"Mutter Teresa war eine Jahrtausendheilige"

"Mutter Teresa war nicht eine Heilige unter vielen, sie war eine Jahrtausendheilige": Wie der "Missio"-Nationaldirektor und frühere Begleiter des "Engels der Armen", Msgr. Leo Maasburg, bei einer Pressekonferenz in Wien erklärte, habe die vor 100 Jahren geborene Gründerin der "Missionarinnen der Nächstenliebe" das Missionsverständnis "von innen her revolutioniert": Mutter Teresa habe eine "love in action" vorgelebt, also den Anspruch, dass die Liebe zu Gott sich in konkreten Bemühungen um die Ärmsten als Abbilder Christi ausdrücken muss. Ihre "Mission" bestand laut Maasburg darin, dass sie niemanden "in den Glauben hineingeredet", sondern durch ihr Beispiel "in den Glauben hineingezogen" habe. Diese Haltung habe Mutter Teresa zu einer weit über die katholische Kirche hinaus geschätzten und bewunderten Persönlichkeit gemacht und sei bis heute Leitgedanke des Engagements von "Missio".
Anlass für das Pressegespräch war einein der Krypta der Peterskirche gezeigte Ausstellung über Mutter Teresa, die ab 27. August einen Monat lang bei freiem Eintritt das Leben und Wirken der 2003 seliggesprochenen Friedensnobelpreisträgerin beleuchtet.


Als "mutig" bezeichnete Maasburg die Entscheidung des Vatikans, die im Zuge des Seligsprechungsverfahrens bekannt gewordenen Dokumente über die langjährige spirituelle Not Mutter Teresas, ihre "Nacht der Seele", der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Er selbst habe von diesem Gefühl der Gottesferne und leidvollen Gottessehnsucht "überhaupt nichts gemerkt". Mutter Teresa habe selbst nie darüber gesprochen und sich nur wenigen geistlichen Begleitern geöffnet - etwa in Beichtgesprächen und Briefen. Wie Maasburg hinwies, sei diese "Nacht der Seele" ein von vielen großen Mystikern und Heiligen bekanntes Phänomen: Während aber z.B. die heilige Therese von Lisieux nur einen Monat lang eine schmerzvolle, krisenhafte Distanz zu Gott durchlitten habe, habe dieser Zustand bei Mutter Teresa wohl 35 Jahre gedauert. Auch dies weise auf eine Tiefe und Bedeutung der Seligen hin, die noch längst nicht ausgelotet sei.


Mit Begriffen wie "Burn out" an diesen Seelenzustand heranzugehen hält der "Missio"-Nationaldirektor, wie er sagte, für unangemessen. Es sei auch keine "perverse Leidenssehnsucht", sondern ein letztlich innerweltlich nicht erklärbares Phänomen, das in der Theologie nicht unbekannt sei. Maasburg nannte Mutter Teresas geistliche "Nacht" einen Ausdruck der menschlichen Realität, dass tief empfundene Liebe letztlich immer mit Leid verbunden sei.


In den am schlimmsten Leidenden und Ausgestoßenen habe die aus dem heutigen Mazedonien stammende Ordensfrau ihre Bestimmung gefunden. Dabei habe sie kaum die Wurzeln der Armut in den Blick genommen als vielmehr bei ihren schlimmsten Ausformungen konkret geholfen, so Maasburg. Einmal sei ihr vorgeworfen worden, dass sie die Armen füttere statt sie "fischen zu lehren". Mutter Teresas Antwort: "Ihre" Armen seien zu schwach, um eine Angel zu halten. Wenn sie durch ihre Zuwendung dazu in die Lage kämen, könnten ja andere das Lehren des Angelns übernehmen. "Was ich tue, können andere nicht tun. Was andere tun, kann ich nicht machen. Aber zusammen sind wir in der Lage, etwas Schönes im Sinne Gottes zustandezubringen", beschrieb Maasburg die Haltung Mutter Teresas.