Ökumenische Notfallseelsorge bei Kriseninterventionsplattform

„Wir hoffen, dass durch diese Plattform unsere Hilfe auch vermehrt angeboten wird“, erklärt der Leiter der Ökumenischen Notfallseelsorge Stefan Mayerhofer bei der Pressekonferenz bei der Gründung der Kriseninterventionsplattform Niederösterreichs am 11. März im Landhaus St. Pölten. Durch diesen in Österreich einzigartigen Zusammenschluss von Notfallseelsorge, den Psychosozialen Akutteams, der Krisenintervention des Roten Kreuzes und des Arbeiter-Samariterbundes und Erreichbarkeit soll die Zusammenarbeit der verschiedenen mobilen Betreuungseinrichtungen intensiviert werden. Hilfreich auch die einheitliche Notrufnummer 144.

Durch regelmäßige Treffen, Austausch bei Fortbildungen, die gemeinsame Qualitätssicherung und eine enge Zusammenarbeit sollen die verschiedenen Ressourcen aller Organisationen bestmöglich genutzt werden, weisen deren Vertreter hin. Die rasche Alarmierung aller Organisationen über den zentralen Notruf 144 und die Einbindung der Katastrophenabteilung des Landes sei eine wesentliche Vereinfachung und schütze vor Mehrgleisigkeit. Die Effizienz werde sich dann besonders bei Großereignissen zeigen. Im vergangenen Jahr wurden etwa 1.500 Einsätze verzeichnet, 42 davon in der vorletzten Novemberwoche.

Soziale Modellregion Niederösterreich

Landesrätin Johanna Mikl-Leitner dankte den Organisationen, die mit ihrem Engagement mithelfen, Niederösterreich zu einer „sozialen Modellregion“ zu machen. „Dieses flächendeckende Netz, das wir 365 Tage im Jahr haben, verdanken wir den meist ehrenamtlichen und freiwilligen Helfern, die sich in den Dienst derer stellen, die akut Hilfe brauchen!“ Dies verlange Mut, Feingefühl, Sensibilität und Stärke, erklärt die Landesrätin. Durch diese Plattform könne das Netz noch enger geknüpft und Synergien vernetzt werden sowie eine noch professionellere Abwicklung stattfinden.
Christian Milota, Geschäftsführer der NÖ Landesakademie, kündigt an, dass der Zusammenschluss wird nicht der letzte Schritt sei: „Nun gilt es weiter zu feilen um die Qualität und die optimalen Abläufe zu sichern.“

Frage nach Religion stellt sich meist etwas später

„Im Einzelfall funktioniert unser Einsatz schon ganz gut!“, meint Notfallseelsorger Stefan Mayerhofer. Das psychosoziale Akutteam sowie die Krisenteams vom Roten Kreuz und ASBÖ stehen beim Einsatz zuerst im Mittelpunkt. Die Fragen an die Religion werde zwar immer wichtiger, stelle sich aber meist etwas später, weist er hin. Der Zusammenschluss mit den anderen Einheiten soll künftig verhindern, was nach der Hochwasserkatastrophe 2006 im Wein -und Waldviertel passiert sei – ihm wurde damals mitgeteilt, dass die örtlichen Notfallseelsorger nicht benötigt würden, weil bereits jene aus Tirol und Vorarlberg anwesend seien.

“Beistehen - Zuhören - Helfen“

Die Ökumenische Notfallseelsorge Niederösterreich, wird gemeinsam von der katholischen Kirche (Diözese St. Pölten und Erzdiözese Wien) und der evangelischen Kirche Niederösterreichs verantwortet, getragen und finanziert. Sie wird ehrenamtlich und kostenlos durch speziell ausgebildete und beauftragte SeelsorgerInnen angeboten.

Die Seelsorger begeleiten Betroffene und Angehörige aber auch Einsatzkräfte, sie vermitteln auf Wunsch die Betreuung durch andere Kirchen oder Religionsgemeinschaften. NotfallseelsorgerInnnen sind in die multiprofessionelle Kriseninterventionsteams integriert und werden von diesen alarmiert. Sie ist strukturell den Einsatzkräften zugeordnet und kann über diese angefordert werden.

Derzeit sind in Niederösterreich insgesamt 57 Notfallseelsorger, 25 aus der Diözese St. Pölten, 20 aus der Erzdiözese Wien und zwölf aus der evangelischen Kirche im Team. Rund ein Drittel davon ist auch beim Roten Kreuz tätig.

Die Haupteinsatzgebiete der Organisationen sind plötzlich Todesfälle, Unfälle mit Schwerverletzten oder Toten, Betreuung von Betroffenen bei Gewaltdelikten, Begleitung von Angehörige nach Suiziden oder von vermissten Personen, sie begleiten die Exekutive bei Überbringung von Todesnachrichten und helfen bei akuten Krisen wie Suizidandrohungen.

Das Angebot ist für jeden kostenlos und steht rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung.
(hp/js)

Zum Foto. vlnr.: Pfr. Mag. Andreas Lisson (evang. Kirche, in Vertretung von Pfr. Birgit Schiller), Mag. Christian Ebner (Pastorale Dienste, Bereich Pfarre), Stefan Mayerhofer (Leiter Notfallseelsorge Niederösterreich), Dr. Christian Milota (NÖ Landesakademie), LR Mag. Johanna Mikl-Leitner Mag. Wolfgang Aumann (Diözese Wien), Dr. Sepp Winklmayr (Direktor Pastorale Dienste, St. Pölten),.