Neupriester P. Florian: „Die Liebe Gottes den Menschen zeigen“

„Wie man Priester auch definiert – man bleibt immer hinter dem Ideal zurück“, sagt P. Florian Ehebruster, Neupriester des Benediktinerstiftes Seitenstetten. „Doch ist es wichtig zu wissen: Es steht immer ein anderer hinter allem, was ich bin und tue.“ So sieht sich der 32-jährige auch als „Werkzeug Gottes“, um dessen Liebe den Menschen zu zeigen und sieht den „Dienst an der Gemeinschaft und den Menschen“ als Kern seiner pastoralen Tätigkeit. Diese beginnt mit dem Pastoraljahr als Kaplan an der Stiftspfarre Seitenstetten und der Pfarre Öhling.
Um ausreichend Zeit dafür zu haben, hat P. Florian seine Lehrtätigkeit am Stiftsgymnasium auf 10 Stunden beschränkt. Dort unterrichtet der vielseitige Jungpriester Religion und Französisch. „Für eine Klosterschule ist es wichtig, dass der Konvent im Lehrkörper vertreten ist“, erklärt P. Florian. Derzeit unterrichten vier Patres am traditionsreichen Gymnasium, an dem unter anderen der Staatsvertrags-Bundeskanzler Julius Raab maturiert hatte.


Nach dem 1. Abschnitt des Theologiestudiums, das P. Florian in Salzburg absolviert hat, kam das Interesse am Lehramt dazu. Da ihn Sprachen „schon immer interessiert“ haben, begann P. Florian mit dem Französisch-Studium. Doch damit nicht genug: Nach Abschluss der Theologie versuchte der musikbegeisterte Benediktiner „zum Spaß“ die Aufnahmeprüfung am Mozarteum im Fach Kirchenmusik – und schaffte diese prompt. Bereits als Kind lernte Michael – so P. Florians Taufnahme – Flöte und Klavier, als 16-jähriger begann er in seiner Heimatpfarre Ybbsitz als Organist auszuhelfen.


Mit 15 Stunden Unterrichtsverpflichtung in der Schule und zwei Studientagen in Salzburg blieb vorerst weniger Zeit für die Seelsorge. So war auch der pastorale Dienst nach der Diakonenweihe im Vorjahr auf Krankenkommunionen und liturgischen Dienst beschränkt. „Es war wichtig, zwei Klassen in Französisch und Religion zur Matura zu führen“, erzählt P. Florian. Mittlerweile hat er nach der Theologie und dem Lehramt auch das Musikstudium abgeschlossen und kann sich nun im Pastoraljahr vermehrt der Seelsorge widmen.


Die Musik soll jedoch auch weiterhin nicht zu kurz kommen, „in engem Zusammenhang mit der klösterlichen Liturgie“, wie P. Florian betont. Er wirkt als Stiftsorganist und unterstützt Chorleiter P. Franz Hörmann als Repetitor. Immer wieder stellt P. Florian sein Können auch bei Konzerten in der Stiftskirche oder am Sonntagberg bei den „Orgelmittagskonzerten“ unter Beweis.


Faszination der klösterlichen Gemeinschaft


Am Anfang der Berufung zum Mönch- und zum Priestertum stand bei Michael Ehebruster die „Faszination der klösterlichen Gemeinschaft“. Da der Ybbsitzer seinen Zivildienst als Altenpfleger in St. Peter/Au ableistete, suchte er in der Nähe für diese Zeit ein Zimmer – und fand es im benachbarten Stift Seitenstetten. Ohne in der Klausur zu wohnen, begann der spätere P. Florian am klösterlichen Leben teilzuhaben. Und fand Gefallen „am Chorgebet, der Gemeinschaft der Mitbrüder, an allem, was das Leben im Haus ausmacht“.


Der Kontakt zum Stift war schon vorher entstanden: durch den damaligen Kaplan in Ybbsitz und heutigen Subprior und Novizenmeister P. Laurentius Resch sowie über die Jugendvesper in Seitenstetten. Auch die Familie hat ihm auf seinem Weg zur Weihe „sehr unterstützt und viel Rückhalt gegeben“, betont P. Florian. Sein Vater ist Tierarzt in Ybbsitz, die Mutter Arztgehilfin in der Praxis, zwei Brüder und zwei Schwestern sind seine jüngeren Geschwister. „Am Anfang gab es Befürchtungen, dass ich im Kloster unglücklich werden könnte“, berichtet P. Florian. „Jetzt tragen alle meinen Entschluss mit und freuen sich mit mir. Das ist ein schönes Gefühl.“


Die aktuelle Krise der katholischen Kirche hingegen „bedrückt“ den Neupriester. Einerseits habe ihn „geschmerzt, wozu Mitbrüder fähig sind“, andererseits sei er „von so vielen hasserfüllten Leserbriefen in den Zeitungen betroffen“: „Das Image der Kirche in den Medien tut weh.“ Er habe sich deswegen auch bei der Planung von großen Feiern zu seiner Priesterweihe zurückgehalten, erklärt P. Florian, dann aber gedacht: „Es ist ein Zeichen, dass die Kirche lebt und dass es weiter geht. Ich freue mich jetzt darauf.“ Dazu passt auch sein Primizspruch: „Mein Herz ist bereit, o Gott“ aus dem Psalm 57.


„Wahrscheinlich war die Kirche noch nie so transparent und ehrlich wie heute“, hebt P. Florian das Positive an der Krise hervor. „Sie kann sich die früheren Fehler einfach nicht mehr leisten.“ Die Ereignisse der letzten Monate hätten gezeigt, dass auch Priester gewöhnliche Menschen seien. P. Florian: „Sie dürfen etwas Großartiges tun, sind aber deswegen nicht selbst großartig. Das hilft vielleicht, am Boden zu bleiben.“