauche mehr Partnerschaften von Diözesen oder auch einzelnen Pfarren mit den Kirchen im Nahen und Mittleren Osten, so Fürnsinn.


In diesem Zusammenhang wies er auch auf ein Projekt hin, das ihm ein besonderes Anliegen ist: Anlässlich des 900-Jahr-Jubiläums von Stift Herzogenburg im Jahr 2012 wird es nicht nur rund um und im Stift zahlreiche Veranstaltungen geben. "Wir werden in Bethlehem ein mehrtägiges Kinderfest veranstalten. Um den Kindern, die dort wie in einem großen Gefängnis leben, über soziale Hilfe hinaus Freude und Hoffnung zu schenken."


Bis zum Jubiläumsjahr soll auch die Innen- und Außenrenovierung des Stifts abgeschlossen sein, kündigte Fürnsinn an. Das sei aber nur durch Zuschüsse der öffentlichen Hand möglich. Die Bundesmittel seien seit vielen Jahren aber nicht mehr angehoben worden sondern im Gegenteil sogar rückläufig. Das betreffe nicht nur die Renovierung von Herzogenburg sondern auch vieler anderer Stifte und Klöster. Die Äbte hätten diesbezüglich auch schon bei Bundesministerin Claudia Schmid vorgesprochen, noch gebe es aber keine zufriedenstellende Lösung.


Generell sei es nicht tragbar, dass die Kirche im Bereich der Denkmalpflege mehr an Mehrwertsteuer bezahle, als sie an öffentlichen Mitteln zugeschossen bekommt, kritisierte Fürnsinn: "Das kann so nicht weitergehen." Das Geld fließe ja nicht in den Säckel der Klöster sondern werde für Renovierungsmaßnahmen ausgegeben und komme so letztlich den Arbeitnehmern zugute. Allein bei der Renovierung von Stift Herzogenburg seien 50 bis 70 Personen beschäftigt.


Karriere mit Lehre


Propst Fürnsinn wurde 1940 in Herzogenburg als Sohn einer Fleischhauerfamilie geboren. Nach der Volks- und Hauptschule lernte er auf Wunsch des Vaters den Fleischhauerberuf und wurde 1957 zum besten Fleischhauer-Lehrling des Landes Niederösterreich gekürt. Danach besuchte er die Aufbaumittelschule Horn, die er 1965 mit der Matura abschloss. Noch im selben Jahr trat Fürnsinn als Novize bei den Augustiner-Chorherren im Stift Herzogenburg ein.


Von 1966 bis 1970 studierte er Philosophie und Theologie an der Ordenshochschule in Klosterneuburg, danach setzte er seine Studien zwei Jahre lang an der Universität Wien fort. Am 2. September 1972 wurde er vom damaligen St. Pöltner Diözesanbischof Franz Zak zum Priester geweiht. Von 1972 bis 1979 wirkte Fürnsinn als Kaplan in der Herzogenburger Stiftspfarre und als Novizenmeister und Bauamtsdirektor, ehe er am 18. April 1979 zum Propst des Stiftes gewählt wurde. Seit 1998 ist der Propst Vorsitzender der Österreichischen Superiorenkonferenz.


Auf seine Ausbildung zum Fleischhauer angesprochen meinte Fürnsinn, dass er davon stets profitiert habe: Disziplin, Verantwortungsbewusstsein, Kundenorientierung, der Umgang mit Menschen und wirtschaftliches Augenmaß seien auch als Propst notwendige Fertigkeiten und Eigenschaften.
Als Kaplan habe ihm die Seelsorge in der Pfarre große Freude bereitet und er versuche auch als Propst immer nahe bei den Menschen zu bleiben, spende oft die Sakramente und führe viele persönliche Gespräche und geistliche Begleitungen. "1973 habe ich in Herzogenburg den Seniorenklub gegründet. Bis heute bin ich jeden Montagnachmittag mit dabei."
Zugleich bereite ihm aber auch das Amt des Propstes große Freude; wenn er nun auch mit 70 Jahren merke, "dass das Alter schön langsam Grenzen setzt". Eines sei ihm in seinem Leben jedenfalls immer bewusster geworden: "Ohne den Herrn und seine Nähe, ohne die Kraft des Heiligen Geistes kann man seinen Weg so nicht gehen."